Geiselnahme

Überfall im Forum Köpenick: Mutmaßlicher Täter in U-Haft

In dem Einkaufscenter in Köpenick ist die Filiale einer Postbank überfallen worden. Der Täter hatte drei Mitarbeiter in seiner Gewalt.

Berlin. Nach der Geiselnahme in einer Bankfiliale in Berlin-Köpenick ist gegen den mutmaßlichen Täter Haftbefehl wegen erpresserischen Menschenraubs erlassen worden. Er befinde sich derzeit in Untersuchungshaft, sagte der Sprecher der Berliner Generalstaatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Mittwochabend.

Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich den Angaben zufolge um einen 33-Jährigen, der am Dienstagnachmittag in einer Bankfiliale in einem Köpenicker Einkaufszentrum eine Angestellte mit einem Messer bedroht und 20.000 Euro gefordert haben soll.

Geiselnahme im "Forum Köpenick": Tatverdächtiger soll betrunken gewesen sein

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der mutmaßliche Täter stark betrunken gewesen sein. Hintergrund der Tat seien wohl Beziehungsprobleme und auch eine gewisse Absicht gewesen, von der Polizei getötet zu werden.

Eine Spezialeinheit der Polizei hatte ihn schließlich überwältigt. Nach Polizeiangaben vom Dienstag kam der Mann nach dem Einsatz zunächst zur Untersuchung in ein Krankenhaus, weil er beim SEK-Zugriff leichte Verletzungen davon getragen habe. Das gesamte Einkaufszentrum war geräumt und die umliegenden Straßen gesperrt worden. Mehr als 200 Polizisten waren im Einsatz.

Im Einkaufszentrum "Forum Köpenick" hatte der Mann am Dienstag gegen 14 Uhr versucht, eine Postbankfiliale zu überfallen. Dabei hielt er auch drei Mitarbeiter fest. Gegen 17 Uhr überwältigten Einsatzkräfte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) den Täter, wie die Polizei der Berliner Morgenpost bestätigte.

Demnach hatte sich der Tatverdächtige mit den Angestellten in der Bank an der Bahnhofstraße Ecke Elcknerplatz verbarrikadiert, teilte die Polizei mit.

Überfall auf Postbank: Motiv des Täters noch unklar

Den Einsatzkräften war es gelungen, mit dem Tatverdächtigen über längere Zeit in Kontakt zu treten, wie eine Polizei-Sprecherin der Berliner Morgenpost sagte. Das SEK habe dann einen „günstigen Zeitpunkt“ für den Zugriff genutzt und den Mann festgenommen, sagte ein Sprecher.

Über Motivation und Hintergründe des Vorfalls lägen noch keinerlei Erkenntnisse vor. Daher könne man zurzeit weder von einem Überfall noch von einer Geiselnahme sprechen, so die Sprecherin. Der Mann sei bewaffnet gewesen, womit sei aber unklar. Weitere Angaben zum Täter wurden am Dienstagabend zunächst nicht gemacht.

Die drei Angestellten der Bank blieben unverletzt, der Tatverdächtige erlitt bei seiner Festnahme leichte Verletzungen. Er wurde unter Polizeischutz in ein Krankenhaus gebracht.

Einsatz am "Forum Köpenick": Areal über Stunden abgesperrt

Die Polizei sperrte den Bereich rund um das Center im Ortsteil Köpenick weiträumig ab. Betroffen war auch die Bahnhofstraße in beiden Richtungen. Das "Forum Köpenick" wurde evakuiert. Gegen18 Uhr wurde das Einkaufszentrum wieder geöffnet und die Straßen frei gegeben.

Bedrohungslage in Köpenick: Panzerfahrzeug "Survivor" im Einsatz

Mehr als 200 Einsatzkräfte waren am "Forum Köpenick" über Stunden im Einsatz. Darunter waren auch schwerbewaffnete BFE-Einheiten (Beweissicherung- und Festnahmeeinheit) mit Helm und Maschinenpistolen.

Hinzugezogen wurde auch das Millionen Euro teure Panzerfahrzeug "Survivor". Es wurde für Einsätze gegen schwer bewaffnete Terroristen angeschafft. Auch die Feuerwehr war mit einem Notarzt und Rettungswagen vor Ort.

Überfall auf Postbank-Filiale im Karstadt-Haus am Hermannplatz

Erst Ende Juli hatten vier Männer eine Postbank-Filiale in einem Kaufhaus am Hermannplatz überfallen. Sie versuchten, dem Angehörigen einer Geldtransporter-Besatzung Geld zu entreißen und setzten dabei auch Reizgas ein. In der Bankfiliale sollte damals gerade ein Geldautomat aufgefüllt werden. Der Mitarbeiter des Geldtransportunternehmens wehrte sich gegen die Räuber, so dass sie Reißaus nahmen. Auch hier war ein Großaufgebot der Polizei im Einsatz.

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Geiselnahmen: Polizei sucht den Kontakt zum Täter - SEK sondiert den Zugriff

Im Falle von Geiselnahmen werde zuerst versucht, mit dem mutmaßlichen Täter zu sprechen, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Die Polizei müsse in Erfahrung bringen, was er wolle.

Normalerweise versuchen Polizeipsychologen in solchen Lagen den oder die Täter zum Aufgeben zu überreden. Das kann sich über Stunden hinziehen. Gleichzeitig analysiert das SEK die Lage und sondiert Möglichkeiten, überraschend mit Gewalt in das Gebäude einzudringen und den Täter zu überwältigen, ohne Geiseln zu gefährden. Dabei können auch Blend- oder Tränengasgranaten, Elektroschockwaffen oder Scharfschützen eingesetzt werden, wie es bei entsprechenden Vorführungen der Polizei immer wieder zu sehen ist. Das war in diesem Fall in Köpenick nicht nötig.