Schlosspark-Klinik

Weizsäcker-Sohn erstochen: Motiv des Täters bekannt

In der Schlosspark-Klinik ist Chefarzt Fritz von Weizsäcker getötet worden. Ein 57-Jähriger stach ihn bei einem Vortrag nieder.

Staatsanwaltschaft - Motiv soll allgemeine Abneigung gegen Weizsäcker-Familie sein

Fritz von Weizsäcker, Chefarzt an der Berliner Schlosspark-Klinik und Sohn von Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, wurde am Dienstagabend bei einer Messerattacke getötet.

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Berlin. Drei Tage nach dem tödlichen Messer-Angriff auf Fritz von Weizsäcker in der Schlosspark-Klinik in Berlin-Charlottenburg durch einen psychisch Kranken wird weiter über das Motiv des 57-Jährigen diskutiert.

Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte der Angreifer eine "wohl wahnbedingte allgemeine Abneigung gegen die Familie des Getöteten". Der Vater des Getöteten war der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker.

Der Angreifer aus Rheinland-Pfalz kam wegen einer „akuten psychischen Erkrankung“ in eine Psychiatrie - in welche Einrichtung genau, wurde nicht mitgeteilt. Details zu den Wahnvorstellungen nannte die Staatsanwaltschaft nicht. Der 57-jährige Deutsche war zuvor nicht mit Straftaten in Erscheinung getreten.

Laut Nachrichtenmagazin „Spiegel“ hatte der Tatverdächtige Hass auf ­Richard von Weizsäcker, weil dieser in den 1960er-Jahren Geschäftsführer beim Chemiekonzern Boehringer gewesen sei. Dieses Unternehmen habe damals töd­liche Giftstoffe für den Vietnam-Krieg geliefert.

Die Kriminalpolizei ermittelt nun wegen Mordes und versuchten Mordes. Entweder erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage und es kommt zu einem Prozess, bei dem die Schuldfähigkeit des Angeklagten untersucht wird. Oder die Staatsanwaltschaft geht schon vorher davon aus, dass der Mann nicht zurechnungsfähig ist und beantragt direkt die Feststellung der Schuldunfähigkeit.

Fritz von Weizsäcker in Berlin erstochen - alle Details in Kürze

  • Der Arzt Fritz von Weizsäcker wurde am Dienstagabend gegen 18.50 Uhr erstochen.
  • Das Opfer ist der Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker.
  • Die Tat ereignete sich bei einem medizinischen Vortrag in der Schlosspark-Klinik in Berlin-Charlottenburg.
  • Der 57 Jahre alte Tatverdächtige wurde noch vor Ort festgenommen.
  • Der Verdächtige lebt in Rheinland-Pfalz und war kein Patient der Klinik.
  • Der Täter hatte eine wohl wahnbedingte Abneigung gegen die Familie von Weizsäcker.
  • In einem Bericht schildert der Berliner Polizist, wie er den Angreifer überwältigte.

Fritz von Weizsäcker in Berlin getötet - Polizist überwältigte Angreifer

Der 59 Jahre alte Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker war Dienstagabend gegen Ende eines öffentlichen Vortrags von einem Zuhörer mit einem Messer am Hals attackiert worden und gestorben.

Der Angreifer wurde von einem zufällig anwesenden Polizisten überwältigt. Der Beamte, ein vierfacher Familienvater, wurde dabei schwer verletzt. Ihm geht es laut Polizei „den Umständen entsprechend“. Der 33-Jährige habe nachoperiert werden müssen, hieß es am Donnerstag. Der Beamte sei aber nicht in Lebensgefahr.

Der 33-Jährige sagte der "Bild"-Zeitung: "Der Täter erschien urplötzlich und griff gezielt und mit klarer Tötungsabsicht den Doktor an. Von Weizsäcker bewegte sich fluchtartig links an mir vorbei. Mir war klar, dass ich als Polizist und Mensch handeln musste, um den Doktor und die sich unmittelbar hinter mir befindliche Sitzreihe, ausschließlich ältere Damen und Herren, zu schützen.“

Er habe dann in die Messerklinge gegriffen, um zu verhindern, dass der Angreifer weiter auf Weizsäcker einstechen kann. Dabei habe er tiefe Schnittwunden erlitten. Der Angreifer habe sich losreißen können und den Beamten mit dem Messer an Hals und Brustkorb getroffen. Beide seien zu Boden gestürzt. Schließlich habe der Polizist den Angreifer entwaffnen können.

Mehrere Menschen aus dem Publikum halfen laut Polizei dann, den Täter festzuhalten und den alarmierten Beamten zu übergeben.

