Brandenburg

50 Autos geklaut und verschifft: Polizei stoppt Hehlerbande

Abgesehen hatte die Bande es vor allem auf hochwertige Mercedes-Limousinen. Die Tricks der Täter sind bemerkenswert.

Polizisten kontrollieren an der deutsch-polnischen Grenze Fahrzeuge auf der Suche nach Autoschiebern.

Polizisten kontrollieren an der deutsch-polnischen Grenze Fahrzeuge auf der Suche nach Autoschiebern.

Foto: Arno Burgi / dpa

Berlin/Potsdam.  Ermittlern des Landeskriminalamtes ist ein Schlag gegen die organisierte Kriminalität gelungen. In enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) konnten Beamte der Abteilung für Organisierte Kriminalität und schwere Grenzüberschreitende Eigentumskriminalität (GüEK) des Kriminalkommissariats Potsdam den Chef einer international agierenden Autoschieber-Bande festnehmen. Gegen den 35-Jährigen wird jetzt vor dem Landgericht Potsdam Anklage wegen schweren Bandendiebstahls erhoben.

Seine Bande hatte im vergangenen Jahr hochwertige Fahrzeuge in zahlreichen Brandenburger Landkreisen gestohlen und anschließend nach Polen geschafft. Betroffen waren die Kreise Dahme-Spreewald, Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming, Havelland und Oberhavel sowie Potsdam, aber auch die Länder Berlin und Hessen. Auch in anderen Staaten wie Österreich, Tschechien und Polen konnten Taten der achtköpfigen Diebesbande zugeordnet werden. Insgesamt erbeuteten die Kriminellen nach bisherigen Erkenntnissen rund 50 Fahrzeuge.

Bande zerlegte Autos und brachte sie nach Polen

Ihr Geschäft funktionierte so: Die Autos wurden von den Kriminellen über die Grenze an der Oder nach Polen gefahren. Im Südosten des Nachbarlandes wurden die PKW dann teilweise zerlegt und an europaweit agierende Kfz-Hehler übergeben wurden. Nach Erkenntnissen der Ermittler haben diese die Fahrzeuge noch weiter in ihre Einzelteile zerlegt und in Containern verstaut. So war es offenbar möglich die Autos nach Libanon und in die Vereinigten Arabischen Emirate zu verschickten und dort weiterzuverkaufen. Die Hehler waren kürzlich von der Polizei in Baden-Württemberg gefasst worden.

Die polnische Diebesbande hatte es in erster Linie auf Fahrzeuge der Marke Mercedes-Benz mit Keyless-Go-System abgesehen. Mit sogenannten Funkstreckenverlängerern öffneten und starteten sie die Fahrzeuge und fuhren sie anschließend über die Grenze nach Polen. Die Funkstreckenverlängerer sind technische Hilfsmittel, mit denen Diebe die Keyless-Go-Systeme moderner Fahrzeuge überlisten. Die Geräte verstärken das Funksignal des außer Reichweite des Fahrzeugs befindlichen Schlüssels – auch durch geschlossene Haustüren hindurch. Dadurch wird es den Dieben möglich, das Fahrzeug zu öffnen und zu starten, ohne tatsächlich im Besitz des Schlüssels zu sein. Die so gestohlenen Autos wurden von einem vorausfahrenden „Pilotfahrzeug“ eskortiert. Aus diesem wurden dann die Kurierfahrer vor Polizeikontrollen gewarnt.

Bandenchef wurde bereits im Jahr 2018 festgenommen

Allein dem im Oktober 2018 in Döbern (Landkreis Spree-Neiße) festgenommenen Kopf der Bande konnten die Ermittler bisher die Beteiligung an 22 Diebstählen im Wert von rund 1,5 Millionen Euro nachweisen. Bei dem Versuch zu fliehen, hatte der 35-Jährige Pole zahlreiche Unfälle verursacht und andere Verkehrsteilnehmer verletzt.

Am 16. Oktober 2018 hatte der Pole versucht, sich einer polizeilichen Verkehrskontrolle im Landkreis Spree-Neiße zu entziehen. Er ignorierte sämtliche Anhalteaufforderungen der Beamten und fuhr in verkehrsgefährdender Fahrweise aus Tschernitz in Richtung Döbern. In der Forster Straße rammte er zunächst einen Ford und einen Dacia. Er geriet dann in den Gegenverkehr und stieß dort mit einem Renault zusammen. Das Fahrzeug blieb wegen der starken Beschädigungen stehen. Daraufhin versuchte er, zu Fuß zu flüchten. Polizisten nahmen den 35-Jährigen im Grenzweg vorläufig fest. Der bereits damals polizeilich Bekannte wies sich mit gefälschten Papieren aus. Durch die drei vorausgehenden Verkehrsunfälle wurde er verletzt, so dass er in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Bei einem Drogentest reagierten die Instrumente positiv auf Amphetamine. Daraufhin wurde eine Blutprobe entnommen.

Der durch den Unfall in Mitleidenschaft gezogene Ford blieb mit einem Schaden von rund 1.000 Euro fahrbereit. Die 49 Jahre alte Fahrerin des Dacia erlitt ein Schleudertrauma. An dem Dacia und dem Renault entstand ein Sachschaden von jeweils rund 10.000 Euro. Beide Autos waren nicht mehr fahrtüchtig und mussten abgeschleppt werden. Ein Polizeihubschrauber hatte damals die Beamten vor Ort bei ihrer Arbeit unterstützt.

Vorausgegangen waren Fahndungsmaßnahmen der sächsischen Polizei im Bereich der B 156 bei Boxberg nach einem in der Nähe von Bad Homburg gestohlenen hochwertigen Mercedes.

Der Gesamtschaden, den die Bande verursacht hat, wird derzeit auf rund vier Millionen Euro geschätzt. Die Zahl der Diebstähle hochwertiger Mercedes-Fahrzeuge ist seit der Festnahme massiv zurückgegangen, berichtet die Polizei. Den Festnahmen vorangegangen waren monatelange Ermittlungen im Rahmen des Projekts LIMES vorausgegangen. Das Projekt wurde 2017 ins Leben gerufen und stellt die Bekämpfung der internationalen Fahrzeugverschiebung sowie der russischsprachigen organisierten Kriminalität in den Vordergrund. In dem Projekt arbeiten beispielsweise die Landeskriminalämter von Sachsen und Sachsen-Anhalt zusammen sowie die Gendarmerie von Polen, Litauen, Lettland, Estland, Tschechien und Schweden.