Neukölln

Polizei schließt Bäckerei wegen Ratten, Schaben und Motten

Die Neuköllner Großbäckerei soll auch Kliniken und Seniorenheime beliefert haben. Nun machte die Polizei den Ekel-Betrieb dicht.

Dieses Bild einer toten Ratte in der Neuköllner Großbäckerei veröffentlichte die Berliner Polizei bei Facebook.

Dieses Bild einer toten Ratte in der Neuköllner Großbäckerei veröffentlichte die Berliner Polizei bei Facebook.

Foto: Polizei Berlin

Berlin. Einsatzkräfte der Berliner Polizei haben am Mittwochvormittag eine Großbäckerei in Neukölln aus hygienischen Gründen geschlossen. Wie Polizei und Bezirksamt Neukölln mitteilten, herrschte in Teilen der Räume Mäuse- und Rattenbefall. Die hygienischen Mängel seien so groß gewesen, dass eine Gesundheitsgefährdung für Verbraucher nicht ausgeschlossen werden konnte.

Außerdem hätten bauliche und arbeitsrechtliche Mängel vorgelegen. Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft und dem Bezirksamt Neukölln sei die Großbäckerei geschlossen worden. Dem Betrieb sei die Produktion und das Inverkehrbringen von Lebensmitteln untersagt worden.

Bei Facebook zeigte die Polizei Fotos aus der Großbäckerei und beschrieb die Prüfung in teils drastischen Worten. Dort hieß es: "Schon beim ersten Betreten strömte den Beamten ein ekelerregender Geruch nach Ammoniak entgegen, wohl ausgehend von Mäuse- und Rattenfäkalien. Überall tummelten sich Schaben oder lagen tot auf dem Boden."

Großbäckerei in Berlin geschlossen: Beamtin lief Maus bei Prüfung über die Schuhe

Weiter hieß es: "Einer Beamtin lief eine Maus über die Schuhe. In anderen Bereichen der Großbäckerei gesellten sich Motten und Fliegen zu den Schaben. Ausgelegtes Gift wurde dem Schädlingsbefall offenbar nicht mehr Herr."

Wie die Polizei außerdem mitteilte, hätte der Betrieb mehrere Großabnehmer in Berlin. Laut der mittlerweile vom Netz genommen Internetseite des Unternehmens gehörten zu den Kunden auch Rogacki, das KaDeWe und die Metro. Aber auch diverse Krankenhäuser und Seniorenheime im Berliner Stadtgebiet sollen mit Waren aus der Großbäckerei beliefert worden sein.

Das KaDeWe teilte dazu mit, man habe die Zusammenarbeit mit dem Lieferanten bereits im Februar 2018 beendet, "da die Qualität den kompromisslosen Ansprüchen unseres Hauses nicht entsprochen hat".

Laut Polizei wurde eine Strafanzeige nach dem Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch gefertigt, die Ermittlungen dauern an. Gegen den Betrieb sei durch die Lebensmittelaufsichtsbehörde Neukölln zuletzt im November 2019 Strafanzeige gestellt und im Februar 2020 ein Zwangsgeldverfahren eingeleitet worden. Der Betrieb sei den Auflagen nicht ausreichend nachgekommen, so die Polizei.

Großbäckerei in Berlin geschlossen: Die Mitteilung der Berliner Polizei im Original hier lesen.

Schlechtes Zeugnis für Berliner Lebensmittelkontrolleure

Erst im Dezember vergangenen Jahres hat die Verbraucherorganisation Foodwatch den Berliner Aufsichtsbehörden ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Laut einer Datenrecherche der Verbraucherorganisation würde jede zweite vorgeschriebene Lebensmittelkontrolle in Berlin ausfallen. Laut Foodwatch hätten die Bezirksämter viel zu wenig Personal für den Verbraucherschutz. Keiner der zwölf Bezirke schafft es demnach, die in der bundesweiten Verwaltungsvorschrift verankerten Vorgaben für die Kontrollzahlen einzuhalten. Sieben der zwölf Bezirke erfüllten im Jahr 2018 sogar weniger als die Hälfte ihres Solls. Besonders schlimm würde es in Spandau aussehen. Hier wurden nur etwa ein Viertel der vorgegebenen Kontrollen durchgeführt.

In Neukölln beispielsweise sind acht Lebensmittelkontrolleure angestellt, zusätzlich hat der Bezirk zwei Auszubildende. Für 2020 ist zudem eine weitere Stelle ausgeschrieben. Trotzdem führt der Bezirk nur rund 2500 Kontrollen im Jahr durch – aber etwa 4600 wären notwendig. Neukölln liegt somit im Berlindurchschnitt: Nur etwa jede zweite Kontrolle kann durchgeführt werden. Würde man aber alle Kontrollen durchführen, die gesetzlich vorgeschrieben sind, bräuchte man mindestens 15 Lebensmittelkontrolleure, heißt es aus dem Rathaus. Auch das Geld für mehr Personal würde fehlen. Gleichzeitig zeige sich bei Lebensmittelkontrolleuren aber auch der Fachkräftemangel. Dieser Beruf sei hoch spezialisiert. Passendes Personal sei schwer zu finden – deshalb setze der Bezirk auch auf die eigene Ausbildung von Lebensmittelkontrolleuren. Die Ausbildung dauert zwei Jahre, sobald ein Jahrgang fertig ist, können wieder zwei neue Auszubildende ihre Lehre beginnen.