Video zeigt Festnahme

Tourist hält Zivilpolizisten für falsche Beamte und flüchtet

Zivilpolizisten stoppen einen Niederländer für eine Verkehrskontrolle. Weil er die für falsche Beamte hält, flüchtet er.

Ein Niederländer wird für eine Verkehrskontrolle von Zivilpolizisten gestoppt. Weil er die für falsche Beamte hält, flüchtet er.

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Berlin. Wieder gibt es Ärger um falsche Polizisten in Berlin. Doch dieses Mal waren die falschen Beamten echte Polizisten in Zivil, die Touristen in ihrem Auto aus den Niederlanden kontrollieren wollten. Weil der Mann und die beiden Frauen die Beamten - kurze Hose, Achselshirts, Tattoos – für Kriminelle hielten, flüchteten sie. Ein Video zeigt nun die Festnahme. Zuerst berichtete die "B.Z." darüber.

Um was geht es? Am Sonntagvormittag kam es nach einer kurzen Verfolgungsfahrt durch Kreuzberg zu einer vorläufigen Festnahme eines Touristen. Zivilbeamten einer Einsatzhundertschaft war in der Skalitzer Straße ein Mercedes aufgefallen. Da der Fahrer laut Polizei Verkehrsordnungswidrigkeiten beging, wollten die Polizisten den Wagen stoppen. Die Polizei sagte, dass die Zivilbeamten sich als Polizisten zu erkennen gaben. Der Fahrer ignorierte mehrere Aufforderungen, sein Auto zu stoppen und flüchtete. Dabei überfuhr er laut Polizei mehrere rote Ampeln.

Tourist flüchtet vor Zivilpolizisten: Niederländer erzählen andere Version

Die Niederländer erzählten in der B.Z. eine andere Version. Demnach hatten Hajar D. (28), Younes D. (23) und Naja G. (26), die auf dem Weg von Prag nach Den Haag waren, in der Nacht zu Sonntag einen Stopp in Berlin eingelegt. Mit nur 30 Stundenkilometern fuhren sie durch die Skalitzer Straße. Zivilbeamte versuchten, das Auto zu stoppen.

„Wir dachten, diese Männer wollen uns überfallen und ausrauben. Wir wollten schnell in eine belebtere Straße“, sagte Hajar D. Die Männer hätten mit einem runden Schild gewunken. Das alles habe nicht professionell ausgesehen. An der Hobrechtbrücke soll Younes D. seinen Wagen angehalten haben. Das Polizeiauto habe kein Blaulicht gehabt und nicht wie ein Polizeiauto ausgesehen. Dann sei alles schnell gegangen. Einer der Polizisten habe mit seiner Pistole gegen die Fenster geschlagen. Einen Ausweis habe er angeblich nicht gezeigt.

Auf einem Video, das auch der Berliner Morgenpost vorliegt, sieht man, wie dem Niederländer mit der Handschelle ins Gesicht geschlagen wird. Er liegt auf dem Boden, wird später gegen sein Auto gedrückt. Im Gesicht blutet er. Man hört jemanden fragen: „Is this the German police (Ist das die deutsche Polizei)?“ Eine Entschuldigung habe ich nicht bekommen“, sagte Hajar D. am Donnerstag der Berliner Morgenpost.

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Video zeigt Festnahme des Touristen

Die Polizei stellte die Festnahme anders dar. Sie teilte mit, dass sie sich an der Hobrechtbrücke erneut als Polizisten ausgewiesen hätten, der Fahrer das Öffnen des Autos aber verweigert habe. Schließlich zogen die Polizisten den 23 Jahre alten Fahrer aus dem Mercedes. Anschließend leistete der Mann Widerstand. Beim Anlegen der Handfesseln wurde der Festgenommene leicht am Kopf verletzt, teilte die Behörde mit. Die medizinische Behandlung der Schürfwunde habe er jedoch abgelehnt. Er und seine zwei Mitfahrerinnen seien davon ausgegangen, so deren Angaben, dass es sich um falsche Polizisten handelte. Ein Polizist erlitt ebenfalls leichte Verletzungen, die keine medizinische Behandlung nach sich zogen.

Die "B.Z." schreibt, dass Younes D.’s Führerschein zunächst beschlagnahmt wurde, er ihn aber später zurückbekam. Ein Berliner, der das Geschehen beobachtet habe, soll den dreien dann noch eine Stadtführung gegeben haben. Für die Niederländer sei die Erfahrung "traumatisierend" gewesen, sagten sie der Berliner Morgenpost. Sie hätten entschieden, ihren Berlin-Aufenthalt vorzeitig abzubrechen. "Die Polizei hat uns ganz sicher nicht das Gefühl gegeben, dass wir Berlin jemals wieder besuchen wollen." Andere Berliner seien aber sehr nett und hilfsbereit gewesen.