Berlin

Millionen-Betrug mit angeblich hochwertigen Kunstwerken

Haftbefehl gegen 67 Jahre alten Berliner – gefälschte Zertifikate als Trick. Polizei sucht weitere Geprellte.

Handschellen am Gürtel eines Polizisten (Symbolbild)

Handschellen am Gürtel eines Polizisten (Symbolbild)

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Berlin. Beamte des Berliner Landeskriminalamtes (LKA) haben einen Mann festgenommen, dem Betrug und Fälschungen im Zusammenhang mit dem Kauf von hochwertigen Kunstwerken vorgeworfen wird. Der Verdächtige, 67 Jahre alt, gegen den bereits ein Haftbefehl vorlag, wurde am Donnerstag an seiner Wohnungsadresse in Charlottenburg festgenommen. Er soll mit dem ihm vorgeworfenen Taten einen Schaden von mehreren Millionen Euro verursacht haben.

Zeitgleich mit der Festnahme durchsuchten die Ermittler der LKA-Fachdienststelle für Kunstdelikte sechs weitere Wohn- und Geschäftsräume, an denen der 67-Jährige gemeldet war, vier in Berlin und zwei in Brandenburg. Nach Angaben der Polizei wurden dabei Vermögenswerte gepfändet und umfangreiche Beweismittel sichergestellt. Nach seiner Festnahme wurde der Mann einem Ermittlungsrichter vorgeführt, der ihm den Haftbefehl verkündete, ihm zugleich allerdings gegen Auflagen wie etwa einer regelmäßigen Meldepflicht Haftverschonung gewährte.

Kunden sollten Vorauszahlung leisten

Wie eine Polizeisprecherin mitteilte, soll der Verdächtige unter anderem Geld für Leistungen kassiert haben, die nie von ihm erbracht wurden. So soll er finanziell gut betuchten Kunstliebhabern und Sammlern angeboten haben, ihnen Werke bedeutender Künstler beschafften zu können, dafür sei allerdings eine Vorauszahlung zu leisten. Viele Sammler sollen daraufhin gezahlt haben, ohne dass sie je in den Besitz der angebotenen Kunstwerke gelangt wären.

Neben zahlreichen Betrugsdelikten wird dem 67-jährigen Deutschen Urkundenfälschung im großen Stil vorgeworfen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost sollen dabei Kunstwerke von eher geringem Wert mit gefälschten Zertifikaten versehen und für hohe Summen veräußert worden sein, ohne dass den Käufern die Fälschungen aufgefallen wären. Zu Details der Taten sowie zur Person des mutmaßlichen Betrügers machten Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag zunächst keine weiteren Angaben. Zu Informationen, wonach sich der Verdächtige der Szene der zahlreichen Kunst- und Antiquitätenhändler rund um die Charlottenburger Kantstraße angehören soll, wollten sich die Behörden ebenfalls nicht äußern.

Geprellte Kunden wurden misstrauisch

Aus Ermittlerkreisen hieß es, der 67-Jährige sei bei Liebhabern und Sammlern als jemand bekannt gewesen, der „alles besorgen kann“. Seinen Kunden soll der 67-Jährige vor allem „wenig bekannte Werke aus der Frühzeit des Schaffens bedeutender Maler“ angeboten haben. Dabei soll es sich vor allem um klassische Gemälde, Zeichnungen und Radierungen, vereinzelt auch um Skulpturen gehandelt haben. Dass hinter vielen Transaktionen nach derzeitigem Kenntnisstand Betrügereien und Fälschungen steckten, sei selbst versierten Kunstsammlern lange nicht aufgefallen. Als dann aber doch Kunden misstrauisch wurden und Anzeige erstatteten, wurden umgehend Ermittlungen eingeleitet, die den Beamten jetzt offenbar einen Durchbruch bescherten.

Die weiteren Ermittlungen sollen vor allem die Frage klären, wie viele Geschädigte es insgesamt gibt. Für die Ermittler ist es durchaus denkbar, dass Geschädigte sich gar nicht melden, weil ihnen die Fälschungen noch gar nicht aufgefallen sind oder es ihnen als „Experten“ peinlich ist, auf einen Betrüger hereingefallen zu sein.

Szenekundige Ermittler beklagen zudem, allzu häufig würden Käufer auf eine Begutachtung durch einen anerkannten Kunstsachverständigen verzichten. „Manche Leute vergessen alles um sich herum, wenn sie die Chance haben, ein bedeutendes oder zumindest interessantes Kunstwerk zu erwerben“, sagte ein Ermittler.