Kriminalität

Fälle von Fahrerflucht in Berlin nehmen zu

Die Polizei spricht von „auffälliger Häufung“ von Fällen. Bei einem Unfall in Hellersdorf wird eine Frau schwer verletzt.

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Berlin.  Die Zahl der Fälle, in denen Autofahrer in Berlin nach einem von ihnen verursachten Unfall flüchten oder sich mit Höchstgeschwindigkeit einer Polizeikontrolle entziehen, ist in den vergangenen Monaten spürbar gestiegen. Die Berliner Polizei spricht von einer „auffälligen Häufung“ derartiger Fälle, von denen es allein im gerade begonnenen Jahr 2019 bereits ein knappes Dutzend gab. Konkrete Zahlen nennt die Behörde nicht, weil sich die Taten auf mehrere Deliktarten verteilen.

Dem jüngsten Vorfall dieser Art musste die Polizei am Donnerstagabend in Neu-Hohenschönhausen nachgehen. Dort bog gegen 19 Uhr ein bislang unbekannter Fahrer in die Falkenberger Chaussee ein und überfuhr eine 51 Jahre alte Fußgängerin, die an einer grünen Ampel die Fahrbahn überquerte. Ohne sich um die schwer verletzte Frau zu kümmern, raste der Fahrer Zeugen zufolge mit hoher Geschwindigkeit davon.

Gerade einmal zwei Tage zuvor nahm die Polizei in Biesdorf einen 19-Jährigen fest. Er wollte sich mit Vollgas einer Kontrolle entziehen und verursachte dabei gleich mehrere Unfälle. Die Ermittlungen ergaben, dass der 19-Jährige betrunken und in einem als gestohlen gemeldeten Fahrzeug unterwegs war. Anfang Januar registrierte die Polizei vier Fälle von halsbrecherischer Raserei im 24-Stunden-Takt. Immer wieder sind die Folgen katastrophal. Im Dezember 2018 starb eine unbeteiligte Fußgängerin, im November wurden zwei kleine Kinder durch einen flüchtigen Raser schwer verletzt.

Viele Sanktionen schrecken nur bedingt ab

Ein Fahrverbot etwa oder der Entzug der Fahrerlaubnis beeindrucken vor allem die nicht, die ohnehin ohne Führerschein unterwegs sind. „Und davon gibt es viele“, beschreibt ein Beamter des Verkehrsdienstes die Situation. Für Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin, sind bei vielen Fahrern keinerlei Skrupel vorhanden. So sehr das konsequente Vorgehen der Beamten zu begrüßen sei, so sehr müsse man nüchtern feststellen, dass es sich dabei vielfach um „Zufallskontrollen“ handele. „Das Dunkelfeld dürfte noch um einiges größer sein“, sagte Jendro der Berliner Morgenpost.

Auch die Verfolgung der Delikte durch die Justiz gestaltet sich nach wie vor schwierig, allen Gesetzesverschärfungen zum Trotz. Das gilt vor allem dann, wenn der Täter entkommt. Den Halter eines Fahrzeugs zu ermitteln, reicht bei Weitem nicht aus. Es ist fast schon die Regel, dass Halter bestreiten, zum Tatzeitpunkt selbst gefahren zu sein. Und Angaben zum Fahrer können sie verweigern, weil sie weder sich noch einen nahen Angehörigen belasten müssen. „Und mancher Halter gibt an, er wisse einfach nicht, wer gefahren ist“, so ein Staatsanwalt.

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