Staatsschutz

Unbekannte beschmieren Grabsteine getöteter Polizisten

Unbekannte haben die Grabsteine von im Dienst erschossenen Polizisten mit Hakenkreuzen beschmiert. Der Staatsschutz ermittelt.

Ein rotes Hakenkreuz ist auf dem Grab von Uwe Lieschied zu sehen.

Ein rotes Hakenkreuz ist auf dem Grab von Uwe Lieschied zu sehen.

Foto: Privat

Berlin. . Unbekannte haben die Gräber von zwei im Dienst erschossenen Polizeibeamten verwüstet und mit verfassungsfeindlichen Symbolen beschmiert. Der oder die Täter haben Hakenkreuze mit roter Farbe auf die Grabsteine geschmiert. Die Schändung auf dem Parkfriedhof Neukölln im Ortsteil Britz sorgte für große Empörung in der Berliner Politik.

„Die zwei ermordeten Beamten haben für uns ihren Kopf hingehalten, damit wir friedlich und sicher leben können“, teilte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) mit. „Es zeugt von entsetzlicher Menschenverachtung, deren Gräber so widerlich zu besudeln.“ Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) empfindet „Abscheu und Scham“ bei dem Gedanken, dass Gräber von Menschen geschändet wurden, die als Polizeibeamte im Dienst erschossen worden sind.

Innensenator drückt Angehörigen sein Mitgefühl aus

„Ihre Gräber zu verwüsten und mit Hakenkreuzen zu beschmieren ist eine niederträchtige Tat, die sich gegen diejenigen richtet, die gestorben sind, als sie sich für unsere Sicherheit eingesetzt haben. Den Toten gebührt unser höchster Respekt und am Leben erhaltene Erinnerung.“ Der Innensenator drückte den Angehörigen sein Mitgefühl aus, denen ein zweites Mal Leid und Trauer zugefügt worden sei. „Ihnen sage ich ganz deutlich: Wir werden alles tun, um diese schändliche Tat aufzuklären“, sagte Geisel.

Am Mittwochfrüh gegen 8.45 Uhr hatten laut Polizei, Friedhofsmitarbeiter die beschmierten Grabsteine entdeckt und die Polizei alarmiert. Zudem wurden Blumen herausgerissen und ein Grabstein umgestoßen. Bei den Gräbern handelt es sich um die Ruhestätten des SEK-Beamten Roland Krüger und des Polizeibeamten Uwe Lieschied. Vor knapp 16 Jahren wurde Roland Krüger bei einem Routine-Zugriff getötet. Er starb im Kugelhagel bei der Stürmung einer Wohnung. Die Aufgabe war es, einen 33 Jahre alten Libanesen zu stellen. Zuvor hatte es eine Messerstecherei zwischen Clan-Mitgliedern gegeben. Krüger war der erste und einzige Tote in der Geschichte des Berliner Spezialeinsatzkommandos (SEK).

In dem anderen Grab ruht der Polizeibeamte Uwe Lieschied. Er war überwiegend als Zivilfahnder unterwegs. Im März 2006 war er mit einem Kollegen auf Zivilstreife in der Hasenheide. Dabei beobachteten sie, wie zwei Männer nach einem Handtaschenraub flüchteten. Lieschied und sein Kollege verfolgten die Tatverdächtigen. Einer der Männer schoss auf Lieschied. Er wurde von acht Kugeln getroffen und starb vier Tage später. Der Mörder wurde 2007 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Politik muss sich endlich um die Beamten kümmern

„Roland Krüger und Uwe Lieschied haben ihren entschlossenen Kampf gegen Kriminelle und für die Sicherheit der Menschen in dieser Stadt mit dem Leben bezahlt. Wer gezielt ihre Gräber schändet und beschmiert, beschmutzt nicht nur ihr Andenken, sondern spuckt auf die Werte, für die unsere Kollegen tagtäglich auf der Straße sind“, sagte der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Norbert Cioma, zu dem Vorfall. Marcel Luthe, innenpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, erklärte: „Der von feigen Extremisten verbreitete Hass gegen Polizisten zeigt sich immer deutlicher in unserer Stadt. Die Polizei braucht und verdient die Unterstützung eines jeden Demokraten.“

Martin Textor, seit Jahren in Pension, stand lange an der Spitze aller Spezialeinheiten der Berliner Polizei und ist entsetzt über die Hakenkreuzschmierereien. „Als Zivilfahnder und SEK-Beamter waren Krüger und Lieschied ganz besondere Menschen. Sie haben sich über alle Maßen für den Erhalt von Sicherheit und Freiheit in Berlin eingesetzt“, sagte er der Berliner Morgenpost. „Ich bin sprachlos über diese völlig sinnlose Nazischmiererei.“ Textor, der beide sehr gut kannte, mahnte die Politiker. „Es reicht nicht aus, wenn jetzt alle ihre Betroffenheit ausdrücken. Die Politik muss sich endlich um die Beamtinnen und Beamten kümmern, die den täglichen Gefahren ausgesetzt sind.“

Irritationen gab es über den Zeitpunkt der Spurensicherung am Tatort. Während die Polizei via Twitter mitteilte, die Ermittlungen vor Ort wären abgeschlossen, teilten Angehörige vor Ort mit, es wäre niemand am Tatort gewesen. Beamte des Streifenwagens hätten Fußabdrücke gesichert. Erst gegen Mittag trafen Beamte des Kriminaldauerdienstes ein.

Bereits im November 2016 hatten Unbekannte in Neukölln eine Gedenktafel für den ermordeten Polizisten Uwe Lieschied beschmiert. Linksextremisten hatten sich im Internet zu dem Brandanschlag bekannt und Lieschied „Schurke“ und „Feind der Freiheit“ genannt.