Kriminalität

Clan-Streit: Mann in Neukölln von hinten niedergestochen

Bei einem Großeinsatz der Polizei in Neukölln soll ein Mann festgenommen worden sein. Ein Kleintransporter wurde sichergestellt.

Bei dem Clan-Streit in der Nacht zu Sonnabend an der Fuldastraße in Neukölln war ein Großaufgebot der Berliner Polizei im Einsatz.

Bei dem Clan-Streit in der Nacht zu Sonnabend an der Fuldastraße in Neukölln war ein Großaufgebot der Berliner Polizei im Einsatz.

Foto: Morris Pudwell

Berlin. Gewalttätige Auseinandersetzungen im Clan-Milieu haben am Freitagabend und in der Nacht zu Sonnabend einmal mehr Großeinsätze der Polizei ausgelöst. Den ersten Einsatz hatten die Beamten gegen 21 Uhr bei einem Streit, der sich in einem Café an der Fuldaer Straße entzündete und sich anschließend auf den Gehweg vor dem Lokal verlagerte. Dabei wurde ein 40-jähriger Mann durch einen Messerstich in den Rücken schwer verletzt und musste in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Lebensgefahr besteht inzwischen nicht mehr.

Gegen 23 Uhr kam es an der Ecke Fuldaer Straße/Karl-Marx-Straße erneut zu einem Aufeinandertreffen mit anschließenden Auseinandersetzungen zwischen Personen, die bereits zuvor in dem Café in Erscheinung getreten waren. Diesmal gelang es einem Großaufgebot der Polizei jedoch, die Situation unter Kontrolle zu bringen, bevor es weitere Verletzte gab.

Im Mittelpunkt des gewalttätigen Streits in dem Café an der Fuldaer Straße standen zwei 40 und 46 Jahre alte Männer, die offenbar zunächst mit den Fäusten und schließlich mit Messern aufeinander losgingen. Anders als der von Rettungskräften ins Krankenhaus eingelieferte 40-Jährige erlitt der Ältere lediglich oberflächliche Stichverletzungen am Arm, die vor Ort ambulant behandelt werden konnten.

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Gewalt im Berliner Clan-Milieu: Schaulustige und Sympathisanten sammelten sich

Bei dem zwei Stunden später erneut aufflackernden Streit konnte die Polizei die sich gegenüberstehenden Gruppen zwar schnell trennen, die Beamten sahen sich bei ihrem Einsatz allerdings einer bis auf 100 Personen angewachsenen Gruppe von Sympathisanten der Kontrahenten gegenüber. Da alle Aufforderungen an die Schaulustigen, die Straße zu räumen, vergeblich blieben, musste die Fahrbahn der Karl-Marx-Straße zeitweise für den Fahrzeugverkehr gesperrt werden. Die Beamten überprüften mehrere Personen und sprachen Platzverweise aus.

Bei den zwei rivalisierenden Gruppen handelt es sich nach Informationen der Berliner Morgenpost um Angehörige verschiedener Zweige der polizeibekannten Großfamilie A.-Z. Das direkt neben dem Rathaus Neukölln gelegene Café, in dem die Auseinandersetzungen ihren Anfang nahmen, gilt als wichtiger Treffpunkt von Angehörigen der Familie.

Die soll ihren „geschäftlichen“ Aktivitäten bereits seit Jahrzehnten vor allem in Charlottenburg und dort vor allem im Rotlicht-Milieu rund um den Stuttgarter Platz nachgehen, in den vergangenen Jahren allerdings zunehmend an Einfluss verloren haben. Fahnder im Bereich Organisierte Kriminalität (OK) sprechen von massiver Verdrängung. Der Chef der Großfamilie A.-Z. ist in der Szene vor allem als „El Presidente“ bekannt, galt früher auch mal als der „König vom Stutti“. Zuletzt wurde bereits vor Jahren über ihn bekannt, dass er von Berlin nach Düsseldorf umgezogen ist. Inzwischen ist er auch aber wieder in Berlin aktiv.

Zu den Hintergründen der jüngsten Auseinandersetzungen wurde zunächst nichts bekannt. Für die Ermittler der Polizei ergab sich wie so oft in derartigen Fällen das bekannte Bild: Es gab viele Zeugen aber wenig verwertbare Informationen. Bislang ermittelt in der Sache keine OK-Dienststelle sondern ein Fachkommissariat der Direktion 5.

Video Kontrolle Neukölln

Café Happy in Neukölln wird regelmäßig aufgesucht

Erst im April 2019 hatte es in der Fuldastraße einen Großeinsatz der Polizei gegeben. Es wurden Gewerbekontrollen durchgeführt. In der Fuldastraße wurden vor einigen Monaten eine Shisha-Bar und ein Café überprüft. Das Café Happy steht auf der Liste der Steuerfahnder. Vor einem Lokal drohte die Situation zu eskalieren. Mehrere junge Männer bauten sich vor dem Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) auf und redeten sich in Rage.

Bei der Razzia im April war auch der Fraktionschef der CDU, Burkard Dregger, dabei. Während Hikel von seinem Fahrer begleitet wurde, kam Dregger in Polizeibegleitung, mit kugelsicherer Weste und einem Namensschild der Polizei, auf dem „Praktikant“ stand.