Schwerpunkteinsatz

Polizeikontrolle: Wenn Dummheit nicht vor Strafe schützt

Die Polizei kontrolliert in Berlin mit einem Großaufgebot den Verkehr. Die Polizisten hören so einiges an Ausreden.

Polizeibeamte am Mittwochvormittag bei den Kontrollen im Neuköllner Reuterkiez.

Polizeibeamte am Mittwochvormittag bei den Kontrollen im Neuköllner Reuterkiez.

Foto: Nina Kugler

Berlin. „Halt, Polizei“ – auf die rote Anhaltekelle blicken am Mittwochvormittag im Neuköllner Reuterkiez 59 Autofahrer. Entlang der Weserstraße, zwischen Hobrecht- und Friedelstraße, sind rund zehn Beamte gut zwei Stunden lang im Einsatz. Ständig winken sie Autofahrer an den Straßenrand. Denn die Weserstraße ist eine von knapp 25 Fahr­radstraßen in Berlin. Eigentlich dürfen hier nur Fahrradfahrer und Anlieger durchfahren. Eigentlich. Doch immer wieder schlängeln sich auch Autos durch die schmale Straße, die hier nichts zu suchen haben.

Und genau die kontrolliert die Polizei an diesem sonnigen Vormittag – zum Auftakt eines dreitägigen Schwerpunkteinsatzes im gesamten Stadtgebiet. Insgesamt werden bis Freitagnacht 1200 Polizisten an mehr als 200 verschiedenen Orten in ganz Berlin Verkehrsteilnehmer kontrollieren.

Weserstraße in Neukölln - "Hier wird viel Schindluder getrieben"

Rainer Paetsch, Leiter der Verkehrsüberwachung, erklärt: „Die Polizei vom Abschnitt 54, die für Neukölln und Kreuzberg zuständig ist, weiß, dass hier viel Schindluder getrieben wird.“ Häufig, so die Beobachtung seiner Kollegen, würden hier Autofahrer eine Abkürzung nehmen – obwohl sie weder an der Weserstraße wohnten noch ein Anliegen hätten, das sie zur Durchfahrt berech­tigen würde, so der Polizeibeamte.

„Kurze, prägnante Schwerpunkte“ wolle man daher setzen. Auch um die Autofahrer darüber aufzuklären, dass man nicht einfach so in eine Fahrradstraße fahren dürfte, so Paetsch. „Die Ausrede, die wir am häufigsten hören, ist die, dass die Autofahrer behaupten, dass sie gar nicht wüssten, was eine Fahrradstraße überhaupt ist und welche Verkehrsregeln gelten.“ Paetsch und seine Kollegen verteilen daher auch Flyer an die Autofahrer mit Informationen dazu, welche Regeln in Fahrradstraßen zu beachten sind.

Es gilt das Motto: Dummheit schützt vor Strafe nicht

Trotzdem, so erklärt Paetsch, gilt das Motto „Dummheit schützt vor Strafe nicht“ – wer erwischt wird, muss mit einem Verwarnungsgeld in Höhe von 15 Euro rechnen. An diesem Mittwoch wurden insgesamt 24 Verwarnungsgelder an Verkehrssünder ausgestellt.

Ebenfalls im Visier der Polizei während der drei Tage Schwerpunktkontrollen: E-Scooter-Fahrer. Über die erhält die Polizei in jüngster Zeit besonders viele Beschwerden von aufgebrachten Berlinern, erzählt Paetsch. „E-Scooter-Fahrer, das sind zumeist junge Leute oder Touristen. Und die halten sich oft nicht an die Verkehrsregeln, fahren auf Gehwegen oder zu zweit auf einem Roller – das ist kreuzgefährlich.“

Fahrradstraße: Wer hier bewusst langfährt, der ist wohl eher lernunwillig

Die dreitägigen Kontrollen waren zwar bereits länger geplant, finden aber auch unter dem Eindruck des schweren Autounfalls von Freitagabend statt, bei dem ein SUV-Fahrer vier Menschen in Mitte totfuhr, nachdem er vermutlich einen epileptischen Anfall erlitt. „Wir wollen die Straßen sicherer machen“, erklärt Paetsch.

Aber lernen die Menschen denn aus solchen Schwerpunktkontrollen? „Das hoffen wir“, sagt Paetsch. „Wir wollen eine nachhaltige Reaktion erzielen.“ Der Polizeibeamte gibt aber auch zu: „Wer wirklich unwissend war, der lernt. Wer hier aber bewusst entlangfährt weil er eine Abkürzung nehmen wollte, der ist wahrscheinlich eher lernunwillig.“

Das will die Polizei gezielt überwachen

  • Fehler beim Abbiegen
  • Alkohol- und Drogenkonsum
  • Geschwindigkeitsdelikte
  • Missachten roter Ampeln
  • Schulwege
  • Telefonieren mit dem Handy während der Fahrt
  • Verkehrswidriges Verhalten an Fahrradstraßen
  • E-Scooter-Nutzer und Fahrradfahrer
  • Falschparken, besonders auf Radwegen, Busspuren, in zweiter Reihe und an Einmündungen und Kreuzungen

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