Geldtransporter-Überfall

Polizei verhaftet zweiten Beschuldigten

Im Oktober überfiel eine Gruppe einen Transporter in Mitte. Die Polizei konnte jetzt den mutmaßlichen Logistiker festnehmen.

Überfall auf Geldtransport: So lief die Tat ab

Maskierte haben einen Geldtransporter am Alexanderplatz überfallen. Der Raub fand Zeugen zufolge gegen 7.30 Uhr am 19. Oktober 2018 im Bereich Alexanderstraße/Schillingstraße statt. Auf der Flucht schossen die Täter.
Louisa Lagé

Überfall auf Geldtransport: So lief die Tat ab

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Berlin. Ermittler des Landeskriminalamts und der Polizei haben an diesem Donnerstagvormittag einen weiteren Tatverdächtigen festgenommen. Der 32 Jahre alte Beschuldigte wurde in seiner Wohnung in Mariendorf verhaftet. Er soll der "Logistiker" des bewaffneten Überfalls auf einen Geldtransporter am 19. Oktober 2018 in Mitte gewesen sein. Er wird verdächtigt, der Tätergruppierung ein Tatfahrzeug sowie die zur Öffnung des Geldtransporters erforderlichen Hydraulikwerkzeuge beschafft zu haben.

Der dringende Tatverdacht stütze sich neben weiteren Ermittlungserkenntnissen auf das Geständnis eines Mitbeschuldigten, teilte die Pressestelle der Generalstaatsanwaltschaft Berlin mit. Dem Mann wird Beihilfe zum schwerem Raub vorgeworfen.

Bereits am vergangenen Freitag hatte die Polizei einen Ermittlungserfolg vermelden können. Beamte hatten einen 38-jährigen Mann festgenommen. Er ist kurdisch-libanesischer Herkunft und soll in Beziehung stehen zu einem der polizeibekannten Clans, die in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Überfällen, Einbrüchen und Gewalttaten auffielen.

Die Beamten durchsuchten in Mariendorf die Wohnung des Tatverdächtigen. Dort konnte ein Beweismittel sichergestellt werden. Der Verdacht erhärtete sich, dass der Mann dabei war, als vier Personen den Geldtransporter überfallen haben. Ein Haftbefehl unter anderem wegen versuchten Mordes und schweren Raubes konnte gegen den Mann durchgesetzt werden.

Der Beschuldigte befindet sich nun in U-Haft. Die Ermittlungen zu den weiteren Mittätern dauern an.

Die Täter haben keine Beute gemacht

Der Überfall ereignete sich laut Zeugen gegen 7.30 Uhr in einer Seitenstraße nahe dem Alexanderplatz. Die Täter konnten in zwei Autos fliehen. Während ihrer Flucht fielen die sperrigen Geldkisten aus dem Kofferraum.

Aus einem Fahrzeug schossen die Räuber auf einen Streifenwagen der Polizei, der sie verfolgte. Es entstand Sachschaden an dem Dienstwagen, Menschen wurden nach Angaben einer Polizeisprecherin „glücklicherweise“ nicht verletzt.

Der weiße Transporter einer Firma für Werttransporte war am Freitagmorgen auf der Schillingstraße unterwegs. Auf dem kleinen Teilabschnitt kurz vor der Alexanderstraße blockierten ihn ein Audi und ein Mercedes vorne und hinten und hinderten ihn an der Weiterfahrt. Dann seien mehrere maskierte und bewaffnete Personen aus den beiden Fahrzeugen gesprungen, so die Polizei.

Einige von ihnen machten sich sofort an der hinteren Doppeltür des Transporters zu schaffen. Wie genau die Täter die Hecktüren aufbiegen konnten, ist noch unklar. Vermutlich nutzten sie einen hydraulisch betriebenen Spreizer, ein akkubetriebenes Spezialwerkzeug, das auch von der Feuerwehr bei Rettungseinsätzen verwendet wird.

Die Täter in den beiden Autos rasten weiter in Richtung Kreuzberg. An der Lindenstraße nahe der Feilnerstraße kam es dann zu mehreren Verkehrsunfällen, in die eines der Fluchtfahrzeuge verwickelt war. Vermutlich rammten die Räuber ein oder mehrere geparkte Autos. Ein Fluchtwagen, ein schwarzer Mercedes R-Klasse, wurde wenig später in der Feilnerstraße verlassen aufgefunden.

Das Fahrzeug wies mehrere Beulen auf und hatte einen kaputten Vorderreifen. Die Feilnerstraße ist eine ruhige Spielstraße zwischen der Linden- und der Alten Jakobstraße. Dort stiegen die Täter aus dem Mercedes aus und stiegen zu ihren Komplizen in den Audi. Von dort aus setzten sie ihre Flucht in unbekannte Richtung fort. Für die Spurensicherung war die Feilnerstraße für mehrere Stunden komplett gesperrt.

Die Räuber mussten den zweiten Fluchtwagen, den Audi, aber stehen lassen, weil er einen Platten hatte. In dem ersten Auto lagerten noch sieben Metallkisten, in denen vermutlich Geld war. Eine achte, sehr große Kiste, war bei der Flucht hinten aus dem überfüllten Kofferraum gefallen.

Viele Überfälle durch Clans verübt

Nach Angaben der Berliner Polizei richteten sich im vergangenen Jahr 14 der 68 größeren Ermittlungsverfahren zur organisierten Kriminalität gegen Banden mit Mitgliedern kurdisch-arabischer Herkunft. Mindestens 12 Großfamilien mit kriminellen Mitgliedern soll es in Berlin geben, ein Teil davon ist in Neukölln zu Hause. Viele Mitglieder haben inzwischen einen deutschen Pass. Das Problem ist nicht auf Berlin beschränkt. Im Ruhrgebiet, in Niedersachsen und in Bremen sind die oft weit verzweigten Clans ebenso aktiv.

Kriminelle Mitglieder dieser Clans verübten Überfälle wie vor Jahren auf ein Pokerturnier mitten in Berlin und auf die Schmuckabteilung im KaDeWe. Es gab spektakuläre Einbrüche: Etwa in eine Bank im Süden der Stadt, der in einer Explosion endete und in das Bode-Museum, wo die Täter eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze stahlen.

Auch Drogenhandel, Schutzgelderpressung und illegales Glückspiel zählen zum Geschäftsfeld und werfen hohe Gewinne ab. Mit ihrem Geld kaufen Clanmitglieder unter anderem Wohn- und Geschäftshäuser. Beim Berliner LKA meldeten sich im Rahmen des Geldwäschegesetzes mehrfach Banken und Immobilienmakler. Die Ermittler ließen im Sommer 77 Häuser und Wohnungen beschlagnahmen.

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