Berlin-Kreuzberg

Schüsse am Tempodrom: Tatverdächtiger festgenommen

Der 48-Jährige war selbst einer der Verletzten. Nun wurde Haftbefehl wegen Totschlags gegen ihn erlassen.

Berlin. 
  • Knapp eine Woche nach den tödlichen Schüssen am Tempodrom ist ein Verdächtiger festgenommen worden.
  • Der 48-Jährige befand sich selbst unter den Verletzten.
  • Gegen den Mann wurde wegen Totschlags erlassen.

Nach den tödlichen Schüssen vor dem Tempodrom in Kreuzberg hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen. Wie die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mitteilte, handelt es sich um einen der Verletzten, einen 48-jährigen Mann. Er soll den 42-Jährigen am vergangenen Freitag erschossen haben. Gegen ihn wurde Haftbefehl wegen Totschlags erlassen.

Der Mann sollte noch am Donnerstag aus einem normalen ins Krankenhaus in der Justizvollzugsanstalt Plötzensee verlegt werden, sagte Mona Lorenz, Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Zu weiteren Beteiligten und den genauen Hintergründen wird laut Staatsanwaltschaft noch ermittelt. Es sehe derzeit nach einer Rivalität unter den Männern und einem persönlichen Hintergrund aus, hieß es. Von einem Amoklauf und einem politischen oder terroristischen Motiv gehe man nicht aus. Weiter unklar bleibt, ob auch das Opfer bewaffnet war und wer den Verdächtigen verletzt hat.

Neben dem Opfer und dem mutmaßlichen Täter wurden bei der Schießerei am Freitagabend gegen 22.50 Uhr zwei weitere Männer im Alter von 28 und 52 Jahren verletzt. Alle vier sind türkischstämmig. Das Todesopfer wurde mehrfach angeschossen und starb durch eine Kugel in die Brust. Alarmierten Rettungskräften gelang es nicht, sein Leben zu retten.

Nach unbestätigten Medienberichten sollte es für den Getöteten am Donnerstag in der Neuköllner Sehitlik-Moschee am Columbiadamm eine Trauerfeier geben. Der „Tagesspiegel“ schrieb unter Berufung auf einen Freund des Mannes, dass der Sarg in die Türkei überführt werden soll.

Während der Tat lief im Tempodrom eine Comedy-Show

Während der Schießerei fand im Tempodrom eine türkische Comedy-Veranstaltung namens „Güldür Güldür Show“ statt. Die ging kurz danach um 23 Uhr zu Ende. Die rund 3000 Besucher wurden dann über die Seiten- und Hinterausgänge aus dem Gebäude geleitet. Von der Tat habe man im Inneren nichts mitbekommen, wie eine der Besucherinnen der Berliner Morgenpost am Folgetag sagte. Panik sei nicht ausgebrochen. Einen Zusammenhang zwischen der Veranstaltung und der Tat sah die Staatsanwaltschaft nicht.

Unmittelbar nach der Schießerei wurde das Gebiet um das Tempodrom weiträumig abgesperrt. Die Polizei war mit einer Hundertschaft und insgesamt 200 Beamten im Einsatz, die teils mit Maschinengewehren bewaffnet waren. Eine Mordkommission übernahm die Ermittlungen.