Brände

Ein Toter bei Brand in Justizvollzugsanstalt Tegel

In der JVA Tegel hat es in der Nacht zu Freitag gebrannt. Ein Insasse ist gestorben. Die Brandursache ist bislang noch unklar.

Rettungskräfte auf dem Weg in die Haftanstalt.

Rettungskräfte auf dem Weg in die Haftanstalt.

Foto: Thomas Peise

Berlin. In der Justizvollzugsanstalt Tegel ist in der Nacht zu Freitag ein 42 Jahre alter Inhaftierter bei einem Brand in seinem Haftraum gestorben. Das Feuer war kurz nach 3 Uhr ausgebrochen. Justizsprecher Sebastian Brux sagte, der Mann habe in der Teilanstalt V eingesessen, er war zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Bislang gab es keine Angaben, ob der Gefangene sich möglicherweise selbst entzündete.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost hatte der Mann bereits 2017 versucht, in seiner Zelle Feuer zu legen. Damals wollte er sich das Leben nehmen. Bei dem Feuer im Oktober 2017 wurden zwei Personen zum Teil schwer verletzt. Unter den Verletzten befand sich auch der Häftling.

JVA Tegel: Feuerwehr bringt 21 Personen in Sicherheit

Nach Angaben der Feuerwehr kam es zu dem Brand in dem Haftraum in der vierten Etage des achtgeschossigen Gebäudes. „Die Feuerwehr wurde um 3.09 Uhr von einem Mitarbeiter der JVA alarmiert“, sagte Feuerwehrsprecher Björn Radünz. „In der Zelle waren Einrichtungsgegenstände in Brand geraten.“ Wie Radünz weiter ausführte, haben die Feuerwehrleute Flur und Treppenhaus mit Drucklüftern rauchfrei gehalten. „Wir waren mit etwa 70 Leuten im Einsatz und haben aus den angrenzenden Räumen und den darüberliegenden Geschossen 21 Personen mit Verdacht auf Rauchvergiftung in Sicherheit gebracht“, sagte der Feuerwehrsprecher. „Die Personen wurden rettungsdienstlich betreut und vom Notarzt untersucht.“ Ins Krankenhaus musste niemand gebracht werden.

Die Feuerwehr teilte weiter mit, dass betroffene Insassen der Brandetage anderweitig untergebracht worden sind. Der Einsatz habe etwa zweieinhalb Stunden gedauert. Zur Unterstützung wurde auch der zuständige Polizeiabschnitt 11 alarmiert. Mehrere Streifenwagen waren im Einsatz. Wie die Polizei mitteilte, wurde bisher kein Fremdverschulden festgestellt. Es wurde ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Ein Brandkommissariat des Landeskriminalamtes hat die Ermittlungen übernommen.

Inhaftierte dürfen Feuerzeuge und Streichhölzer in ihren Zellen haben

Nach Angaben des Berliner Landesvorsitzenden der Gewerkschaft Strafvollzug, Thomas Goiny, dürfen Inhaftierte Feuerzeuge und Streichhölzer in ihren Zellen haben. „Der Haftraum wird wie eine Wohnung gewertet, und daher dürfen die Häftlinge in ihren Zellen auch rauchen“, sagte er. „Daher gibt es in den Hafträumen auch keine Brandmelder.“ Man könne sich vorstellen, wie oft die Häftlinge absichtlich Brandalarm auslösen würden. Immer wieder würden Häftlinge früh zwischen 5 und 6 Uhr Feuer legen, da sie wissen, dass um diese Uhrzeit Schichtwechsel ist und besonders viele Justizmitarbeiter in der JVA sind. „Zu diesem Zeitpunkt gehen sie davon aus, dass sie auf jeden Fall aus ihrer Zelle gerettet werden.“ Nachts um 3 Uhr aber ist die Personalstärke deutlich geringer.

Justizmitarbeiter erhalten eine intensive Schulung zur ersten Brandbekämpfung. „Die Mitarbeiter stehen im Fall eines Brandes vor einer sehr großen moralischen Entscheidung“, sagte Goiny. „Ist der Häftling in der Zelle, in der es brennt, nicht mehr zu retten, müssen sie den Haftraum geschlossen lassen“, sagte der Gewerkschafter. „Wird die Tür einer brennenden Zelle geöffnet, können sich die Flammen sehr schnell ausbreiten und es könnten deutlich mehr Menschen verletzt werden oder zu Tode kommen.“

In Tegel sind etwa 800 Männer mit mittleren und langen Freiheitsstrafen sowie lebenslanger Haft untergebracht. Die Anstalt gehört mit einer Fläche von mehr als 130.000 Quadratmetern deutschlandweit zu den größten Gefängnissen.