U-Bahnhof Wittenau

Kind von U-Bahn mitgeschleift - Darum stoppte der Zug nicht

Ein Kind versuchte noch die U-Bahn zu erreichen. Als die Türen sich schlossen, blieb sie mit der Hand stecken und wurde mitgeschleift.

Einsatzkräfte der Berliner Feuerwehr kümmern sich am U-Bahnhof Wittenau in Reinickendorf um das schwer verletzte Mädchen.

Einsatzkräfte der Berliner Feuerwehr kümmern sich am U-Bahnhof Wittenau in Reinickendorf um das schwer verletzte Mädchen.

Foto: Morris Pudwell

Berlin. Ein sechsjähriges Mädchen ist bei einem Unfall an der U-Bahn-Haltestelle Wittenau in Reinickendorf am Donnerstagnachmittag schwer verletzt worden. Das Kind war mit einer Hand in einer Tür der anfahrenden U-Bahn steckengeblieben und über eine Strecke von etwa 70 Metern mitgeschleift worden, wie die Feuerwehr am Freitagmorgen erklärte. Das Kind konnte im Tunnel von Einsatzkräften der Berliner Feuerwehr gerettet werden. Eine Notärztin habe die Sechsjährige am Unfallort behandelt. Das schwer verletzte Kind ist den Angaben zufolge mit einem Rollwagen zum Bahnsteig transportiert und anschließend ins Krankenhaus gebracht worden. Der Zugführer wurde mit einem Schock in eine Klinik gebracht.

Kind von U-Bahn mitgeschleift: Polizei und BVG werten Videoüberwachung aus

Laut Polizei war die Sechsjährige in Begleitung ihrer achtjährigen Schwester zu dem Zugabteil gerannt. Während die Achtjährige es noch in das Abteil schaffte, schloss sich offenbar die Zugtür vor dem jüngeren Mädchen. Dabei muss sie mit der Hand in der Tür eingeklemmt worden sein. Im Rahmen der Unfall-Ermittlungen werten BVG und Polizei die Bilder aus den Überwachungskameras aus.

„Wenn nicht alle Türen geschlossen sind, kann der Zugführer machen was er möchte, er kann nicht losfahren“, sagte Petra Nelken, Sprecherin der BVG. „Der Einklemmschutz der Türen ist aber von Baujahr und Baureihe der Züge verschieden und reagiert, wenn auch nur sehr gering, unterschiedlich.“ Der Zug wurde nach Aussage Nelkens aus dem Verkehr genommen, sichergestellt und werde aktuell von Fachleuten untersucht.

U-Bahnzug musste bis zum nächsten Bahnhof fahren

Wie die Morgenpost aus Kreisen der BVG erfuhr, wird auch untersucht, wann und wo die Notbremse gezogen wurde. „Wenn die Notbremse gezogen wurde, als der Zugführer bereits das grüne Signal am Ende des Bahnhofes passiert hatte, muss er bis zum nächsten Bahnhof weiterfahren“, erklärte ein BVG-Mitarbeiter die Regeln. „Er darf seinen Zug nicht im Tunnel zum Stehen bringen, da es ja im Zug auch brennen könnte.“ Das sei auch vermutlich der Grund gewesen, warum der Zug erst am Bahnhof Rathaus Reinickendorf wieder gestoppt hatte. Die U-Bahnlinie U8 war während des Rettungseinsatzes zwischen den Bahnhöfen Wittenau und Paracelsus-Bad unterbrochen.

Den genauen Ort des Unglücks bei der Berliner U-Bahn sehen Sie auf dieser Karte.

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