Dahlem Dorf

Kiosk am U-Bahnhof Dahlem Dorf abgebrannt

In der Nacht stand das Reetdach in Flammen. Nach drei Stunden hatte die Feuerwehr die Lage unter Kontrolle. Polizei ermittelt Brandursache

Einsatzkräfte in der Nacht bei den Löscharbeiten

Einsatzkräfte in der Nacht bei den Löscharbeiten

Foto: Thomas Peise

Berlin. Nur die Grundmauern stehen noch. Rund um die Ruine eines Kiosks am U-Bahnhof Dahlem Dorf stapeln sich am Donnerstagmorgen Berge von verkohlten Holzbalken und Stroh. Noch immer riecht es nach Rauch. Die Arbeiter von zwei Firmen haben die ersten Überreste bereits in blaue Säcke gepackt und die Gleise freigeräumt.

Wieder einmal hat es an dem denkmalgeschützten Ensemble an der Königin-Luise-Straße gebrannt: Die Feuerwehr wurde kurz vor Mitternacht nach Dahlem gerufen, weil das Dach des Kiosks gegenüber des U-Bahnhofes vor der Domäne Dahlem in Flammen stand. Der Imbiss war vor mehreren Jahrzehnten im Stil des alten Bahnhofsgebäudes entstanden.

U-Bahnhof Dahlem: Balken und Stroh fallen ins Gleisbett der Linie U3

Insgesamt 30 Einsatzkräfte waren vor Ort, drei Strahlrohre kamen zum Einsatz. „Wir haben 40 Quadratmeter Reetdach gelöscht“, sagt ein Feuerwehrsprecher. Zu retten war nichts mehr. Nach dem Löschen musste das Dach komplett entfernt werden. „Um 0.46 Uhr war die Lage übersichtlich“, so der Feuerwehrsprecher. Zwei Stunden später sei alles unter Kontrolle gewesen. Ein Brandkommissariat des Landeskriminalamtes hat die Ermittlungen zur Brandursache übernommen. Das Ergebnis stehe noch aus, sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstag. Verletzt wurde niemand.

Kurz vor drei Uhr klingelte das Telefon bei Jens Gehrmann. Der Polier der Bleck & Söhne Hoch- und Tiefbau GmbH hatte im Auftrag der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) Bereitschaftsdienst. Für ihn war die Nacht zu Ende. Er rückte mit vier Mitarbeitern aus und bekam noch Unterstützung von der Firma Glasbau Proft, die mit sieben Mann am Brandort war. Da der Kiosk direkt oberhalb der Trasse der U3 steht, waren verbrannte Balken und Stroh ins Gleisbett gefallen. Die Aufgabe der beiden Firmen war es jetzt, so schnell wir möglich die Gleise freizuräumen.

„Wenn Leute im Gleis arbeiten, müssen wir den Strom abstellen“, sagt Petra Nelken, Sprecherin der BVG. Die Züge der Linie U3 seien aus diesem Grund von Betriebsbeginn an nur bis Breitenbachplatz gefahren. Die Aufräumarbeiten auf den Gleisen dauerten bis in den Vormittag. Einen Ersatzverkehr gab es nicht, so dass viele Studenten und Professoren einen längeren Fußweg bis zu ihrem Institut auf dem Dahlemer Campus in Kauf nehmen mussten. Um 10.15 Uhr konnte der U-Bahn-Verkehr wieder aufgenommen werden.

Über die Brandursache wurde rund um den abgebrannten Imbiss bereits spekuliert. „Es könnte vielleicht ein Blitz gewesen sein“, sagt eine ältere Dame an der Königin-Luise-Straße. In der Nacht habe es an vielen Orten gewittert. Eine andere Vermutung hatte Jens Gehrmann. „Die Brandursache kommt nicht aus dem Inneren des Kiosks“, ist sich der Polier sicher. Es muss eine Einwirkung von außen gegeben haben. Gehrmann könnte sich vorstellen, dass der Brand von einer noch glühenden Zigarette ausgelöst wurde, die jemand in hohem Bogen weggeschnipst hat und die dann auf dem Dach gelandet ist.

Kiosk abgebrannt: Brandgeruch mehrere Kilometer entfernt wahrzunehmen

Der Kiosk stehe nicht unter Denkmalschutz, heißt es aus der Unteren Denkmalschutzbehörde des Bezirks Steglitz-Zehlendorf. „In seiner Gestaltung wurde er aber an die Umgebung von Bahnhofsgebäude und Dorfanger so angepasst, dass er sich städtebaulich in das Ensemble eingefügt hat“, sagt der Leiter Jörg Rüter. Sollte der Kiosk wieder aufgebaut werden, müsse er wieder in dem selben historischem Stil entstehen. Wie es jedoch mit dem abgebrannten Kiosk weitergeht, wird Thema im Stadtplanungsamt sein, sobald die Polizei ihre Ermittlungen zur Brandursache abgeschlossen hat. Petra Nelken von der BVG ist sich sicher, dass er wieder aufgebaut werden muss. „Es wird nur schwierig, eine Fachfirma zu finden“, so Nelken.

Der Brandgeruch war in der Nacht in einem Umkreis von mehreren Kilometern wahrzunehmen. Viele fragten in den sozialen Medien nach der Ursache. Es war nicht das erste Mal, dass es in Dahlem Dorf brannte. Mehrmals mussten die Feuerwehren Flammen im denkmalgeschützten Bahnhofsgebäude löschen, auch der Kiosk direkt vor dem U-Bahneingang brannte bereits. „Vor vier Jahren waren wir auch schon hier, um aufzuräumen“, sagt Hans-Alexander Erlach, Mitarbeiter der Firma Glasbau Proft.

Im April 2012 hatte das reetgedeckte Dach des Bahnhofsgebäudes Feuer gefangen, 80 Quadratmeter waren zerstört. Die Wiederherstellung des Daches erfolgte im Juli 2013, aus Sicherheitsgründen wurde statt Reetgras eine Nachbildung aus Kunststoff verwendet. Bereits 1980 hatte ein Brand den U-Bahnhof fast völlig zerstört. Der Bahnhof wurde anschließend nach historischen Plänen wieder aufgebaut.