Ermittlungen

Polizeianwärter in Wilmersdorfer Messerstecherei verwickelt

Eine gewalttätige Auseinandersetzung im Volkspark wirft Fragen auf. Ein angehender Polizist wird verdächtigt, zugestochen zu haben.

Tatort: der Wilmersdorfer Teil des Volksparks.

Tatort: der Wilmersdorfer Teil des Volksparks.

Foto: BM

Berlin.  Eine Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen im Volkspark Wilmersdorf endete für einen 18-Jährigen in der Nacht zu Sonnabend fast tödlich. Gegen 23.45 Uhr traf den jungen Mann ein Messer in die Brust, verfehlte nach Informationen der Berliner Morgenpost knapp sein Herz und verletzte seine Lunge. Nur durch eine Notfall-Operation im Benjamin-Franklin-Krankenhaus in Steglitz konnte sein Leben gerettet werden. Mittlerweile soll sein Zustand wieder stabil sein.

In der Meldung, die die Pressestelle der Berliner Polizei am Sonnabendabend zur ungewöhnlichen Zeit um 23.32 Uhr verschickte, hieß es, dass sich auch zwei Studierende der Polizei in einer der Gruppen befunden haben sollen. Und weiter, dass ein Fachkommissariat für Polizeidelikte beim Landeskriminalamt nun ihre Beteiligung prüfe.

Ermittler gehen derzeit nicht von rassistischem Motiv aus

Augenscheinlich waren die Anwärter nicht nur dabei. Wie Polizeisprecher Thilo Cablitz am Montagnachmittag bestätigte, steht einer von ihnen im Verdacht, zugestochen zu haben. Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, soll der Niedergestochene einen erkennbaren Migrationshintergrund haben. „Nach jetzigem Ermittlungsstand liegt kein rassistisches Motiv zugrunde“, so Cablitz. Der genaue Tathergang sei noch unklar, und es gebe mehrere Zeugenaussagen.

Wie die Berliner Morgenpost aus zuverlässiger Quelle erfuhr, soll sich der andere Polizeianwärter bei den Ermittlern gemeldet haben. Dort soll er bereits seine Aussagen zum Tathergang gemacht haben.

Der Verdächtige selbst, der angeblich Kampfsport betreibt, soll dann am Sonnabendabend auf einer Party festgenommen und seine Wohnung durchsucht worden sein, wobei die Beamten mehrere Kampfmesser gefunden haben sollen. Sprecher Cablitz bestätigte das alles nicht und hielt sich in dieser Frage allgemein: „Grundsätzlich treffen wir bei solchen Delikten natürlich Folgemaßnahmen wie Durchsuchungen oder ähnliches.“

Der verdächtige Polizeianwärter studiert, will also in den gehobenen Dienst. Welche Konsequenzen ihm drohen, wenn sich der Tatverdacht der gefährlichen Körperverletzung bestätigt, kann derzeit noch nicht gesagt werden. Unklar ist auch, ob es sich gegebenenfalls um Selbstverteidigung gehandelt hat. Denn wie die Berliner Morgenpost erfuhr, soll die Gruppe um den Niedergestochenen Personen um die beiden angehenden Polizisten aus bislang unbekannten Gründen attackiert haben.

„Erst wenn die Umstände aufgeklärt sind, kann man über entsprechende dienstrechtliche Maßnahmen entscheiden“, sagte Cablitz. Die Ermittlungen würden andauern. Wie viele Personen insgesamt an dem Zwischenfall beteiligt waren, könne er noch nicht sagen. Zum Alter des Verdächtigen machte der Sprecher keine Angaben.