Nach Unfall

Unbekannte plündern in Schöneberg Unfall-Auto

Am Mittwoch machten sich Unbekannte noch während des Abtransports an einer Straßenkreuzung an einem sichergestellten Auto zu schaffen.

Symbolbild.

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Foto: Monika Skolimowska / dpa

Berlin.  Es passiert in Sekundenschnelle in aller Öffentlichkeit: Zwei Unbekannte sind an einer belebten Kreuzung in Berlin-Schöneberg auf die Ladefläche eines Abschleppwagens geklettert, um Gegenstände aus einem sichergestellten Auto zu holen. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, sollte das verschlossene Auto am Mittwochabend nach einem Unfall mit Fahrerflucht auf ein Gelände der Polizei gebracht werden.

Erfolgreiche Flucht nach Aktion

Die Täter hatten offensichtlich einen Schlüssel, um an einer roten Ampel die Türen des schwarzen Wagens auf der Ladefläche zu öffnen. Ihnen gelang nach der Aktion die Flucht, ein Auto raste davon. Manche Zeugen sprachen vor Ort von mehreren beteiligten Autos. Was die Täter aus dem Unfallauto nahmen, ist unklar.

Zwei Kinder verletzt

Mit dem Auto hatte ein Mann am Nachmittag in Berlin-Kreuzberg zwei Kinder leicht verletzt, wie die Polizei mitteilte. Als der Fahrer in einen Hinterhof in der Bergfriedstraße fuhr, berührte sein Auto einen Kinderwagen, in dem ein drei Jahre alter Junge saß. Der Kinderwagen kippte dadurch um und das fünfjährige Mädchen, das den Wagen schob, stürzte. Sie wurden leicht an Kopf beziehungsweise Bein verletzt, später ambulant versorgt und ihren Eltern übergeben.

„Der Fahrzeugführer stieg aus dem Audi aus, verschloss ihn und flüchtete unerkannt zu Fuß in Richtung Wassertorstraße“, teilte die Polizei mit. Bereits vor dem Unfall hatten Fahnder beobachtet, dass der Autofahrer auf der Kottbusser Straße mit hoher Geschwindigkeit unterwegs war.

Zusammenhang zwischen beiden Vorfällen nicht ausgeschlossen

Ob der Unfallverursacher einer der Unbekannten war, die an der Kreuzung Hauptstraße/Grunewaldstraße auf die Ladefläche kletterten, muss nach Polizeiangaben noch ermittelt werden. Ein Zusammenhang zwischen beiden Vorfällen sei nicht ausgeschlossen.

In der Vergangenheit waren Kriminelle mehrfach auf Gelände gelangt, auf denen die Polizei nach Unfällen oder Straftaten sichergestellte Autos abstellt. Dabei wollten sie teils Spuren in Autos vernichten. So hatten Unbekannte am 1. Dezember 2018 einen Feuerlöscher im Innenraum eines Wagens entleert, der mit einem Raub in Zusammenhang gestanden haben soll.

Im Juli 2017 war ebenfalls Löschschaum in einem Auto verteilt worden. Dieser Fall hatte für besonderes Aufsehen gesorgt, weil damit die aus dem Bode-Museum gestohlene riesige Goldmünze transportiert worden sein soll. Später betonten die Behörden, in dem Auto dennoch Spuren - Goldanhaftungen - gefunden zu haben. In anderen Fällen wurden sichergestellte Autos von Polizeigeländen gestohlen.

Seit 2012 sind mindestens 27 Fälle von Einbruch und verbotenem Betreten von Sicherstellungsgeländen erfasst worden, wie im Sommer 2018 aus einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage hervorging. 2017 bekamen das Gelände in der Belziger Straße in Schöneberg und in der Cecilienstraße in Biesdorf jeweils einen Wachschutz.