Prozessauftakt

Schießerei vor Kreuzberger Bar – Angeklagte schweigen

Sieben Monate nach einer Schießerei in Kreuzberg müssen sich die beiden mutmaßlichen Täter vor dem Berliner Landgericht verantworten.

Polizisten kommen in der  Urbanstraße in Kreuzberg an.

Polizisten kommen in der Urbanstraße in Kreuzberg an.

Foto: Morris Pudwell

Berlin. Es sollte angeblich ein Versöhnungstreffen werden, zu dem Alparslan A. (25) und Mahmut T. (31) am späten Nachmittag des 5. August 2018 in einer Shisha-Bar an der Urbanstraße in Kreuzberg erschienen. Doch dann fielen plötzlich Schüsse. Am Mittwoch begann vor dem Landgericht der Prozess gegen die beiden Männer. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen versuchten Totschlag vor.

Acht Schüssen sollen auf Lokal abgegeben worden sein

Der Anklage zufolge rückten die Männer mit halbautomatischen Pistolen der Marke Glock am Tatort an. A. betrat die Bar, T. wartete draußen. Nach einem kurzen Wortgefecht mit dem Betreiber der Bar soll A. dann plötzlich seine Waffe gezogen haben. Doch das ausgewählte Opfer erkannte rechtzeitig die Gefahr und konnte den Angreifer überwältigen. Daraufhin soll der Mitangeklagte T. von draußen insgesamt acht Schüsse auf das Lokal abgegeben haben.

Schießerei war Höhepunkt eines Streits

Die Schießerei, bei der nur durch einen glücklichen Zufall niemand verletzt wurde, war offenbar der Höhepunkt eines bereits länger währenden Streits zwischen zwei Familien. Über den Anlass des Streites ist bislang wenig bekannt, die Rede war während der Ermittlungen einmal ganz simpel von wechselseitigen Beleidigungen, ein andermal von Rivalitäten im immer lukrativer werdenden Geschäft mit Shisha-Bars.

Tatverdächtige schweigen

Nichts genaues weiß man nicht, hieß es während der Ermittlungen bei der Polizei. Die beiden Tatverdächtigen schwiegen und schweigen bislang auch im Prozess. Und andere Beteiligte und Zeugen des Geschehens waren offenbar auch nicht sehr auskunftswillig. „Da wurde gemauert“, sagte am Mittwoch ein Polizeibeamter, der im vergangenen Sommer mit seiner Kollegin als erster am Tatort war.

Die Schweigen von Beteiligten und Zeugen einer Tat ist für die Polizei ein hinreichend bekanntes Problem in einem Milieu, in dem man die Dinge gern selbst und intern regelt. Ermittler bekommen oft nicht mehr als Mutmaßungen und Gerüchte zu hören. Ein Gerücht in diesem Fall besagt, dass im Streit auch der einen Monat später auf dem Tempelhofer Feld erschossene Nidal R., Berlins bekanntester Intensivtäter, involviert gewesen sein soll.

Urteil ist für den 10. April geplant

In dem am Mittwoch begonnenen Verfahren spielt das allerdings keine Rolle. Fünf Verhandlungstage hat die zuständige Schwurgerichtskammer angesetzt, um etwas über die Motive der mutmaßlichen Täter und die Hintergründe der Tat in Erfahrung zu bringen. Der Prozess wird am 25. März fortgesetzt, das Urteil ist für den 10. April geplant.

Vater wollte Sohn vertreten - doch er ist im Gefängnis

Bevor sich die Richter am Mittwoch mit dem eigentlich Fall befassen konnten, mussten sie zunächst über einen ungewöhnlichen und letztlich erfolglosen Antrag entscheiden. Der Vater des Angeklagten Alparslan A. wollte in dem Prozess als Rechtsbeistand seines Sohnes auftreten. Sein Ansinnen hatte er in einem sehr ausführlichen Schriftsatz an das Gericht gefaxt. Persönlich erscheinen konnte der Antragsteller nicht. Er verbüßt in der JVA Tegel derzeit eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes.