Berlin-Kreuzberg

Obdachloser Mann stirbt im U-Bahnhof Moritzplatz

Die Polizei schließt ein Gewaltverbrechen aus. Die BVG hält die Zwischenebene in den Nachtstunden als Kältebahnhof geöffnet.

Betroffenheit am Schlafplatz der Obdachlosen.

Betroffenheit am Schlafplatz der Obdachlosen.

Foto: Morris Pudwell

Berlin. Im U-Bahnhof Moritzplatz in Kreuzberg ist am Sonntag in den frühen Morgenstunden ein toter Mann gefunden worden. Polizisten entdeckten den leblosen Obdachlosen um 2.40 Uhr an seinem angestammten Schlafquartier in der Zwischenebene der U-Bahnstation, wie eine Sprecherin der Polizei mitteilte. Die alarmierten Rettungskräfte konnten nur noch den Tod des 55-Jährigen feststellen. „Ein Gewaltverbrechen kann ausgeschlossen werden. Wir gehen auch nicht davon aus, dass der Mann aufgrund von Kälte gestorben ist“, so die Sprecherin.

Die Todesursache des laut Polizei staatenlosen Mannes soll nun bei einer Obduktion geklärt werden. Die Beamten eines Fachkommissariats der örtlich zuständigen Direktion 5 leiteten ein Todesermittlungsverfahren ein. „Ich hoffe, dass wir am Montag mehr wissen“, sagte eine Sprecherin der Polizei. Gegen 20 Uhr war der Mann von Mitarbeitern des BVG-Sicherheitsdienstes und von Polizisten noch lebend gesehen worden. Ob er zum Zeitpunkt seines Todes allein war, ist nicht bekannt. Ein Notarzt und ein Rettungssanitäter versuchten erfolglos, den Mann zu reanimieren.

Wenig später wurde ein weiterer Obdachloser im Bahnhof von der Besatzung eines Rettungswagens betreut. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) halten den Bahnhof Moritzplatz – wie auch den Bahnhof Lichtenberg – nachts als Schlafquartier für Obdachlose offen, damit sie bei den Temperaturen um den Gefrierpunkt und dem Dauerregen nicht im Freien schlafen müssen. Die Bahnhöfe waren ausgewählt worden, weil Obdachlose dort in einem Zwischengeschoss übernachten können und ihr Schlafquartier nicht auf einem Bahnsteig in unmittelbarer Nähe von Gleisen und Stromschiene aufschlagen müssen.

Ursprünglich hatte die BVG die nächtliche Öffnung von Bahnhöfen für Obdachlose aus Sicherheitsbedenken und wegen fehlender sanitärer Anlagen in den Bahnhöfen abgelehnt. Nachdem Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) Druck auf die BVG ausgeübt hatte, wurden die Bahnhöfe dann doch geöffnet. Die Sozialverwaltung stellte Dixi-Klos auf und sagte die Betreuung der Menschen durch Sozialarbeiter zu.

Die Kältehilfe ist ab 18 Uhr unter der Nummer 0170 910 00 42 erreichbar.

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