Shisha-Vertriebsnetz

Mehr als eine Tonne illegaler Shisha-Tabak sichergestellt

Ein illegales Shisha-Vertriebsnetz wurde stillgelegt. Bei der Durchsuchung wurden auch Autos und Falschgeld beschlagnahmt.

Funke-Report: Einsatzort Shisha-Bar

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Berlin. Ein illegales Shisha-Vertriebsnetz ist am Dienstagvormittag in Berlin stillgelegt worden. Bei dem Einsatz wurden 1,1 Tonnen unversteuerter Wasserpfeifentabak sichergestellt. Das teilten die Staatsanwaltschaft Berlin und der Zoll am Mittwoch mit.

Seit Dezember 2018 waren die Ermittler der deutsch-libanesischen-syrischen Tätergruppe mit Bezügen zum Clan-Milieu auf der Spur. Die Gruppierung, bestehend aus fünf Beschuldigten im Alter zwischen 30 und 40 Jahren, soll neben zwei legalen Ladengeschäften mit Onlinehandel auch eine illegale Vertriebsschiene mit selbst hergestelltem Wasserpfeifentabak aufgebaut haben. Es gab aber keine Festnahmen.

Razzia in Berlin: Shisha-Tabak-Produktion in Kreuzberger Keller stillgelegt

Der unversteuerte Tabak soll unter sehr schlechten hygienischen Bedingungen hergestellt worden sein. Es gab keine Qualitätskontrollen. Die Beamten waren entsetzt über die Hygiene - auf dem Tabak waren bereits dicke Schimmelschichten. Eine Produktionsstätte befand sich in einem Keller in Kreuzberg. Sie wurde stillgelegt.

Bereits im Vorfeld hatte die Einsatzgruppe ermittelt, dass die Tatverdächtigen vorab mit 1,9 Tonnen Shisha-Tabak gehandelt hätten. Der gesamte Steuerschaden dieser drei Tonnen beträgt rund 70.000 Euro.

Nach Angaben der Zollverwaltung werden für Pfeifentabak und Wasserpfeifentabak etwa 22 Euro Steuer pro Kilogramm fällig. Für ein Kilogramm Feinschnitt-Tabak, etwa zum selber drehen, zahlt der Verbraucher 95 Euro. Zum Vergleich: Von einer Stange Zigaretten, also 200 Stück, erhält der Fiskus 39,20 Euro, auf das Kilogramm gerechnet beträgt das etwa 310 Euro.

Allein bei der Menge, die am Dienstag beschlagnahmt wurde, geht die Gemeinsame Ermittlungsgruppe Zigaretten (GEZig) von einem erzielbaren Reingewinn von mehr als einer Million Euro aus.

„Dieser Erfolg zeigt, wie wichtig die gemeinsame und behördenübergreifende Ermittlungsarbeit dieser Einheit ist“, so Regierungsdirektor Oliver Pampel-Jabrane, Leiter des Zollfahndungsamtes Berlin-Brandenburg. Eine Einschätzung, der sich Carsten Pfohl, Kriminaldirektor des LKA-Dezernats 44, anschließt.

Bei der Razzia in Berlin wurde auch Falschgeld gefunden

Außerdem wurden bei den Durchsuchungen mehr als 80.000 Euro in bar gefunden. Es wurden drei hochwertige Fahrzeuge sowie neun Luxusuhren beschlagnahmt. Des Weiteren wurde bei einem der Beschuldigten auch Falschgeld sichergestellt.

274 Beamte durchsuchten insgesamt 13 Objekte (Lokale, private Wohnungen, Lager) in Berlin. Der Schwerpunkt der Aktion war in Charlottenburg und Kreuzberg. Die Durchsuchung wurde im Auftrag der Staatsanwaltschaft Berlin mit Beamten der GEZig des Zollfahndungsamts Berlin-Brandenburg und des Landeskriminalamts Berlin mit weiterer Unterstützung der Polizei Berlin durchgeführt.

Bereits Ende September war in einer Kreuzberger Wohnung eine illegale Fertigungsstätte für Shisha-Tabak ausgehoben worden. Nach Angaben der Polizei war der Tabak mit Lebensmittelfarbstoff und Geschmacksstoff vermischt und in Kartons mit Aufdrucken einer bekannten Marke verpackt worden.

Immer häufiger Kontrollen in Shisha-Bars

In den vergangenen Wochen war es immer wieder zu Razzien gekommen, vor allem in Neukölln. Auch andere Bezirke rücken in den Fokus der Ermittler. Denn seitdem berlinweit der Druck auf kriminelle Clans steigt, stellen die Beamten Wanderungsbewegungen fest.

Aus Behördenkreisen erfährt man, dass die Zeit drängt: Neben Neukölln haben Ermittler in Tempelhof-Schöneberg, Charlottenburg-Wilmersdorf, Spandau und Reinickendorf vermehrt Aktivitäten krimineller Familienclans wahrgenommen.