Berlin-Britz

Gräber von im Dienst getöteten Polizisten erneut verwüstet

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Michaela Menschner und Philipp Siebert
Der Stein von Uwe Lieschied wurde beschmiert und umgestoßen, das Grab verwüstet.

Der Stein von Uwe Lieschied wurde beschmiert und umgestoßen, das Grab verwüstet.

Foto: privat

Erst vor einem Jahr waren die Gräber auf einem Friedhof in Britz geschändet worden. Die Entrüstung ist groß.

Berlin. Die Gräber der beiden im Dienst getöteten Polizisten Roland Krüger und Uwe Lieschied sind auf einem Friedhof in Berlin-Britz erneut verwüstet worden. Auf die Grabsteine wurden mit roter Farbe Hakenkreuze gesprüht. Der Stein von Lieschied wurde umgestoßen, Kerzen, Blumen und Dekoration herausgerissen. Die Polizei ermittelt. Erst im Vorjahr waren die Grabsteine beider Beamten mit Hakenkreuzen beschmiert worden.

Es mache sie fassungslos, sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik. „Diese verachtenswerte Tat trifft uns als Polizei, aber vor allem die Familien der beiden Polizisten.“ Diesen sichere sie jegliche Unterstützung zu. Er empfinde „tiefe Scham“, sagte Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD). Die Tat sei „an Niedertracht kaum zu überbieten“. Gräber als Orte der Erinnerung dienten vor allem dazu, „den Verstorbenen nahe zu sein“. Auch Kai Wegner, Landesvorsitzender der CDU, nannte die Tat „widerwärtig“. „Der Senat muss alles daransetzen, die Täter zu ermitteln und zur Rechenschaft zu ziehen.“ Für Menschenverachtung und Extremismus sei in Berlin kein Platz.

Die Berliner Polizeigewerkschaft (GdP) zeigte sich entsetzt. Krüger und Lieschied hätten ihren Kampf gegen Kriminelle und für die Sicherheit der Berliner mit dem Leben bezahlt. GdP-Landeschef, Norbert Cioma, sagte: „Wer ihre Gräber schändet, handelt nicht nur respektlos und beschmutzt ihr Andenken, er greift alle Polizistinnen und Polizisten dieser Stadt an."

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Lieschied und Krüger wurden im Einsatz erschossen

2003 wurde Roland Krüger bei einem Routine-Zugriff getötet. Er starb bei der Stürmung einer Wohnung. Ein gesuchter Straftäter schoss dem Polizeikommissar in den Kopf. Zuvor hatte es eine Messerstecherei zwischen Clan-Mitgliedern gegeben. Krüger war der erste und einzige Tote in der Geschichte des Berliner Spezialeinsatzkommandos (SEK).

Der Polizeibeamte Uwe Lieschied war überwiegend als Zivilfahnder unterwegs. Im März 2006 war er mit einem Kollegen auf Zivilstreife in der Hasenheide. Dabei beobachteten sie, wie zwei Männer nach einem Handtaschenraub flüchteten. Lieschied und sein Kollege verfolgten die Tatverdächtigen. Einer der Männer schoss auf Lieschied. Er wurde von acht Kugeln getroffen und starb vier Tage später. Der Mörder wurde 2007 zu lebenslanger Haft verurteilt. Mehrere tausend Polizisten hatten damals mit einem Schweigemarsch an ihren toten Kollegen erinnert.

Erst vor wenigen Wochen wurden zwei Straßen in Neukölln zu Ehren der getöteten Polizisten nach ihnen benannt. Ihre Gräber wurden schon vor einem Jahr auf ähnliche Weise geschändet. Zudem wurde bereits 2016 eine Gedenktafel an der Hasenheide, die an Uwe Lieschied erinnert, in Brand gesteckt.

Liecke: Ganzer Bezirk steht hinter den Angehörigen

Falko Liecke, stellvertretender Bezirksbürgermeister und Vorsitzender des Neuköllner CDU-Kreisverbands, nannte die Tat „eine Schande“. Der ganze Bezirk stehe hinter den getöteten Polizisten und ihren Angehörigen. „Es kann sich niemand vorstellen, welchen Schmerz sie jedes Mal aufs Neue durchleben müssen“, so Liecke weiter. Der Berliner FDP-Politiker Marcel Luthe attestierte den Tätern einen „blinden Hass auf den Rechtsstaat“. Die Polizei müsse „die feigen Täter schnell ermitteln“.

Ob die Täter aus dem linken oder rechten Milieu stammen, werde derzeit ermittelt, sagte eine Polizeisprecherin am Freitag. Die Gräber wurden nicht nur mit Hakenkreuzen, sondern auch mit dem Schriftzug „L34“ beschmiert. Dieser steht für das linksextremistische Hausprojekt „Liebig34“ an der Liebigstraße in Friedrichshain. Ende April will das Berliner Landgericht entscheiden, ob das Haus geräumt wird.

Offen ist auch, ob es einen Zusammenhang zu einer geplanten Versammlung vor der linken Neuköllner Szenekneipe „Syndikat“ gibt, die vor dem Hintergrund des Infektionsschutzgesetzes untersagt wurde. Laut Bezirk habe man das Verbotsschreiben am Tag vor der Schändung zugestellt. Das „Syndikat“ sollte am 17. April ebenfalls geräumt werden, was aber wegen der Corona-Krise abgesagt wurde.