Polizeieinsatz

Protzfahrer und Shisha-Bars: Großrazzia in Neukölln

Erneut rücken mehrere Behörden aus und überprüfen Protzfahrer und Shisha-Bars. Die Kontrolldichte in der Gegend soll weiter zunehmen.

Razzia in Neukölln und Kreuzberg: Gegen 18 Uhr begann eine Verkehrskontrolle auf der Sonnenallee. Ziel war es, Luxusfahrzeuge zu kontrollieren. Mit dabei auch dieser Ferrari.

Razzia in Neukölln und Kreuzberg: Gegen 18 Uhr begann eine Verkehrskontrolle auf der Sonnenallee. Ziel war es, Luxusfahrzeuge zu kontrollieren. Mit dabei auch dieser Ferrari.

Berlin. Der Druck auf kriminelle Familienclans in Berlin wächst weiter. Am Donnerstagabend rückten Ordnungsämter, Polizei und Steuerfahnder erneut zu einem mehrstündigen Großeinsatz in Neukölln aus. Rund 150 Beamte waren bis 23 Uhr im Einsatz. Auch die Staatsanwaltschaft war vor Ort. Die Kontrollen erstreckten sich bis nach Kreuzberg. Damit nimmt langsam das Form an, was Ermittler schon lange fordern: sich nicht auf einen Bezirk zu beschränken.

Der Einsatz startete am späten Donnerstagnachmittag in einer ersten Phase auf dem Hermannplatz. Beamte des Abschnitts 54 und Brennpunktstreifen führten dort Kontrollen durch. Es ging um Taschendiebstahl und Rauschgiftdelikte. Es kam zu zwei Festnahmen, ein Dutzend Platzverweise wurden erteilt.

In einer zweiten Phase überprüfte die Polizei auf der Sonnenallee Ecke Fuldastraße Protzfahrer. Zusätzlich waren mobile Kontrollteams im Bezirk unterwegs. Es wurden 61 Fahrzeuge und Fahrzeugführer überprüft.

Razzia in Neukölln: Shisha-Bars und Cafés durchsucht - Geldspielautomaten beschlagnahmt

In einer dritten Phase starteten am frühen Abend Kontrollen in Shisha-Bars und Cafés. Die Sonnenallee wurde gesperrt, es kam zu Staus. Die Beamten stellten Fälle von Steuerhehlerei sowie Verstöße gegen die Abgabenverordnung, die Preisangabenverordnung, die Spielverordnung, die Gewerbeverordnung und die Handwerkerverordnung fest. Ein Betrieb wurde geschlossen, ein Haftbefehl vollstreckt. Die Beamten beschlagnahmten zwei Geldspielautomaten und einen zur Fahndung ausgeschriebenen Führerschein und stellten mehrere Dosen Shisha-Tabak sicher.

An der Ecke Hermannstraße und Boddinstraße richtete die Polizei in beide Richtungen Kontrollstellen mit Lichtgiraffen ein. Autofahrer wurden überprüft. Es kam zu längeren Staus.

Ein Laden, der überprüft wurde, war beispielsweise das Stammlokal von Nidal R. Der Intensivtäter war im vergangenen Jahr von noch immer unbekannten Tätern am Rand des Tempelhofer Feldes erschossen worden. Am Donnerstagabend gingen Ermittler vor allem in Lokale und Geschäfte, die sie als Treffpunkte der organisierten Kriminalität kennen oder die bereits durch Ordnungswidrigkeiten aufgefallen sind.

Razzia in Neukölln: Fuldastraße erst kürzlich wegen Clan-Streit im Fokus

Die Fuldastraße war erst vor einer Woche in den Fokus der Polizei geraten, weil dort Dutzende Männer der polizeibekannten Großfamilie A.-Z. aneinandergeraten waren. Dabei wurde ein 40-jähriger Mann durch einen Messerstich in den Rücken schwer verletzt und musste in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Schwer bewaffnete Polizisten sperrten kurzzeitig die ganze Straße.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll es bei dem Streit um Gewinne an Glücksspielautomaten gegangen sein. Im Laufe der Auseinandersetzung wurde mit der Familie R. eine weitere bekannte Großfamilie hinzugezogen. Die Lage war für die Beamten sehr unübersichtlich. Ermittler beobachten, dass in der Szene gerade Friedensrichter unterwegs sind, die verhindern sollen, dass die Lage eskaliert.

Übergänge zwischen den Bezirken fließend

Wie zuletzt berichtet, soll der Kampf gegen kriminelle Clans in Berlin ausgeweitet werden. Weitere Bezirke sollen dem Vorbild Neukölln folgen – darunter etwa Tempelhof-Schöneberg, Charlottenburg-Wilmersdorf, Reinickendorf und eben auch Friedrichshain-Kreuzberg, das wie Neukölln zur Direktion 5 der Polizei gehört.

Gerade am Hermannplatz sind die Übergänge zwischen beiden Bezirken fließend. Ermittler kritisieren schon länger, dass Razzien nichts nützen, wenn sie sich nur auf einen Bezirk erstrecken. Das heißt: Ist der Kontrolldruck in Neukölln hoch, weichen Kriminelle einfach auf einen anderen Stadtbezirk aus. Nirgendwo passiert das so offensichtlich wie am Hermannplatz – wo Verbrecher nur über die Straße gehen müssen, um in einem anderen Zuständigkeitsbereich zu sein.

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Auch im eher liberalen Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat man das Problem erkannt. Dort sind inzwischen ebenfalls kriminelle Clans ein Thema. Bezirksamt und Ordnungsamt halten regelmäßigen Kontakt zur Polizeidirektion, zu den Friedrichshain-Kreuzberger Abschnitten und zur Innenverwaltung.

Sofern dem Bezirksamt Anhaltspunkte in Bezug auf Clankriminalität vorliegen, würden diese an die Polizei weitergeleitet, hieß es auf Nachfrage der Berliner Morgenpost. Geplant sei auch, das Ordnungsamt ab nächstem Jahr mit neuen Stellen für den Gewerbeaußendienst auszustatten, um die Gewerbekontrollen zu verstärken.