Hohenschönhausen

Millionen Schmuggel-Zigaretten verkauft: Mann festgenommen

6,2 Millionen illegaler Zigaretten verkauft: Einer der aktivsten Hehler Berlins wurde festgenommen. Außerdem wurde Bargeld gefunden.

Illegale Zigaretten (Archivbild).

Illegale Zigaretten (Archivbild).

Foto: Christian Charisius / dpa

Ermittlern von Zollfahndung und Berliner Polizei ist einer der aktivsten Zigarettenhehler Berlins ins Netz gegangen. Die gemeinsame Ermittlungsgruppe Zigaretten (GEZig) von Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg (ZFABB) und Landeskriminalamt nahm den 33-jährigen Vietnamesen am Donnerstagnachmittag in seiner Wohnung in Hohenschönhausen fest.

Ihm sei seit Beginn der Ermittlungen im vergangenen Oktober der Vertrieb von 6,2 Millionen unversteuerten und unverzollten Zigaretten nachgewiesen worden, heißt es. Das entspricht dem Verkauf von mehr als 200 Stangen am Tag. „Selbst altgediente Fahnder waren von der Energie und dem Aktivismus des Beschuldigten überrascht“, sagt ZFABB-Sprecher Christian Lanninger. Der bislang ermittelte Steuerschaden liegt bei mehr als 1,2 Millionen Euro.

Der Beschuldigte soll sich dabei stets im Hintergrund aufgehalten haben. „Er koordinierte die polnische Lieferschiene mit den vietnamesischen Zwischenhändlern“, so Lanninger weiter. Da er sich dabei nur eines Gehilfen und seines Telefons bedient habe, wurde er intern der „Handy-Pate von Hohenschönhausen“ genannt. „Er ist fast nicht aus seiner Wohnung rausgegangen“, so der Sprecher weiter. Der 33-Jährige hält sich seit 2016 illegal im Land auf. Die Ermittler fanden in seiner Wohnung fast 10.000 Euro an Handelserlösen. Zigaretten waren nicht in seiner Wohnung.

Ermittler fanden erst am Dienstag 2,5 Tonnen Tabak

Es ist der zweite Erfolg für die GEZig in dieser Woche. Am Dienstagmorgen stellten die Fahner in Kreuzberg und Neukölln insgesamt 2,5 Tonnen illegalen und unversteuerten Shisha-Tabak sicher und legten einer deutsch-jordanischen Bande das Handwerk. Die fünf Beschuldigten sollen den Wasserpfeifentabak in mehreren illegalen Produktionsstätten in Berlin zusammengerührt und an Bars ausgeliefert haben. Wie Zigaretten, Zigarren und weitere Rauchwaren unterliegt auch Shisha-Tabak der Tabaksteuer.

Der ermittelte Steuerschaden durch geschmuggelte Zigaretten und Tabakprodukte lag im vergangenen Jahr bundesweit bei etwas mehr als 100 Millionen Euro. Das geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums (BMF) auf eine Anfrage des FDP-Bundestagsabgeordneten Markus Herbrand hervor. Demnach lag der ermittelte Steuerschaden im Jahr 2019 bei exakt 100.562.094,07 Euro und damit leicht unter dem des Vorjahres (100.747.018,97 Euro). Aussagen über den tatsächlichen Umfang des Zigarettenschmuggels nach Deutschland werden aber nicht gemacht. „Eine Bezifferung der Steuerausfälle kann nur anhand von Hellfelderkenntnissen aus Ermittlungsverfahren erfolgen“, schreibt das Finanzministerium.

Der Zoll stellte im vergangenen Jahr rund 60 Millionen illegale Zigaretten sicher (2018: 62 Millionen). Die Menge des beschlagnahmten Wasserpfeifentabaks ist mit 48.316 Kilogramm gegenüber dem Vorjahreswert von 53.485 Kilogramm leicht gesunken. Deutlich gestiegen ist aber die Menge von Feinschnitttabak zum Selbstdrehen. Hier wurden 2018 lediglich 2130 Kilogramm sichergestellt, 2019 mit 15.702 Kilogramm mehr als das Siebenfache. Ebenfalls ein Plus, wenn auch auf deutlich geringerem Niveau, verzeichnete das BMF bei beschlagnahmten Zigarillos. Hier waren es im Jahr 2018 insgesamt 1629 Stück und im Folgejahr mit 4642 Stück fast das Dreifache.

Das Hauptzollamt Berlin musste im Januar einen schweren Rückschlag hinnehmen. Aus seiner Asservatenkammer wurden 5,2 Millionen beschlagnahmter illegaler Zigaretten entwendet. Außerdem verschwand eine größere Menge Shisha-Tabak.