Charlottenburg

Schüsse im Spätkauf: Opfer im Koma - Video wird ausgewertet

Wer steckt hinter den Schüssen in einem Charlottenburger Spätkauf? Die Polizei hat bisher keine Hinweise auf eine politische Tat.

Am Dienstagabend wurde ein 35-Jähriger in einem Spätkauf in Charlottenburg niedergeschossen.

Am Dienstagabend wurde ein 35-Jähriger in einem Spätkauf in Charlottenburg niedergeschossen.

Foto: Thomas Peise

Drei Tage nach den Schüssen auf einen Spätkaufmitarbeiter in Charlottenburg gibt es nach Angaben von Ermittlern noch keine konkreten Hinweise auf das Motiv und die Hintergründe der Tat. Die Ermittlungen konzentrieren sich derzeit vor allem auf einen möglichen Hintergrund im Bereich der organisierten Kriminalität. Schutzgelderpressung gilt ebenso als denkbares Motiv wie auch Revierstreitigkeiten zwischen Clans. Keinerlei Hinweise gibt es laut Staatsanwaltschaft bislang dagegen auf einen politischen Hintergrund,

Opfer ist ein aus Syrien stammender Kurde

Das wird im Umfeld des Opfers ganz anders gesehen. Bei dem 35-Jährigen handelt es sich um einen aus Syrien stammenden Kurden, der auch politisch aktiv gewesen sein soll. Aufgrund der Autonomiebestrebungen der Kurden sprechen Vertreter der Kurdischen Gemeinde in Deutschland von zunehmenden Bedrohungen durch arabische und türkische Nationalisten sowie durch islamistische Gruppen.

Der 35-Jährige wurde am Dienstagabend von zwei Männern niedergeschossen, die kurz zuvor den Spätkauf an der Goethestraße betreten hatten und nach den Schüssen sofort wieder verschwanden. Das Opfer erlitt lebensgefährliche Verletzungen, sein Zustand wurde nach einer Notoperation inzwischen als stabil bezeichnet, er liegt allerdings noch im künstlichen Koma.

Spezialisten des Landeskriminalamtes werten Video aus

Von der Tat gibt es ein Video, da der 35-Jährige exakt zu dem Zeitpunkt an einer Videokonferenz teilnahm und das Geschehen so teilweise aufgezeichnet wurde. In dem Video ist zu hören, wie eine männliche Person unmittelbar bevor die Schüsse fallen auf Arabisch „Drück jetzt ab“ ruft. Das Video wird derzeitig von Spezialisten des Landeskriminalamtes ausgewertet, Angaben dazu macht die Polizei bislang „aus ermittlungstaktischen Gründen“ nicht.

Die Polizei hat etliche Spätkauf-Geschäfte fest im Visier, da sie häufiger für Verbrechen genutzt werden. Geldwäsche spielt dabei eine wichtige Rolle, organisierte Banden und Clans eröffnen solche Läden gern mit Geld, das aus kriminellen Aktivitäten stammt. Für Täter sind sie nach Angaben von szenekundigen Ermittlern in vielen Fällen Treffpunkte und Rückzugsräume gleichzeitig.

Zudem dienen die Geschäfte häufig als Treffpunkte oder Umschlagplatz für Drogen- oder Hehlergeschäfte, sowie als Lager für Drogen oder „heiße Ware“. Die ganze Szene der Spätis, so ein Ermittler, ist heiß umkämpft.