Gesundbrunnen

Schüsse aus Pistole können Raser nicht stoppen

Der Fahrer eines Mercedes ist in der Nacht zu Sonntag bei einer Polizeikontrolle in Gesundbrunnen auf zwei Beamte zugerast.

Aufgefallen war den Beamten das Auto gegen 1.30 Uhr am Nauener Platz Ecke Reinickendorfer Straße (Archivbild).

Aufgefallen war den Beamten das Auto gegen 1.30 Uhr am Nauener Platz Ecke Reinickendorfer Straße (Archivbild).

Foto: dpa

Berlin. Es waren Szenen wie aus einem Actionfilm. Am Ende konnten den Raser nicht einmal Schüsse stoppen. In der Nacht von Sonnabend zu Sonntag wollten Polizisten einen Mercedes-Fahrer am Nauener Platz, Ecke Reinickendorfer Straße in Gesundbrunnen kontrollieren. Der Fahrer, der zuvor mit stark überhöhter Geschwindigkeit durch die Stadt gerast sein soll, gab Gas und steuerte auf die Polizisten zu. Die Beamten feuerten auf den Wagen, der seine Fahrt trotzdem fortsetzte.

Der Mercedes stand wenig später verlassen im Bereich des Schillerparks. Wie die Polizei mitteilte, wurde der Wagen sichergestellt. Die Polizisten blieben unverletzt. Die Kriminalpolizei ermittelt nun wegen eines versuchten Tötungsdeliktes gegen den Mercedes-Fahrer.

Kreuzberg: Polizeiauto prallt gegen Stromverteilerkasten

Es sollte nicht der einzige Fall bleiben. In der Nacht zu Sonntag gab es weitere Raser-Fälle in Berlin. Bei einem Fall lieferte sich in Kreuzberg ein Autofahrer eine wilde Verfolgungsfahrt mit der Polizei, an deren Ende der Fahrer des Polizeifahrzeuges einen schweren Unfall baute.

Wie die Polizei mitteilte, bemerkten die Beamten um kurz nach drei Uhr bei einer Streifenfahrt in der Yorck-, Ecke Großbeerenstraße einen BMW, der mit deutlich zu hoher Geschwindigkeit unterwegs war. Als sie den Wagen stoppen wollten, flüchtete der Fahrer mit seinem Auto. Die beiden Polizisten nahmen die Verfolgung auf. An der Möckern- Ecke Obentrautstraße verlor der Raser die Kontrolle über den BMW, geriet auf den Gehweg und fuhr dort mehrere E-Roller und ein Straßenschild um.

Anschließend setzte der Wagen seine Flucht in Richtung Tempelhofer Ufer fort. Kurz darauf, an der Ecke Großbeerenstraße, wollten die Polizisten offenbar nach rechts in die Großbeerenstraße abbiegen, kamen dabei jedoch nach links ab und prallten gegen einen Stromverteilerkasten und ein geparktes Mofa. Anschließend drehte sich das Einsatzfahrzeug, prallte gegen einen Baum und kam auf der Seite zum Liegen. Körperlich verletzt wurden die beiden Polizeibeamten bei dem Unfall nach ersten Erkenntnissen nicht.

Bei einer anschließenden Absuche der näheren Umgebung entdeckten weitere Beamte den in der Möckern, Ecke Obentrautstraße im Halteverbot abgestellten Fluchtwagen. Das Auto wurde sichergestellt. Personen waren nicht mehr in dem Fahrzeug. Ein Fachkommissariats für Verkehrsdelikte sucht nun nach den Insassen des BMW.

Friedrichshain: Ermittler entdecken in Mercedes Kokain und Bargeld

Ein weiterer Fall ereignete sich in Friedrichshain. Polizisten hatten dort in der Nacht zu Sonntag nach einem mutmaßlichen Rennen ein Auto beschlagnahmt. Bei der Durchsuchung des weißen Mercedes, der zuvor an einem Rennen an der Frankfurter Allee, Ecke Warschauer Straße beteiligt gewesen sein soll, entdeckten die Polizeibeamten 2000 Euro Bargeld und Kokain.

Ein 19- und ein 21-Jähriger wurden festgenommen, teilte die Polizei am Sonntag auf Nachfrage der Berliner Morgenpost mit. Ein zweites Auto konnte vor der Polizei flüchten. Es steht der Verdacht im Raum, dass es sich bei dem Mercedes um ein Koks-Taxi gehandelt haben könnte.

Erst vor wenigen Tagen war es zu einem schweren Unfall auf dem Kurfürstendamm gekommen. Eine unbeteiligte Frau und ihre Tochter wurden dabei schwer verletzt. Der Fahrer des Mietwagens wurde noch nicht gefasst.

Unfall auf dem Kudamm - die Bilder

Jeden Tag finden in Berlin inzwischen Rennen statt

Am selben Abend, an dem der Unfall auf dem Kurfürstendamm passierte, gab es auch an der Warschauer Brücke in Friedrichshain einen Unfall nach einem Wettrennen. Ein 26-Jähriger verlor dabei die Kontrolle über sein Motorrad. Er stieß gegen einen Laternenmast, das Zweirad traf eine unbeteiligte Radfahrerin. Beide erlitten schwere Verletzungen.

Jeden Tag finden in Berlin inzwischen illegale Straßenrennen statt. Bei der zuständigen Amtsanwaltschaft sind nach Informationen der Berliner Morgenpost inzwischen so viele Verfahren anhängig, dass man statistisch davon ausgehen kann – Tendenz steigend.

Besonders seit den Corona-Beschränkungen sind verstärkt Raser gestellt worden. Die Beschuldigten sind nach Angaben der Justizverwaltung meist männlich und zwischen 20 und 30 Jahre alt. Während von Januar bis März dieses Jahres pro Woche im Schnitt zehn bis 15 Ermittlungsverfahren neu hinzukamen, gingen die Zahlen seit Mitte April nach oben. Bisheriger Höhepunkt war die Woche vom 20. bis 26. April mit 32 neuen Ermittlungsverfahren. Zu diesen Taten kam es in der Woche vor Ostern.

Verbotene Kraftfahrzeugrennen sind in Paragraf 315d des Strafgesetzbuches geregelt. Wer sich mit nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen, muss demnach bei einer Verurteilung mit bis zu zwei Jahren Haft oder einer Geldstrafe rechnen. 2017 wurden illegale Autorennen von einer Ordnungswidrigkeit zur Straftat hochgestuft.