Illegales Autorennen

BMW rast auf Kudamm in Kleinwagen - Zwei Schwerverletzte

Illegales Autorennen in der City West: Eine unbeteiligte Frau und ihre Tochter werden schwer verletzt. Die Täter flüchten zu Fuß.

Berlin. Die Front des silbernen Kleinwagens wurde durch den heftigen Aufprall zerstört, die Windschutzscheibe ist zersplittert, die leeren Airbags hängen im Wageninneren: Bei einem schweren Unfall auf dem Berliner Kurfürstendamm vermutlich nach einem illegalen Rennen sind am Montagabend eine 45 Jahre alte Autofahrerin lebensgefährlich und ihre 17-jährige Tochter schwer verletzt worden. Ihr Kleinwagen wurde von einem schweren BMW gerammt und überschlug sich. Den heftigen Zusammenstoß sollen laut Zeugenaussagen Raser verursacht haben, die sich auf der Einkaufsmeile ein illegales Rennen lieferten.

Als zwei Mitarbeiter des italienischen Restaurants „Francucci“ am Montagabend gegen 21.20 Uhr auf den Kurfürstendamm sahen, raste gerade der dunkle BMW auf Höhe der Schaubühne am Lehniner Platz mit hoher Geschwindigkeit in einen kleinen Ford. Autoteile schleuderten durch die Luft und trafen vorbeigehende Menschen. Zwei von ihnen wurden dabei leicht verletzt. Der Aufprall war so stark, dass auch der vordere linke Teil des BMW aufgerissen und deformiert wurde, der Wagen zur Seite schleuderte und gegen drei weitere Autos prallte. Insgesamt wurden acht Autos beschädigt.

Kurfürstendamm: Insassen des BMW flüchten zu Fuß

Während die Insassen des BMW unerkannt zu Fuß flüchteten, eilten die beiden Kellner den Frauen im zerstörten Ford zu Hilfe. Die Frau musste von Sanitätern und einem Notarzt der Feuerwehr wiederbelebt werden, bevor sie zusammen mit ihrer Tochter ins Krankenhaus gebracht wurde. „Es war schrecklich“, sagt Franco Francucci. Der Chef des Restaurants kam etwa zeitgleich mit der Feuerwehr am Unfallort an. Seine Mitarbeiter stehen am Tag nach dem Geschehen noch unter Schock.

„Der Zustand der Mutter ist weiterhin kritisch“, sagte Oberamtsanwalt Andreas Winkelmann am Dienstag. Die Ermittlungen zu dem Unfall laufen noch, doch Winkelmann zufolge deute vieles auf ein illegales Autorennen hin. Der Fahrer des BMW habe sich vom Adenauerplatz kommend ein Wettrennen mit zwei anderen Autos geliefert. Das bestätigten auch Zeugen. Ein Uber-Fahrer berichtete, an ihm seien mindestens drei Autos vorbeigerast.

Eine Karte zeigt, wo sich der Unfall auf dem Kurfürstendamm am Montagabend ereignet hat.

Bei dem BMW handelt es sich um einen Mietwagen

Bei dem BMW handelt es sich um einen Mietwagen, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Das erschwere die Fahndung. Zur Identität des Fahrers konnte Oberamtsanwalt Winkelmann zunächst wenig sagen: „Wir suchen einen Fahrer und weitere Insassen.“ Auch zu bei den am Rennen beteiligten Autos hielt er sich bedeckt. „Eines der Fahrzeuge war weiß“, sagte er. Zum anderen gebe es noch keine Erkenntnisse. Die Polizei suchte derweil am Dienstag mit Aufrufen über die sozialen Netzwerke nach Zeugen zu dem Unfall.

Der Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf, Reinhard Naumann (SPD) zeigte sich bestürzt. „Ich verurteile diese Tat ausdrücklich und hoffe sehr, dass die Täter schnell gefasst werden. Meine Gedanken sind bei den arglosen Opfern.“

Einen Tag nach dem Unfall waren die Spuren an der Kreuzung noch deutlich sichtbar. Gegen 11.30 Uhr hob der Abschleppdienst zwei der insgesamt acht beschädigten Fahrzeuge auf die Ladefläche. Auf dem Asphalt lag neben Glasscherben und zerbrochenen Blinkerteilen ein weißer Kopfhörer. Gelbe Striche auf der Fahrbahn markierten die Positionen der am Unfall beteiligten Fahrzeuge.

