Strafanzeige

Häftling soll in JVA Tegel missbraucht worden sein

Das Opfer erhebt schwere Vorwürfe gegen einen Mitgefangenen. Dieser soll ein Gewalttäter aus dem Rockermilieu sein.

Die Justizvollzugsanstalt Tegel gerät immer wieder in die Schlagzeilen

Die Justizvollzugsanstalt Tegel gerät immer wieder in die Schlagzeilen

Foto: Paul Zinken / dpa

In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Tegel soll ein Häftling über einen längeren Zeitraum missbraucht worden sein, ohne dass es jemandem auffiel. Die Leitung der JVA Tegel hat Strafanzeige und Strafantrag gegen den Tatverdächtigen wegen des Verdachtes der Begehung von Handlungen gegen die sexuelle Selbstbestimmung, Beleidigung, Bedrohung und Körperverletzung gestellt. Das erfuhr die Berliner Morgenpost aus Justizkreisen.

Der Fall liegt mittlerweile beim Landeskriminalamt (LKA). Opfer und Tatverdächtiger wurden inzwischen verlegt, um eine Wiederholung der Taten zu verhindern. Mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen wollte sich die Justizverwaltung nicht zu dem Vorgang äußern.

Womöglich wurde der Peiniger von Justizbeamten gedeckt

Bei dem mutmaßlichen Täter soll es sich um einen Gewalttäter aus dem Rockermilieu handeln. Das Opfer gab an, dass er über ein Jahr lang sexuell missbraucht worden sei. Der Tatvorwurf soll intern erst ans Licht gekommen sein, als der Beschuldigte wegen Drogendelikten verlegt wurde. Gefängnis-Insider sagten der Berliner Morgenpost, dass der Beschuldigte zudem unter den Häftlingen sehr gut vernetzt sei und andere, wenn er das wolle, unter Druck setzen könne. Das Opfer gab auch an, dass sein Peiniger von Mitarbeitern der JVA gedeckt worden sei. Auch zu diesen Vorwürfen wollte sich die Justizverwaltung auf Nachfrage nicht äußern. Ein Sprecher sagte, dass man die Ermittlungen des LKA abwarte. Momentan stehe Aussage gegen Aussage.

Das Gefängnis in Tegel sorgt häufiger für Negativschlagzeilen. Im September vergangenen Jahres gab es dort eine Massenschlägerei, bei der zwei Insassen verletzt wurden. Zu der Schlägerei kam es im berühmt-berüchtigten und völlig veralteten Gebäudetrakt II, in dem ausschließlich Schwerverbrecher einsitzen. Zwei Häftlinge wurden hier damals von einer größeren Gruppe zusammengeschlagen. Nur weil eine Gefängnismitarbeiterin zufällig in der Nähe war, wurde der Vorfall bemerkt. Auch damals gelangte der Vorfall nur an die Öffentlichkeit, weil sich Insider an die Medien gewandt hatten.