Rückerststraße

Mann in Charlottenburg auf der Straße erschossen

Am Samstagabend ist ein 47 Jahre alter Albaner an der Rückertstraße durch Schüsse getötet worden. Der Täter tötete sich danach selbst.

Ein Mann wurde auf offener Straße erschossen: Ermittler sichern den Tatort

Ein Mann wurde auf offener Straße erschossen: Ermittler sichern den Tatort

Foto: Thomas Peise

Berlin. Die Rückertstraße in Charlottenburg gilt als eher ruhige Nebenstraße, es herrscht weitaus weniger Lärm als etwa an der nahe gelegenen Bismarckstraße. Am Sonnabendabend ändert sich das abrupt, gegen 20.45 Uhr fallen dort plötzlich Schüsse. Ein 47-jähriger Albaner bricht, von mehreren Kugeln getroffen, auf dem Gehweg vor dem Haus Nummer 3 zusammen und stirbt wenig später noch am Tatort. Der mutmaßliche Schütze, ein 60-jähriger Deutsch-Albaner richtet nach den Schüssen die Waffe gegen sich selbst. Er erliegt im Krankenhaus seinen Verletzungen. Das Opfer hinterlässt eine Frau und zwei 14 und sechs Jahre alte Kinder. Die 7. Mordkommission übernimmt noch in der Nacht zu Sonntag die Ermittlungen und steht zunächst vor einem Rätsel.

Die Hintergründe sind noch vollständig ungeklärt, die Kollegen ermitteln derzeit in alle Richtungen“, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntagmorgen. In der Tat schließen die Mordermittler des Landeskriminalamtes (LKA) derzeit nichts aus. Die diversen infrage kommenden Hintergründe werden allerdings unterschiedlich gewichtet. Vieles spreche derzeit für eine wie auch immer geartete Beziehungstat, auch wenn es dafür noch keine konkreten Hinweise gäbe, hieß es aus Ermittlerkreisen.

Selbstverständlich lasse sich auch eine Auseinandersetzung zwischen Rivalen im kriminellen Milieu zum jetzigen Zeitpunkt nicht gänzlich ausschließen, sagte ein szenekundiger Beamter. „Aber dass ein Täter zuerst das Opfer und dann sich selbst tötet, ist für dieses Milieu eher untypisch. Wenn ein Gegner oder Rivale beseitigt werden soll, übernimmt das jemand, der kaltblütig und ohne Skrupel tötet, aber nicht sich selbst“, erklärte der Beamte.

Nicht einmal Blutrache wird gänzlich ausgeschlossen

Eine Beziehungstat etwa wegen verletzter Familienehre erscheint daher eher im Bereich des Möglichen. So grotesk es im 21. Jahrhundert auch klingen mag, selbst eine Tat mit dem Hintergrund Blutrache wird derzeit von den Ermittlern nicht ausgeschlossen, wie ein Beamter mit größtmöglicher Vorsicht formulierte. Dieses archaische Ritual gehört zumindest in Europa inzwischen der Vergangenheit an, gerade bei Albanern kommt die Blutrache allerdings bis heute noch vor.

Noch allerdings ist das alles reine Spekulation, die Ermittlungen der 7. Mordkommission haben gerade erst begonnen. Und selbst wenn es bereits erste konkrete Erkenntnisse geben sollte, hält die Polizei die aus „ermittlungstaktischen Gründen“ in solchen Fällen zunächst zurück. Geprüft wird derzeit vor allem, ob sich Täter und Opfer überhaupt kannten und in welcher Beziehung sie zueinander standen. Auskünfte darüber erhoffen sich die Ermittler durch Befragungen im Umfeld der beteiligten Männer, insbesondere im familiären Bereich. Mit den Befragungen wurde bereits begonnen, ob und welche Ergebnisse sie brachten, darüber schweigt die Polizei.

Zudem soll es auch Zeugen der abendlichen Bluttat geben, deren Befragung hat noch in der Nacht zum Sonntag begonnen. Die Staatsanwaltschaft hat darüber hinaus die Sofortobduktion beider Leichen angeordnet. Sie sollte noch am Sonntag stattfinden, mit einem Ergebnis wird allerdings erst für den heutigen Montag gerechnet. Die Obduktionen können in jedem Fall Aufschluss darüber geben, wie genau die Männer gestorben sind. Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll der 47-Jährige durch mehrere Schüsse in den Oberkörper getötet worden sein, der 60-Jährige hingegen durch einen Kopfschuss. Bestätigt wurde dies bislang allerdings nicht.

Auch die Experten der Spurensicherung waren bis zum frühen Sonntagmorgen an der Rückertstraße im Einsatz. Aufgefundene Geschosshülsen und gesichertes DNA-Material werden jetzt von der Kriminaltechnik untersucht. Erst nach Abschluss der aufwendigen Spurensicherung konnte der Tatort freigegeben und gereinigt werden. Damit verschwand dann auch das zuvor weithin sichtbare Zeichen der Tat, eine riesige Blutlache auf dem Gehweg, in der das 47-jährige Opfer zuvor gelegen hatte.

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