Unfall am Kudamm - die Berliner Polizei fragt:

  • Wer hat den Unfall beobachtet und kann angeben, wohin die Insassen des BMW im weiteren Verlauf geflüchtet sind?
  • Wer kann Angaben zu der Fahrerin oder dem Fahrer sowie weiteren Insassen des BMW machen? Wo halten sie sich derzeit auf?
  • Wer hat das möglicherweise stattgefundene illegale Straßenrennen gesehen und kann Angaben dazu machen?
  • Welche weiteren Fahrzeuge waren daran beteiligt? Können dazu nähere Angaben gemacht werden (z. B. zum Kennzeichen, Fabrikat/Typ und/oder den Insassen)?
  • Wer kann sonst sachdienliche Angaben machen?

Blitzer auf dem Kurfürstendamm gefordert

Immer wieder kommt es zu illegalen Autorennen von PS-starken Wagen auf dem Kurfürstendamm. Politiker fordern deshalb neben härteren Strafen für zu schnelles Fahren auch bauliche Maßnahmen. „Die Forderung des Bezirks bleibt bestehen, dass die Straße schnellstmöglich mit modernen Blitzgeräten ausgestattet wird“, so Naumann.

Naumann forderte am Mittwochmorgen im RBB-Inforadio Unterstützung von Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne). Er räumte ein, dass sich das Problem damit verlagern könnte. Es kämen auch Hinweise aus Kreuzberg, Steglitz und anderen Bezirken. Wenn der Kudamm entsprechend abgesichert sei, würden die Kriminellen ausweichen, so Naumann. Das sei ein bisschen „wie Hase und Igel“.

Die weitergehende Frage sei deswegen, was die Ursachen dafür seien, dass Raser ihnen immer wieder solche Situationen bescherten und arglose Menschen schwer verletzten. „Jeder einzelne Unfall ist einer zu viel.“ Skeptisch zeigte er sich bei der Idee, den Kudamm ähnlich wie Teile der Friedrichstraße für Autos zu sperren. Was er da gesehen habe, wünsche er sich so für die City West nicht.

Verkehrssenatorin Günther: "Wir haben keine Blitzer"

Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) zeigte sich verwundert über Forderungen des Bezirks an ihre Adresse. Die Verkehrsüberwachung mit Blitzern sei Aufgabe der Polizei, nicht der Senatsverwaltung für Verkehr, sagte ein Sprecher der Senatorin am Mittwoch. Seine Senatsverwaltung spreche sich ausdrücklich für mehr Kontrollen, schärfere Sanktionen und konsequente Strafverfolgung aus. „Wir haben aber keine Blitzer.“

Die Vorstellung, dass Ampeln oder gar Tempolimits auf dieser Strecke illegale Autorennen verhindern könnten, "halten wir nicht für zielführend“, sagte Günthers Sprecher weiter. „Schwellen oder ähnliche Einbauten, wie es sie etwa in verkehrsberuhigten Zonen in Nebenstraßen gibt, würden auf einer solchen Hauptverkehrsstraße immer auch den ÖPNV, Rettungswagen, die Polizei, die Feuerwehr und andere Dienste behindern, deren schnelles Fortkommen oft lebenswichtig für andere ist.“

Unfall erinnert an die Kudamm-Raser Hamdi H. und Marvin N.

Der Unfall am Montagabend erinnert an den 1. Februar 2016. Damals lieferten sich die Hamdi H. und Marvin N. mit ihren Sportwagen ein Rennen auf dem Kurfürstendamm. Sie rasten mit bis zu 170 Kilometer pro Stunde über den Boulevard, überfuhren mehrere rote Ampeln. An der Nürnberger Straße krachte Hamdi H. in den Jeep des 69-jährigen Michael Warshitsky. Der Wagen wurde 70 Meter weit geschleudert, der Fahrer starb noch am Unfallort an seinen schweren Verletzungen.

Im Februar 2017 verurteilte das Landgericht beide Männer als Mörder. Es war das erste Mordurteil gegen Autoraser in Deutschland. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hob es ein Jahr später wegen Rechtsfehlern auf, der Prozess begann von vorn. Im Juni bestätigte der BGH ein erneutes Mordurteil des Landgerichts gegen den Unfallfahrer. Der Fall des zweiten Angeklagten wird neu verhandelt.

Auch an der Warschauer Brücke in Friedrichshain kam es am Montagabend zu einem Unfall infolge eines mutmaßlichen Wettrennens. Ein 26-Jähriger verlor dabei die Kontrolle über sein Motorrad. Er stieß gegen einen Laternenmast, das Zweirad traf eine Radfahrerin. Beide erlitten schwere Verletzungen.

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