Feuer gelegt

Fahndung nach Serienbrandstifter - Gesuchter meldet sich

Nach den Autobränden im Bergmannkiez zeigte die Polizei Fotos eines Verdächtigen. Kurz darauf meldete sich der Mann bei den Ermittlern.

Brandstifter haben an mehreren Autos rund um den Kreuzberger Chamissoplatz Feuer gelegt.

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Berlin. Nach mehreren Autobränden in Kreuzberg verdichten sich die Hinweise auf ein politisches Tatmotiv. Die Berliner Polizei suchte am Donnerstag mit Bildern aus einer Überwachungskamera nach einem mutmaßlichen Serienbrandstifter.

Nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung der Fahndungsfotos berichtete die Polizei beim Kurznachrichtendienst Twitter, der Gesuchte habe sich bei den Ermittlern gemeldet.

"Er gibt an, nichts mit diesen Taten zu tun zu haben. Seine Aussagen werden nun überprüft", so die Polizei. Die Fahndung sei damit beendet. Der Mann wird verdächtigt, Ende Juli im Kreuzberger Bergmannkiez mehrere Autos angezündet zu haben.

Was war passiert? Am Dienstag, 30. Juli, wurden im Bereich des Chamissoplatzes gegen 3.25 Uhr vier Fahrzeuge in Brand gesetzt. Weitere sechs Fahrzeuge wurden durch die Hitzeeinwirkung sehr stark beschädigt. Dass während des Vorfalls keine Personen zu Schaden kamen, hatte auch mit Glück zu tun. Wegen der großen Hitze sprangen Fensterscheiben umliegender Parterre-Wohnungen. Ein 69-Jähriger bettlägeriger Schlaganfallpatient hatte Glück, dass die Flammen nicht seine Wohnung erfassten.

Auf dem Spielplatz am Chamissoplatz war in der Tatnacht ein Schriftzug „Klasse gegen Klasse“ aufgetaucht, dazu das Logo „KgK“ und ein Revolutionsstern. Erkenntnisse, ob für die Brandstiftung die linke Gruppierung „Klasse gegen Klasse“ selbst verantwortlich ist oder es sich um Trittbrettfahrer handelt, gab es bislang nicht. Ein mit den Ermittlungen betrauter Beamter sagte der Berliner Morgenpost, dass er eine Reaktivierung der linksextremen Gruppe „Klasse gegen Klasse“, die in Berlin in den 90er-Jahren ihr Unwesen trieb, für eher unwahrscheinlich hält. Die Protagonisten seien viel zu alt und nicht mehr aktiv.

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Autobrände in Berlin: Polizei nimmt mutmaßliche Brandstifterin fest

Brandstiftungen haben in Berlin gerade Hochkonjunktur. Nach Informationen der Berliner Morgenpost brannten in Berlin in diesem Jahr bereits mindestens 357 Fahrzeuge. Dieser Wert liegt über dem der Vorjahre zu diesem Zeitpunkt. Im bisherigen Rekordjahr 2011 brannten insgesamt 700 Fahrzeuge. Die Ermittler konnten damals einen Serienbrandstifter überführen, der allein 100 Autos anzündete. Im Jahr 2018 hatten insgesamt 446 Autos gebrannt.

Hintergrund: So reagiert Berlins Polizei auf die zahlreichen Autobrände

Kürzlich wurde beim Landeskriminalamt die Ermittlungsgruppe „Nachtwache“ gegründet, die sich nur um Autobrände kümmern soll. Unklar ist, ob es sich um unpolitische Brandstifter, Autohasser oder Täter aus dem linksextremen Spektrum handelt. Dass zumindest bei den Bränden im Bergmannkiez eine politische Tatmotivation vermutet wird, zeigt die Einschaltung des Staatsschutzes. Die meisten Brandstiftungen haben allerdings keinen politischen Tathintergrund, sondern gehen auf das Konto von gewöhnlichen Kriminellen, Beziehungstaten oder von „Feuerteufeln“.

Am Donnerstag nahm die Polizei in einem anderen Fall etwa eine mutmaßliche Brandstifterin fest. Die 56-jährige Frau soll in der Nacht in Moabit einen Mercedes angezündet haben. „Die bisherigen Ermittlungen deuten auf eine Beziehungstat hin. Ein Zusammenhang mit anderen Brandstiftungen an Kraftfahrzeugen in Berlin ist nicht erkennbar“, sagte ein Polizeisprecher.