Protestaktion

Linksautonome besetzen "Molecule Man" in der Spree

Kletterer waren auf die Skulptur gestiegen, um gegen eine Räumung des linken Projektes Liebig 34 in Friedrichshain zu protestieren.

Berlin. Am frühen Dienstagmorgen sind mehrere Linksautonome in Treptow auf die 30 Meter hohe Skulptur "Molecule Man" in der Spree geklettert. Dort brachten sie ein großes Transparent mit der Aufschrift "L34 stays - Wohnraum ist keine Ware" an. Die Parole bezieht sich auf das umstrittene linksradikale Hausprojekt Liebigstraße 34 in Friedrichshain, dem eine mögliche Räumung bevorsteht.

Über den Kopf einer weiteren Figur stülpten sie eine Sturmhaube in den Regenbogen-Farben und zogen ihr eine schwarzen Hose an. Pyrotechnik wurde gezündet, zeitweise stiegen schwarze Rauschschwaden von der monumentalen Skulptur auf.

"Molecule Man": Kletterer verlassen Skulptur - Ausrüstung beschlagnahmt

Gegen 3.20 Uhr waren acht Personen mit professioneller Kletterausrüstung auf die Skulptur gestiegen. Die Polizei habe versucht, die Aktivisten zum Verlassen der Figur zu bewegen, griff aber nicht ein, wie ein Zeuge der Berliner Morgenpost berichtete. Auch die Feuerwehr war vor Ort.

Gegen 8.30 Uhr begannen die ersten Kletterer, den "Molecule Man" zu verlassen und mit Schlauchbooten an Land zu gehen. Begleitet wurden sie dabei von der Wasserschutzpolizei. Dort wurden sie an beiden Ufern der Spree bereits von der Polizei erwartet, die die Personalien aufnahm und die Ausrüstung beschlagnahmte.

Eine 23-Jährige soll zu Beginn der Aktion Fotos gemacht haben. Ihre Spiegelreflexkamera wurde als Beweismittel beschlagnahmt. Polizisten beobachteten zudem einen Mann, der mit einer Drohne Aufnahmen fertigte. Er konnte unerkannt entkommen.

Bei den überprüften Personen handelt es sich laut Polizei um sechs Frauen im Alter von 23 bis 34 Jahren und zwei Männer im Alter von 27 und 30 Jahren. Sechs Personen hatten keine Personaldokumente bei sich und mussten zur erkennungsdienstlichen Behandlung auf eine Polizeidienststelle kommen. Sie kamen anschließend wieder auf freien Fuß. Einsatzkräfte leiteten Strafermittlungsverfahren unter anderem wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz, Hausfriedensbruchs und Verstoßes gegen das Luftverkehrsgesetz ein.

Weitere aktuelle Meldungen aus Berlin von Polizei und Feuerwehr lesen Sie in unserem Blaulicht-Blog.

Protestaktion gegen mögliche Räumung der Liebigstraße 34

Mit der Besetzung des "Molecule Man" wollten die Aktivisten gegen die Berliner Politik und eine mögliche Räumung der linksautonomen Wohnprojekte an der Liebigstraße 34 und der Rigaer Straße 94 in Friedrichshain protestieren, hieß es in einer von ihnen vorgetragenen Mitteilung. Außerdem setze man sich für die Rechte der LGBT-Bewegung ein.

Lesen Sie auch: Landgericht urteilt: "Liebig 34" darf geräumt werden

Das Haus an der Liebigstraße 34 in Friedrichshain gilt neben der Rigaer Straße 94 als eines der letzten Symbole der linksradikalen Szene in Berlin. Anfang Juni hatte das Landgericht einer Räumungsklage des Eigentümers gegen den Bewohner-Verein stattgegeben und entschieden, dass die Bewohnerinnen das Haus verlassen sollen.

Die monumentale Eisenfigur des US-Künstlers Jonathan Borofsky steht seit 1999 zwischen Elsenbrücke und Oberbaumbrücke in der Spree und ist eines der Wahrzeichen Berlins.

Lesen Sie auch: Liebig 34: Bewohner-Verein hält Räumung für rechtswidrig