Berlin-Treptow

„Club der Visionäre“: Keine Hinweise auf vorsätzliche Tat

Ermittlungsverfahren läuft noch. Bisher wird von technischem Defekt oder Fahrlässigkeit ausgegangen. Weitere Zeugen werden vernommen.

Nach dem Feuer sieht der "Club der Visionäre" in Berlin-Treptow von außen beinahe unbeschädigt aus.

Nach dem Feuer sieht der "Club der Visionäre" in Berlin-Treptow von außen beinahe unbeschädigt aus.

Foto: Charlene Rautenberg

Berlin. Die Ursache, warum es am Morgen des 15. Juni im Berliner „Club der Visionäre“ gebrannt hat, ist noch immer nicht abschließend geklärt. Wie eine Sprecherin der Polizei sagte, werde aber nicht davon ausgegangen, dass es sich dabei um eine vorsätzliche Brandstiftung gehandelt hat. Es sei nichts gefunden worden, was auf eine Vorsätzlichkeit hindeuten würde, so die Sprecherin.

Stattdessen nimmt die Polizei an, dass es zu dem Brand durch einen technischen Defekt oder durch Fahrlässigkeit gekommen ist - welche der Optionen es war, das lässt noch nicht beantworten. Nach jetzigem Stand soll das Feuer im Außenbereich des Musik-Clubs ausgebrochen sein. „Das Ermittlungsverfahren läuft noch. Es sind noch nicht alle Zeugen vernommen worden“, sagte die Polizeisprecherin der Berliner Morgenpost. Mehrfach waren zudem Spuren in dem Club gesichert worden.

„Club der Visionäre“ hofft weiter auf baldige Wiedereröffnung

Der „Club der Visionäre“ selbst hat vor kurzem auf seiner Facebook-Seite in einem Video einen kurzen Einblick in die derzeitige Situation des Geländes gegeben. „Das Herz des Clubs sei noch intakt“, sagt die Künstlerin Maayan Nidam darin, mit Blick auf einen Raum mit Bar und DJ-Pult. Auch die angrenzende Terrasse scheint in dem Video nicht betroffen. Reparaturen sind dagegen im Freiluftbereich notwendig. Die Treppe zum Notausgang und Toiletten sollen repariert werden, heißt es. Ein Teil der großen Weide, die nach dem Brand verkohlt ist, müsse zurückgeschnitten werden. „Aber es gibt eine große Chance, dass sie nachwächst“, erklärt die Musikerin in dem Video weiter. Man hoffe, den Club nach Abstimmung mit den Behörden bald wieder öffnen zu können.

Außerdem bedankt sich der Club für die internationale Unterstützung nach dem Brand, es hatte Hunderte Nachrichten in den sozialen Netzwerken gegeben. Diese würden die Betreiber motivieren, nicht nur einen Ort schaffen, an dem Menschen sich treffen können, sondern weiter einen sicheren Platz bieten, um Musik zu entdecken, heißt es in einem Statement. Die Verantwortlichen hoffen weiterhin, bald wieder zu öffnen. Derzeit finden die geplanten Veranstaltungen vom „Club der Visionäre“ auf dem nahen Clubschiff „Hoppetosse“ statt.

Feuerwehr hatte nach dem Brand Kritik geübt

Nach dem Feuer hatte es Diskussionen um den Brandschutz in dem Club gegeben. Die Feuerwehr hatte Kritik an dem beliebten Musik-Club geübt; ein Sprecher erklärte, es hätte „teilweise abenteuerlichen Strominstallationen“ in den Bretterhütten gegeben. Es sei ein großes Glück gewesen, dass das Feuer nicht in der Nacht bei Vollbetrieb ausgebrochen sei. Laut Feuerwehr war ein 400 Quadratmeter großer Holzverschlag in Brand geraten. Mit 70 Kräften verhinderte sie, dass der Brand auf eine benachbarte Tankstelle übergriff.

Drei Menschen mussten wegen Augenreizungen und Reizhusten behandelt werden. Der „Club der Visionäre“ erklärte hingegen, weder Gäste noch Mitarbeiter seien verletzt worden.

Das Programm des beliebten Szenelokals wurde am Sonntag fortgesetzt. Nicht an seinem eigentlichen Standort zwar, sondern auf dem nahen Clubschiff „Hoppetosse“, aber es war ein Zeichen, dass es nach dem Unglück weitergeht.

Der „Club der Visionäre“ selbst hatte sich nach dem Brand auf seiner Facebook-Seite geäußert und dagegen erklärt: „Alle erforderlichen und verlangten Brandschutzmaßnahmen waren getroffen worden.“ Der Brandschutz im Club sei abgenommen gewesen. Jährliche fände eine arbeitsmedizinische und sicherheitstechnische Begehung des Clubs durch den Tüv statt. Auch die Elektroinstallation sei fachgerecht erfolgt, schrieben die Betreiber.

