Brandanschlag

Schlafender Obdachloser angezündet: Bekannter im Fokus

Ein Unbekannter hat in Charlottenburg einen schlafenden Obdachlosen angezündet. Der Mann erlitt eine schwere Brandverletzung.

Im Vorraum der Sparkasse an der Otto-Suhr-Allee in Charlottenburg ist ein Obdachloser angezündet worden (Archivfoto).

Im Vorraum der Sparkasse an der Otto-Suhr-Allee in Charlottenburg ist ein Obdachloser angezündet worden (Archivfoto).

Foto: Andreas Gandzior

  • Ein Obdachloser ist im Schlaf in Charlottenburg angezündet worden.
  • Der Mann hatte im Vorraum einer Bank geschlafen.
  • Der Obdachlose erlitt eine schwere Brandverletzung am Unterschenkel.
  • Polizei prüft Verdacht, ob flüchtiger Bekannter den Obdachlosen angezündet hat.

Ein Obdachloser hat in der Nacht zu Dienstag in einem Bankvorraum in Charlottenburg eine schwere Brandverletzung erlitten. Der Polizei zufolge hatte ein Unbekannter das Hosenbein des Mannes angezündet. Ein Bankkunde hatte demnach kurz nach Mitternacht in dem Raum an der Otto-Suhr-Allee unweit des Richard-Wagner-Platzes, in dem seinen Angaben zufolge mindestens zwei Obdachlose schliefen, starken Brandgeruch bemerkt und die Polizei gerufen.

Beim Eintreffen der Einsatzkräfte waren der Zeuge sowie der zweite Obdachlose bereits nicht mehr vor Ort. Das 45 Jahre alte Opfer stammt aus Polen und sagte den Einsatzkräften, dass es in dem Vorraum geschlafen habe und durch das Feuer an seinem Hosenbein wach geworden sei.

Obdachlosen angezündet: Mann mit schwerer Brandverletzung im Krankenhaus

Der Mann hat schwere Brandverletzungen am Unterschenkel erlitten und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Dort wurde er stationär aufgenommen, befindet sich aber laut einem Polizeisprecher nicht in Lebensgefahr. Derzeit werde ermittelt, ob ein Bekannter des Opfers für die Tat verantwortlich ist. Es bestehe ein entsprechender Verdacht.

Angezündeter Obdachloser: Flüchtiger Bekannter könnte verantwortlich sein

Die Ermittler prüfen vor allem den Verdacht, ein flüchtiger Bekannter des Obdachlosen könne verantwortlich sein, wie ein Polizeisprecher am Mittwoch betonte. Im Fokus der Ermittler ist demnach ein weiterer Obdachloser. Nach Angaben des Bankkunden, der in der Nacht die Polizei rief, soll dieser neben dem Opfer geschlafen haben.

Die Tat ereignete sich gegenüber dem Rathaus von Charlottenburg-Wilmersdorf. Bürgermeister Reinhard Naumann (SPD) verurteilte sie auf Schärfste. „Einen schlafenden Menschen anzuzünden ist ein Verbrechen. Deshalb begrüße ich es sehr, dass eine Mordkommission die Ermittlungen aufgenommen hat, der ich einen schnellen Aufklärungserfolg wünsche“, sagte Naumann der Morgenpost.

Vor eineinhalb Jahren Anschlag auf zwei Obdachlose in Schöneweide

Vor eineinhalb Jahren sorgte ein Fall am S-Bahnhof Schöneweide bundesweit für Aufsehen. Der Schlosser Aleksandr T. übergoss am 22. Juli 2018 zwei Obdachlose mit Benzin und zündete sie an. Dem Brandanschlag sei ein Streit um Alkohol vorausgegangen, wie Lothar D., eines der beiden Opfer, später aussagte. Zeugen sei es gelungen, die Flammen zu löschen. D. erlitt dabei nur leichte Verletzungen.

Für Andreas V., das zweite Opfer, kam jedoch jede Hilfe zu spät. Der damals 47-Jährige erlitt Verbrennungen zweiten und dritten Grades an etwa 30 Prozent seines Körpers. Er erlag nach knapp vier Monaten im Koma seinen Verletzungen.

Täter wegen Totschlags zu acht Jahren Haft verurteilt

Bei seiner Verhaftung wenige Tage später sprach der Täter von einem „Versehen“. Er wurde im vergangenen März vom Berliner Landgericht wegen Totschlags und versuchtem Totschlag vom Berliner Landgericht zu acht Jahren Gefängnis verurteilt.