Täter flüchtig

Mann in Neukölln angeschossen - war es ein Unfall?

Polizisten mit Maschinenpistolen sind in der Nacht zu Sonntag in Neukölln im Einsatz. Dort ist ein 32-Jähriger angeschossen worden.

Am Kottbusser Damm fiel ein Schuss.

Am Kottbusser Damm fiel ein Schuss.

Foto: Thomas Peise

Berlin.  Es war kurz vor 23 Uhr, als in der Nacht zu Sonntag in unmittelbarer Nähe des Kottbusser Damms plötzlich mehrere Schüsse fielen. Bereits kurze Zeit später war ein Großaufgebot der Polizei vor Ort nahe der Grenze zwischen Kreuzberg und Neukölln.

Auf der in den Kottbusser Damm einmündenden Schinkestraße fanden sie einen schwer verletzten Mann vor, der unter anderem im Bereich der Hüfte von einer Kugel getroffen worden war. Der 32-Jährige wurde von Rettungskräften der Feuerwehr zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus eingeliefert, die Kriminalpolizei der zuständigen Direktion 5 übernahm zunächst die Ermittlungen.

Ermittlungen werden von bewaffnetem Großaufgebot gesichert

Offiziell hieß es am Sonntag von der Polizei, die Hintergründe der nächtlichen Tat seien noch völlig unklar. Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll es allerdings Hinweise auf eine Tat im Bereich der Organisierten Kriminalität geben. Bestätigt wurde das nicht, ein Behördensprecher sagte dazu, weitere Details des Geschehens könnten aus ermittlungstechnischen Gründen nicht mitgeteilt werden. Man ermittle derzeit in alle Richtungen, lautete die offizielle Sprachregelung der Behörde.

Allerdings könnte es sich bei dem Vorfall auch um einen Unfall gehandelt haben. Die Kriminalpolizei ermittelt nämlich wegen fahrlässiger Körperverletzung und dem Verstoß gegen das Waffengesetz, wie ein Sprecher am Montag sagte. Das deutet nicht auf eine vorsätzliche Tat hin.

Neben den Ermittlern der Kripo und den Experten der Spurensicherung war unmittelbar nach der Tat auch eine schwer bewaffnete Hundertschaft vor Ort, um den Tatort abzuriegeln und die Arbeit der Kollegen zu sichern. Der Verlauf der Ermittlungen wurde von der Polizei als „ausgesprochen schwierig“ beschrieben. Erste Probleme gab es bereits bei dem Versuch, die Identität des Opfers zu klären, was dann schließlich doch gelang.

Polizei: Opfer zeigte sich „nicht besonders kooperativ“

Keinerlei konkrete Hinweise erhielten die Ermittler hingegen zur Identität des oder der bislang unbekannten Schützen und dem Tatmotiv. Das lag offenbar auch daran, dass das Opfer trotz der Verletzungen zwar ansprechbar war, sich allerdings bei einer ersten Befragung als „nicht sonderlich kooperativ“ gezeigt hat. Bei dem Verletzten soll es sich um einen im Bezirk Mitte gemeldeten Deutschen mit Migrationshintergrund handeln, bestätigt wurde aber auch das nicht.

Zeugen machen offenbar widersprüchliche Angaben

Bei ihrer Arbeit vor Ort wurden die Ermittler offenbar auch mit widersprüchlichen Zeugenaussagen konfrontiert. So sollen Passanten über einen den Schüssen vorangegangenen Streit berichtet haben, andere Zeugen wiederum wollen mitbekommen haben, dass es keinen Streit gab, stattdessen gezielt auf den 32-Jährigen geschossen wurde. Bei der Suche nach dem Schützen schließt die Polizei nicht aus, dass er mit der U-Bahn vom Tatort geflüchtet ist. Daher sollen jetzt auch die Überwachungsvideos der umliegenden U-Bahnhöfe gesichtet werden.

Das Areal rund um das Kottbusser Tor gilt seit langem als Schwerpunkt der Kriminalität in Berlin. Insbesondere der Drogenhandel floriert hier ebenso wie im nicht weit entfernen Görlitzer Park. Revierstreitigkeiten verschiedener Banden und Clans wurde und werden häufig mit Gewalt und auch unter Einsatz von Schusswaffen ausgetragen.

Erst vor wenigen Wochen war nach einem tödlichen Schuss auf einen 32-Jährigen am Kottbusser Tor ein 24-Jähriger wegen Mordes verurteilt worden. Ende 2018 gab es an gleicher Stelle eine Massenschlägerei unter verfeindeten Dealern. Und an der Schinkestraße wurden 2016 bei einem polizeilichen Großeinsatz mehrere Beteiligte an dem spektakulären Überfall auf das KaDeWe festgenommen.