Nur noch rund zwei Dutzend Menschen waren auf Areal von Club der Visionäre

„Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, sagte ein Feuerwehrsprecher. Nur noch etwa zwei Dutzend Menschen seien auf dem Areal gewesen, als die Helfer eintrafen. „Es ist ein großes Glück, dass das Feuer nicht in der Nacht ausgebrochen ist, als da Vollbetrieb war.“

Gebrannt habe nur ein kleiner Teil des Freiluftbereichs, erklärten die Clubbetreiber. Die Terrassen und das Mauerwerk seien nicht betroffen. Bis zur Neueröffnung gehe es mit Programm ab Sonntag auf dem Schiff "Hoppetosse" am nahen Spreeufer weiter.

Ein Video, das ein Nutzer beim Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlichte, zeigt die Ausmaße des Brandes:

Zustand der Stromleitungen bemängelt

Die Feuerwehr bemängelte den Zustand des Clubs. In einfach zusammengezimmerten Bretterhütten auf dem Gelände gebe es "teilweise abenteuerliche Strominstallationen", kritisierte der Sprecher. Auch ein paar Dutzend Propangasflaschen hätten herumgestanden, teilweise seien sie während des Brandes explodiert. Die Feuerwehr habe die Bauaufsicht gebeten, sich Clubs und Restaurants rund um den Flutgraben genauer anzusehen.

„Alle erforderlichen und verlangten Brandschutzmaßnahmen waren getroffen worden“, hieß es von Seiten der Betreiber. Der Brandschutz sei abgenommen, die Mitarbeiter geschult. Das Feuer sei außerhalb des Clubs ausgebrochen und habe dann auf ihn übergegriffen.

Feuer in "Club der Visionäre": Von außen sieht der Club fast unversehrt aus

Nach dem Brand sah es auf den ersten Blick fast aus wie immer: Der Club lag im Sonnenschein am Spreeufer, Touristen blieben an der kleinen Brücke Am Flutgraben stehen und guckten. In einer Bar gegenüber wurde kaltes Bier ausgeschenkt. Beim genaueren Hinsehen wurde aber das Ausmaß des Feuers deutlich.

Die Trauerweide, die über die Terrasse ragt, ist halb verkohlt, und auch die darunter hängende Discokugel hat zum Teil ihren Glitzer verloren. Die Luft riecht noch leicht nach Rauch, und auf einem Vordach liegen Holzstreben und ein Teil der Isolierung.

Die Polizei sperrte den Eingangsbereich zu dem Club weiträumig ab und sicherte Spuren.Eine erschöpft wirkende Mitarbeiterin wurde noch schnell durch die Absperrung gelassen, um ihr Handy und ihr Portemonnaie zu holen. Immer wieder hielten Menschen an und fotografierten, manche kamen extra, um sich die Folgen des Brandes anzusehen.

"Club der Visionäre" eine der beliebtesten Berliner Locations

Der "Club der Visionäre" gehört zu den bekanntesten Open-Air-Clubs Berlins. Die Bar mit Sonnenterrasse am Wasser ist vor allem wegen seiner Partys am Sonntagnachmittag beliebt. Der Club erstreckt sich über mehrere Ebenen am grün umwucherten Flutgraben nahe der Spree. Auch viele Touristen tanzten auf den Holzplanken zu Elektro, House und Techno.

Auf Instagram beklagten Nutzer das vorläufige Aus für die Bar. „Mein zweites zu Hause“, schrieb eine Nutzerin. „Ein Stück Heimat geht verloren“, postete ein anderer. Eine Frau berichtete über ihre erste Verabredung mit ihrem Mann in dem Club. „Hoffentlich kann man alles wieder aufbauen.“

So waren Anaïse Lesne (30) und Hampy Hamparian (28) extra mit dem Auto über Nacht aus dem französischen Lille angereist, um ihre Freunde, die bis Sonntagmorgen um 6 Uhr im Club auflegen sollten, zu überraschen. „Verdammt, wir haben die ganze Nacht nicht geschlafen und jetzt brennt der Club ab“, sagte Anaïse. Von den sechs DJs hatten sie bisher nichts gehört.

Spendenaufruf für den "Club der Visionäre" gestartet

Es gibt auch schon Solidaritätsbekundungen: Amine Zaid (30), der in der Nähe wohnt, befestigte eine mit einem Spendenaufruf beschriebene Schallplatte am Brückengeländer gegenüber der Visionäre. Er befürchtet, dass der Club wegen Geldknappheit nicht wieder aufgebaut werden könnte oder wegen hoher Auflagen geschlossen werden muss. „Berlin lebt von alternativen, subkulturellen Orten wie diesem. Die Saison ist hier wohl jetzt gelaufen“, so Zaid.

"Der Club der Visionäre gehört einfach zur Berliner Clublandschaft - genauso wie Bretterbauten und das Unfertige", teilte der Berliner Grünen-Abgeordnete Georg Kössler mit. Er hoffe auf einen Neuaufbau mit verbessertem Brand- und Lärmschutz.

Der CDU-Abgeordnete Christian Goiny sprach auf Facebook nach dem Brand von einer traurigen Nachricht, warnte aber davor, „den Vorfall zum Anlass zu nehmen, weiteren Druck auf die Clubs dieser Stadt auszuüben“. Die meisten, so Goiny, würden das Thema Brandschutz sehr ernst nehmen.

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