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Messer-Angriff in Schlosspark-Klinik: "Gewaltdelikte durch Wahnkranke selten"

Isabella Heuser, Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Berliner Charité, betonte die Seltenheit derartiger Angriffe. „Insgesamt sind Gewaltdelikte wie Mord oder Totschlag durch Wahnkranke sehr selten. Sie erregen aber natürlich große Aufmerksamkeit, wenn Prominente die Opfer sind“, so Heuser.

Heuser sagte über Menschen im Wahn: „Betroffene leben in ihrer eigenen Realität.“ Wahn sei durch falsche Überzeugungen gekennzeichnet. Sie nannte ein Beispiel: Betroffene glaubten zum Beispiel, an AIDS erkrankt zu sein, auch wenn sie keine Symptome hätten und auch nicht HIV-positiv seien. Von der Realität ließen sich Betroffene nicht überzeugen.

„Kranke bauen ihre Überzeugung zu einem Wahnsystem aus, einem elaborierten Konstrukt“, so Heuser. Wahn kann demnach Symptom verschiedener psychischer Erkrankungen sein, daneben gebe es aber auch Wahnerkrankungen ohne derartige Grunderkrankung. Teils bleibe es lange unbemerkt.

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Messer-Angreifer in der Schlosspark-Klinik hatte die Tat geplant

Laut Generalstaatsanwaltschaft hat der Mann die Tat geplant. Dabei sei er im Internet auf den Vortrag in der Schloßpark-Klinik gestoßen. Demnach fuhr er am Dienstag mit der Bahn zu der Veranstaltung in Berlin. Zuvor kaufte er sich noch in Rheinland-Pfalz ein Messer.

Die Berliner Morgenpost konnte mit einer Augenzeugin sprechen, die den Vortrag besucht hatte. Demnach habe sich die Tat nach dem Vortrag ereignet. Mehrere Zuhörer hätten den Raum bereits verlassen. Plötzlich seien Menschen aus dem Vortragssaal gerannt und hätten gerufen: „Einen Arzt. Wir brauchen einen Arzt!“ Rettungskräfte seien dann sehr schnell vor Ort gewesen.

Die Augenzeugin berichtete, dass alle Zuhörer noch am späten Abend von der Polizei vernommen worden seien. Der Tatverdächtige, so die Augenzeugin, sei vor und während des Vortrages nicht weiter aufgefallen. Der Vortrag von Chefarzt Fritz von Weizsäcker richtete sich nicht an ein Fachpublikum, sondern war ein Patientenvortrag. An der Veranstaltung sollen 20 bis 30 Leute teilgenommen haben.

Die Berliner Feuerwehr war unmittelbar nach dem Notruf zunächst davon ausgegangen, dass es bei dem Angriff zu einer Vielzahl von Opfern gekommen war. Auch die Gesamtsituation war für die Einsatzkräfte zunächst ungeklärt. Aus diesem Grund wurde ein sogenannter "Massenanfall von Verletzten (MANV)" ausgerufen - ein internes Stichwort, das auch bei Terror-Lagen oder Großbränden genutzt wird. Noch während der Alarmierung erlangten die Einsatzkräfte dann gesicherte Informationen über die Situation und stuften den Einsatz wieder herab.

Wer war Fritz von Weizsäcker?

Fritz von Weizsäcker wurde 1960 in Essen geboren. Er stammte aus einer sehr bekannten Familie. Sein Vater Richard von Weizsäcker (1920-2015) war von 1984 bis 1994 Bundespräsident, zuvor 1981 bis 1984 für die CDU Regierender Bürgermeister von West-Berlin. Seine Mutter ist die frühere deutsche First Lady Marianne von Weizsäcker (87).

Seine Eltern hatten 1953 geheiratet. Richard von Weizsäcker arbeitete damals als Jurist bei Mannesmann.

Bis 1962 wohnte die Familie in Essen und Düsseldorf, zog dann nach Ingelheim und 1967 nach Bonn. Fritz von Weizsäcker war das jüngste der vier Kinder. Sein Bruder Andreas starb 2008, es leben noch die Schwester Beatrice (61) und der älteste Robert Klaus (64). Fritz von Weizsäcker war verheiratet und hinterlässt drei Kinder.

Die Schlosspark-Klinik grenzt direkt an den Schlosspark Charlottenburg. Das Privatkrankenhaus hat nach eigenen Angaben rund 340 Betten und nimmt an der psychiatrischen Notfallversorgung für Charlottenburg-Nord teil. Es gibt Fachabteilungen unter anderem für Ästhetisch-Plastische Chirurgie, Innere Medizin (Gastroenterologie und Kardiologie), Neurologie, Orthopädie und Psychiatrie.

Eine Google Map zeigt die Berliner Schlosspark-Klinik, in der es zu dem tödlichen Angriff auf den Arzt Fritz von Weizsäcker gekommen ist.