Frankfurt/Oder

Polizei und Zoll beschlagnahmen Heroin im Millionenwert

Schlag gegen die Drogen-Mafia: Beamte von Polizei und Zoll haben in Brandenburg bei einer Autokontrolle 60 Kilo Heroin entdeckt.

Vermummte Zollbeamte stehen neben den beschlagnahmten Paketen mit Rauschgift.

Vermummte Zollbeamte stehen neben den beschlagnahmten Paketen mit Rauschgift.

Foto: dpa

Frankfurter/Oder. Es ist einer der größten Heroinfunde der letzten 30 Jahre in der Region Berlin-Brandenburg. 60 Kilogramm reines Heroin haben Beamte des Hauptzollamtes Frankfurt (Oder) am Dienstag in einem Fahrzeug entdeckt, das aus Polen kommend auf der A 11 (Stettin-Berlin) unterwegs war. Die 60 mit weißem Pulver prall gefüllten Päckchen steckten im Hohlraum des Fahrzeugs, gut versteckt, aber nicht gut genug für die erfahrenen Beamten der mobilen Kontrollgruppen, die Tag und Nacht im Hinterland der deutsch-polnischen Grenze unterwegs sind.

Am Freitag präsentierte der Zoll gemeinsam mit der Bundespolizei die sichergestellte Ware in Berlin. Das Besondere an dem Fund sei nicht nur die für die hiesige Region ungewöhnlich große Menge, sondern auch der extrem hohe Reinheitsgehalt des Heroins, sagte Sven Brenner, der Leiter des Hauptzollamtes Frankfurt (Oder). In szenetypischer Weise gestreckt bringe das sichergestellte Heroin einen Straßenverkaufswert von sieben Millionen Euro, erklärte Brenner. Für die Behörde war das ein Grund zu besonderen Sicherungsmaßnahmen. Bewaffnete und vermummte Spezialkräfte bewachten die aufgestapelten Päckchen und sorgen auch für den sicheren Transport.

Was am Dienstag dieser Woche gegen 1 Uhr morgens als Routinekontrolle begann, entwickelte sich schnell zu einem spektakulären Einsatz. Auf der A 11 in Richtung Berlin entschieden sich die Beamten der gemeinsamen Kontrollgruppe von Zoll, Bundes- und Landespolizei zur Kontrolle eines Landrover und lotsten ihn zu dem Rastplatz Buckow West in der Uckermark. Der Fahrer, ein 67 Jahre alter Grieche polnischer Abstammung, gab an, auf dem Weg in die Niederlande zu sein. „Zigaretten und Wodka“ äußerte er auf die Frage, ob er zollpflichtige Ware mit sich führe.

Die Beamten gaben sich damit nicht zufrieden, sondern unterzogen das Fahrzeug einer genauen Prüfung. „Unsere Beamten sind geschult, an nahezu allen gängigen Fahrzeugtypen selbst geringfügige Veränderungen zu erkennen“, sagte Sigmund Poloczek, der Leiter der mobilen Kontrollgruppen am Freitag. Auch in diesem Fall wurden die Beamten bei der Durchsuchung des Fahrzeugs schnell misstrauisch. Und richtig, im hinteren Teil entdeckten sie schnell eine mit einem Teppich überklebte Klappe. Und beim Öffnen präsentierten sich ihnen die 60 Kilogramm Heroin.

Senior am Steuer sollte unverdächtig wirken

Der 67 Jahre alte Fahrer wurde festgenommen, inzwischen erging gegen ihn ein Haftbefehl. Die weiteren Ermittlungen hat jetzt das Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg übernommen. Zur Person des mutmaßlichen Drogenkuriers und zur Herkunft des Heroins wollte sich die Behörde am Freitag aus „ermittlungstaktischen Gründen“ zunächst nicht äußern. Ob die Drogen für den niederländischen Markt bestimmt waren oder woanders hin geliefert werden sollten, sei jetzt Gegenstand der Ermittlungen, sagte Brenner.

Senioren am Steuer von Fahrzeugen älterer Bauart erregen nicht unbedingt als allererste die Aufmerksamkeit der Kontrollbehörden, diesen Umstand machen sich die Drahtzieher großer Drogentransporte gern zunutze. Das weiß aber auch der Zoll und am Dienstag ging die Rechnung der Drogenschmuggler nicht auf. „Die Drogenfahndung gleicht oft einem Katz und Maus-Spiel, diesmal waren wir die Katze“, sagte Kontrollgruppen-Chef Poloczek.

Seit dem Fall der Mauer vor knapp 30 Jahren gab es in der Region nur zwei größere Heroinfunde. In den 1990er-Jahren wurden einmal 112 und einmal 160 Kilogramm entdeckt. In den vergangenen drei Jahren war nach Angaben der Zollbehörden die Menge der sichergestellten Drogen leicht rückläufig. Bei der Anzahl der Entdeckungen gehe die Tendenz allerdings nach oben, teilte Brenner mit, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

Seit einigen Jahren arbeiten Zoll und Polizei auf beiden Seiten der Grenze eng zusammen. Im Rahmen der „operativen Fahndung“ im Rückraum der Grenze gibt es gemeinsame Streifen von Zoll, Bundes- und Landespolizei. Grenzüberschreitend arbeiten Zoll, Zollfahndung und Bundespolizei in diversen gemeinsamen Projekten mit den polnischen Behörden zusammen.

Die Bekämpfung des Drogenhandels gehört allerdings nicht zu den Schwerpunkten der Kontrolltätigkeiten. Die großen Transitrouten verlaufen woanders, auch wenn die Zahl der erfassten Delikte zuletzt gestiegen ist. Hauptproblem für die Behörden ist nach wie vor der Zigarettenschmuggel und zunehmend die illegale Einfuhr von Pyrotechnik. Letzteres nicht nur vor Silvester. Allein im vergangenen Jahr wurden 18 Tonnen Böller beschlagnahmt. Sowohl die Pyrotechnik als auch die Zigaretten, die über die deutsch-polnische Grenze eingeführt werden, sind durchweg für Berlin bestimmt.