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Falkenhagener Straße

Clan-Mann tyrannisiert Wohnhaus in Spandau

2018 registrierte die Polizei dort 92 Straftaten. Ein Großteil geht auf das Konto eines Mannes, der der Großfamilie R. nahestehen soll.

Foto: Stefan Puchner / dpa

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Berlin.  An der Falkenhagener Straße in Spandau tyrannisiert ein Mann aus dem Umfeld eines Clans seit Jahren die Bewohner eines Mehrfamilienhauses. Das berichtet der „Spiegel“ in der aktuellen Ausgabe. Allein eine Familie stellte nach Informationen der Berliner Morgenpost 57 Strafanzeigen gegen den Mann, der selbst 28 Eintragungen im Zentralregister hat und nach Informationen dieser Zeitung 300 Mal als Tatverdächtiger geführt wurde.

Die Rede ist von zerstochenen Autoreifen, Eierwürfen, Körperverletzungen und Sachbeschädigungen. Wohnungseigentümer sagten der Berliner Morgenpost, sie fühlten sich von der Politik alleingelassen. Allein im Jahr 2018 registrierte die Polizei im Haus 92 Straftaten.

Clan-Mann tyrannisiert Spandauer Nachbarschaft: Der Fall in Kürze

  • O. wird in 300 Fällen als Tatverdächtiger geführt
  • Allein eine Familie aus der Nachbarschaft stellte 57 Strafanzeigen gegen den Mann
  • Im Jahr 2018 registrierte die Berliner Polizei in dem Haus an der Falkenhagener Straße in Spandau 92 Straftaten
  • Die Vorwürfe: zerstochenen Autoreifen, Eierwürfen, Körperverletzungen und Sachbeschädigungen
  • O. soll der bekannten arabischen Großfamilie R. nahestehen

Hintergrund: Razzia: Justiz entzieht Clan 350.000 Euro

O. soll der bekannten Großfamilie R. nahestehen

In dem Gebäudekomplex gibt es 16 Wohnungen, in denen Eigentümer und Mieter wohnen. In einer der Wohnungen wohnt O. mit seiner Frau und den Kindern. Die Wohnung, in der er seit 2014 lebt, wurde im Juni 2017 mit sieben weiteren Wohnungen beschlagnahmt. Nach den Erkenntnissen der Ermittler wurde sie offenbar über eine Strohfrau gekauft.

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Erst am vergangenen Mittwoch durchsuchte ein Polizeikommando die Wohnung von O. Es ging um den Verdacht der Sachbeschädigung im Haus und Diebstahl von Post aus den Briefkästen der Nachbarn. O. selbst gehört keinem Clan an, soll aber der bekannten Großfamilie R. nahestehen. Für die Berliner Morgenpost war O. am Sonntag nicht erreichbar.

Einer der Wohnungseigentümer ist Walter Kuhn. In seiner Wohnung lebten bis vor Kurzem zwei syrische Flüchtlinge. „Die beiden waren hochanständig. Einer war Bauingenieur, der andere Informatiker“, sagte Kuhn der Berliner Morgenpost. Beide seien von O. mit Reizgas attackiert worden – weil er sich daran gestört habe, dass die beiden zu laut beim Aufbauen von Möbeln gewesen seien.

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O. wegen gefährlicher Körperverletzung zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt

In einem Urteil des Berliner Landgerichts steht, dass O. geschrien habe: „Ich ficke deine Mutter! Mir ist egal, woher du kommst! Ich ficke dein Land!“. O. wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Das Urteil wurde in zweiter Instanz noch auf sechs Monate abgemildert.

„So kann es nicht weitergehen“, sagte Kuhn der Berliner Morgenpost. Die Eigentümerverwaltung werde beim Landgericht eine Wohnungsentziehung beantragen, so Kuhn weiter. Der „Spiegel“ zitiert in seinem Bericht weitere Mieter und Eigentümer, die regelrecht von O. tyrannisiert werden. Beschwerten sie sich, seien sie mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert worden. Dabei haben viele Mieter und Eigentümer selbst einen Migrationshintergrund.

„Paradebeispiel für das Wegducken vor der organisierten Kriminalität“

Der SPD-Abgeordnete Tom Schreiber war selbst schon vor Ort und forderte eine bessere Koordination von Polizei, Bezirk und Staatsanwaltschaft. „Es reicht nicht, regelmäßig öffentlichkeitswirksame Razzien in Neukölln zu veranstalten, wenn der Rechtsstaat hier versagt“, sagte Schreiber.

Nach Informationen dieser Zeitung liegt der Fall trotz seiner Brisanz bei der Amtsanwaltschaft und wurde demnach noch nicht an auf Organisierte Kriminalität spezialisierte Staatsanwälte abgegeben. In der Amtsanwaltschaft, die sich generell vor allem mit kleineren Delikten beschäftigt, ist man über die öffentliche Aufmerksamkeit, die dieser Fall nun erfährt, nicht erfreut.

Entsetzt zeigte sich auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP). Deren Sprecher Benjamin Jendro sagte der Berliner Morgenpost: „Das ist leider ein Paradebeispiel für die weitreichenden Folgen, die das jahrzehntelange Wegducken vor der organisierten Kriminalität arabischer Clans verursacht hat“. Der Fall ist diesen Montag auch Thema bei Spiegel TV ab 23.25 im Fernsehsender RTL.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Fassung dieses Textes schrieben wir, dass es sich bei der Wohnung von O. um eine der 77 Immobilien handelte, die im vergangenen Jahr von den Berliner Ermittlungsbehörden beschlagnahmt worden war. Dies ist falsch. Die Wohnung wurde bereits im Juni 2017 beschlagnahmt. Wir haben den Text entsprechend geändert und bitten um Entschuldigung.