Karlshorst

Sabotage an Bahnstrecke: Polizei prüft Terrorverdacht

Die Polizei sucht nach der Sabotage an der Bahnstrecke in Karlshorst nach dem Motiv und prüft auch den Terrorverdacht.

Der S-Bahnhof Karlshorst am 25. Dezember

Der S-Bahnhof Karlshorst am 25. Dezember

Foto: Fabian Fuchs/dpa-Zentralbild/dpa

Berlin. Sollte Berlin erneut Ziel eines islamistischen Anschlags werden? Dieser Frage geht seit nunmehr drei Tagen das Landeskriminalamt (LKA) nach. Anlass ist ein am Montag festgestellter Oberleitungsschaden an einem Gleisabschnitt der Deutschen Bahn im Berliner Osten. Erste Ermittlungen erhärteten schnell den Verdacht eines vorsätzlichen Sabotageaktes. Am Dienstag rückte die Polizei erneut am Tatort an, dem Streckenabschnitt zwischen den Bahnhöfen Karlshorst und Wuhlheide an. Dabei entdeckten die Beamten im weiteren Umfeld eine Fahne der Terrororganisation IS und zahlreiche Flugblätter mit arabischen Texten.

Noch immer prüfen die Experten des Staatsschutzes einen Zusammenhang zwischen dem Fund und der Sabotageaktion. Unter anderem werden dabei die arabisch-sprachigen Flugblätter von behördeneigenen Islamwissenschaftlern ausgewertet. Über dabei eventuell gewonnene neue Erkenntnisse bewahrt das LKA wegen der Brisanz des Falles Stillschweigen. „Bislang gibt es kein Bekennerschreiben, daher wird nach wie vor in alle Richtungen ermittelt“, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch.

In alle Richtungen bedeutet in diesem Fall, dass die Staatsschutzdienststellen des LKA vor allem drei mögliche Hintergründe in Betracht ziehen. Zu ihnen gehört selbstredend die Möglichkeit, dass hinter der Tat tatsächlich Angehörige oder Sympathisanten des IS stecken, auch wenn dies nach interner Einschätzung nicht „übermäßig wahrscheinlich“ ist. Angesichts der aktuellen Bedrohungslage werde allerdings auch bei einem nur vagen Verdacht mit Hochdruck ermittelt, hieß es aus Polizeikreisen dazu.

Aktion konnte nicht zu einem schweren Zugunglück führen

Die Strategie der islamistischen Terrororganisation ziele darauf ab, mit Anschlägen möglichst viele Opfer zu treffen und dadurch Angst und Schrecken zu verbreiten, sagte ein szenekundiger Ermittler des Bundeskriminalamtes (BKA) der Berliner Morgenpost am Mittwoch. Und nannte als „einige Beispiele von vielen“ den Fall Amri und das jüngste Attentat in Straßburg. „Die Beschädigung an einer Bahnstrecke irgendwo am Stadtrand durch die Beschädigung eines Versorgungskabels passt da nicht so recht ins Bild“, erklärte der Beamte. Zudem sei eine solche Aktion auch nicht geeignet, ein Zugunglück mit Toten und Verletzten herbeizuführen. Dies bestätigte am Mittwoch auch ein Bahn-Sprecher. „Wird die Oberleitung zerstört oder beschädigt, kommt der Zugverkehr auf dem betroffenen Abschnitt wegen ausgefallener Stromversorgung automatisch zum Erliegen“, sagte der Sprecher.

In diesem Fall war der Zugverkehr auf dem Streckenabschnitt für eineinhalb Stunden unterbrochen. Betroffen waren S-Bahnen, Regional- und einige Fernzüge. Regional- und Fernzüge in Richtung Frankfurt (Oder) wurden für die Dauer der Unterbrechung über Lichtenberg umgeleitet, Regionalzüge Richtung Flughafen Schönefeld über Schöneweide.

Als weiteren denkbaren Hintergrund zieht der Staatsschutz die Tat von Personen aus der auch in Berlin sehr aktiven radikal-islamistischen Szene in Betracht. Es gebe eine nicht gerade geringe Zahl von vor allem jungen Männern, die in diesen Kreisen radikalisiert würden und dann bemüht wären, durch Einzelaktionen ihre Eignung zum Kämpfer im Heiligen Krieg unter Beweis zu stellen. Nicht ausgeschlossen wird, wie häufig in solchen Fällen, eine „False Flag“-Operation, eine „unter falscher Flagge“ begangene Tat, bei der durch das Hinterlassen geeigneter Spuren und Hinweise der Verdacht auf eine bestimmte Gruppe gelenkt werden soll.

Die Polizei prüft auch, ob ein Bezug zu einem gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr Anfang Oktober auf einer Strecke zwischen Nürnberg und München besteht. Über die ICE-Trasse war bei Allersberg ein Stahlseil gespannt worden. Ein Zug war beschädigt worden, verletzt wurde niemand. In der Nähe dieses Tatorts war damals ein farbiges Drohschreiben mit mehreren Schwarz-Weiß-Kopien in arabischer Sprache entdeckt worden. Einen tatsächlichen Bezug der Tat zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ hält die Polizei in dem Fall nach intensiven Ermittlungen allerdings aber für eher unwahrscheinlich.

Bei der Tat in Karlshorst werden die Ermittlungen wegen des Verdachts des gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr geführt, bislang gegen unbekannt. Dabei wurden neben der IS-Flagge und den Flugblättern noch weitere Beweismittel sichergestellt, unter anderem ein Wurfanker. So ein Gerät wiederum wurde in der Vergangenheit häufig bei Sabotageakten linksautonomer Gruppen benutzt. Noch hält das LKA in der Sache alles für möglich.

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