Clans in Berlin

Beerdigung im Clan-Milieu - 250 Polizisten im Einsatz

Eine Frau aus einer Großfamilie wurde in Berlin beigesetzt. Rund 250 Polizisten sind im Einsatz, um die Corona-Regeln durchzusetzen.

Großeinsatz bei Beerdigung: Polizei bewacht Einhaltung der Corona-Regeln

Die Berliner Polizei begleitet eine Beerdigung im Milieu des arabischstämmigen Clans Remmo mit einem großen Einsatz . Um die Corona-Regeln durchzusetzen, sind 250 Polizisten vor Ort.

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Berlin. Die Berliner Polizei hat am Montag eine Beerdigung im Milieu arabischstämmiger Clans überwacht. Rund 250 Kräfte seien im Einsatz gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Zufahrten und Zugänge zum Friedhof der Neuen-Zwölf-Apostel-Gemeinde im Stadtteil Schöneberg wurden gesperrt. Auch ein Hubschrauber überflog das Geschehen. Nur jeweils 20 Trauergäste durften wegen der Corona-Kontaktbeschränkungen auf den Friedhof, sagte ein Polizeisprecher.

Zuvor war befürchtet worden, dass sich Angehörige der bekannten Großfamilie R. nicht an die Einschränkungen bei der Trauerfeier halten. „Wir haben Verständnis für die Trauer, müssen aber sehen, wie wir trotzdem mit angemessenem Respekt dafür Sorge tragen, dass die Regeln eingehalten werden“, sagte der Sprecher. Man habe deswegen auch mehrfach mit der Familie gesprochen und sie darauf hingewiesen. Außerdem gab es Lautsprecheransagen, dass Versammlungen derzeit nicht erlaubt seien.

Bilder der Beerdigung im Berliner Clan-Milieu

Beerdigung im Berliner Clan-Milieu: Verhalten der Trauernden kooperativ

Die Polizei zog am Abend eine größtenteils positive Bilanz. Das Verhalten der Trauernden und Beleidsbekundenden sei grundsätzlich kooperativ gewesen. Da Trauerfeiern in Berlin zurzeit nur mit 20 Personen zulässig sind, sei darauf geachtet worden, dass nur kleinen Personengruppen Zugang zum Friedhof am Werdauer Weg in Schöneberg gewährt wurde. An einer der Duchlassstellen hätten sich zwischenzeitlich rund 100 Personen versammelt, die mit Lautsprecherdurchsagen auf die Abstandsregeln hätten hingewiesen werden müssen. Diesen Ansagen sei Folge geleistet worden.

Nur drei Ereignisse hätten ein direktes Eingreifen der Polizei erfordert. So hätten gegen 9.10 Uhr rund 35 Personen die Gebetsstätte am Columbiadamm aufgesucht. Fünf von ihnen hätten gegen die Abstandsregeln verstoßen, worauf die Polizei eine entsprechende Ordnungswidrigkeitsanzeige anfertigte.

Gegen 11 Uhr hätten zwei Männer versucht, die Absperrungen der Polizei mit einem Umweg über die A103 zu umgehen, um auf das Friedhofsgelände zu kommen. Polizisten setzten die Männer fest und erteilten ihnen Platzverweise. Zudem leiteten sie ein Strafverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr ein.

Schließlich hätte eine Person gegen 11.45 Uhr aus einer Gruppe heraus einen Journalisten und eine Journalistin auf dem Sachsendamm auf dem Weg zum Friedhof ins Gesicht gespruckt. Einsatzkräfte nahmen die Person fest und leiteten ein Strafverfahren wegen Beleidigung ein.

Viele Mitglieder der Großfamilie sind in den vergangenen Jahren wegen diverser Straftaten verurteilt worden, darunter dem spektakulären Goldmünzen-Diebstahl aus dem Bode-Museum.

Clans in Berlin: Verwandte versammelten sich vor Krankenhaus

Die Frau war in der vergangenen Woche in einem Krankenhaus in Kreuzberg gestorben. An den Tagen zuvor versammelten sich Dutzende Verwandte vor dem Krankenhaus. Nach dem Tod musste die Polizei am Donnerstag auf dem Grundstück der Villa in Alt-Buckow in Neukölln die Einhaltung der Corona-Regeln durchsetzen. Sie leitete gegen 47 Menschen Ermittlungsverfahren wegen Verstößen gegen die Abstandsregeln ein. Darauf habe man die Familie mehrfach hingewiesen und ihr das erläutert.

Der arabischstämmige Clan steht auch wegen der vorläufigen Beschlagnahme von 77 Häusern und Wohnungen im Wert von neun Millionen Euro im Sommer 2018 im Fokus der Öffentlichkeit. Die Immobilien sollen laut Staatsanwaltschaft mit Geld aus Straftaten gekauft worden sein. Dabei soll es auch Bareinzahlungen aus dem Ausland und Überweisungen gegeben haben.

Mitte April ordnete das Landgericht erstmals die konkrete Einziehung von zwei dieser Immobilien eines Familienangehörigen an. Der 26-jährige Eigentümer sitzt wegen anderer Straftaten im Gefängnis und legte Beschwerde ein, so dass der Beschluss noch nicht rechtskräftig ist. Laut Staatsanwaltschaft ist eine der beiden Immobilien eine denkmalgeschützte Villa in Neukölln.

Auf dem Schöneberger Friedhof hatte es bereits im September 2018 einen großen Auflauf von Menschen aus der Clanszene gegeben. Bei der Beerdigung des erschossenen Berufskriminellen Nidal R. kam es dort einem Aufmarsch von 2000 Männern aus Großfamilien und der organisierten Kriminalität. Zwei Hundertschaften der Polizei und weitere Einheiten bewachten die Zufahrten, Zugänge und das Geschehen.

Nidal R. beigesetzt
Nidal R. beigesetzt

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