Kriminalität

Zoll hebt Lager mit gefälschter Markenware aus

Auch unerlaubte Billigimporte sind im Visier der Fahnder. Die Vorweihnachtszeit gilt als Hochsaison für Betrüger.

Angebliche Adidas-Trikots der deutschen Fußballnationalmannschaft: Tatsächlich handelt es sich um Fälschungen.

Angebliche Adidas-Trikots der deutschen Fußballnationalmannschaft: Tatsächlich handelt es sich um Fälschungen.

Foto: imago stock / imago/Waldmüller

Bernau/Halle/Berlin.  Die Weihnachtszeit ist auch ein Fest für Markenfälscher. Wie das EU-Amt für geistiges Eigentum (EUIPO) konstatierte, entsteht europäischen Herstellern jährlich ein Schaden von 60 Milliarden Euro im Jahr durch Produktfälschungen. Für Deutschland schätzten Experten die Einnahmeausfälle auf rund acht Milliarden Euro jährlich. Auch der Handel mit Graumarktwaren machen den Firmen zu schaffen. Das sind Artikel, die für einen anderen Markt bestimmt sind, im großen Stil nach Deutschland importiert und hier verbotenerweise weiterverkauft werden. Besonders in der Vorweihnachtszeit haben solche Waren Konjunktur.

Einen dieser Läden, der sich auf den Handel von Grauware spezialisiert hat, haben Zollfahnder vor wenigen Tagen in Bernau (Landkreis Barnim) ausgehoben und dort 5000 Kleidungsstücke sichergestellt. Hauptsächlich handelte es sich um Waren eines großen Sportartikelherstellers. Die beiden beschuldigten Shop-Inhaber hatten die Sachen in den Vereinigten Staaten gekauft und sich in zahlreichen Lieferungen auf dem Postweg nach Deutschland schicken lassen. Über einen eigenen Internet-Versandhandel wollten sie die Produkte hier weiterverkaufen – zum Teil deutlich unter den marktüblichen Preisen.

Die Durchsuchung dauerte acht Stunden

Wie hoch der entstanden Schaden ist, wird gerade ermittelt. „Wir sind immer noch mit dem Katalogisieren der Waren beschäftigt“, sagte ein Ermittler der Berliner Morgenpost. Allein die Durchsuchung dauerte acht Stunden. „Und in der Zeit, in der wir dort waren, kamen immer neue Paktete aus den Staaten an“, sagte der Ermittler weiter. Insgesamt durchsuchten die Fahnder zwei Lager und die Wohnungen der Beschuldigten. Für den Abtransport der Ware mussten die Zollfahnder wegen der großen Menge das Technische Hilfswerk (THW) hinzuziehen.

Aufmerksam geworden auf den Internethandel waren die Behörden, weil die beiden Beschuldigten zahlreiche Paketlieferungen aus den Vereinigten Staaten erreichten. „Da schaut man als Zoll schon mal genauer hin“, sagte ein Ermittler. Durch Recherchen stießen die Fahnder dann auf den Internethandel, bei dem Sportsachen deutlich unter dem handelsüblichen Wert angeboten wurden.

Preise unter Marktwert sollten Kunden misstrauisch machen

Zeitgleich zu der Razzia in Brandenburg durchsuchten die Fahnder Räumlichkeiten bei einem Beschuldigten in Halle (Sachsen-Anhalt), auf den sie im Zuge des Verfahrens ebenfalls aufmerksam geworden waren. Im Gegensatz zu dem Fall aus Bernau geht es bei diesen Ermittlungen um den Import von gefälschten Markenartikeln aus der Türkei. „In der Weihnachtszeit haben wir wirklich viel zu tun“, heißt es aus Ermittlerkreisen.

Grundsätzlich ist es nicht verboten, Markenartikel aus anderen Märkten zu besitzen. Vereinfacht gesagt, kann sich jeder bis zu festgelegten Warengrenzen eine Jeans aus den USA bestellen oder einen neuen Fotoapparat aus dem Urlaub mitbringen. Strafbar macht sich, wer Waren, die für einen anderen Markt bestimmt sind, importiert und hier gewerbsmäßig weiterverkauft. Ähnlich verhält es sich mit Fälschungen. Wer sich aus dem Urlaub eine gefälschte Handtasche mitbringt, muss nichts befürchten. Wer gefälschte Waren importiert und hier verkauft, verlässt dagegen den Bereich des legalen Handels.

Ermittler raten, Markenware nur an den dafür lizenzierten Standorten zu kaufen. Werden Waren irgendwo unter dem Marktwert verkauft, kann man sich sicher sein, dass es in den allermeisten Fällen nicht mit rechten Dingen zugeht. Ausnahmen sind Rabatt-Wochen oder Resterampen. „Für uns sind große Preisunterschiede aber immer verdächtig“, heißt es bei den Sicherheitskräften.

Es gibt auch ein Sicherheitsrisiko

Neben dem wirtschaftlichen Schaden, der durch illegalen Handel entsteht, gibt es gerade bei technischen Geräten häufig auch ein Sicherheitsrisiko. Bei Handy-Akkus aus China oder Auto-Ersatzteilen ist das der Fall. So werden beispielsweise Bremsscheiben von Bosch gern gefälscht. Diese Fälschungen entsprechen aber nicht den Sicherheitsstandards. Besonders skurril: Zu den am häufigsten gefälschten Produkten zählen Europaletten. In Hamburg stürzte mal ein ganzes Lager zusammen. Der Grund: gefälschte und minderwertige Paletten.

Ein anderer Wirtschaftsbereich, in dem Fälschungen immer wieder aufgedeckt werden, ist die Lebensmittelbranche. Panscherei und Betrug gibt es unter anderem häufiger bei Olivenöl, Honig oder Kaffee. Aber auch Gewürze werden schon mal mit billigen Kräutern vermischt, Zucker mit Kunstdünger gestreckt.

Noch ist unklar, was den Shop-Betreibern aus Bernau droht. „Wir sprechen bei dieser Größenordnung aber schon von möglichen Haftstrafen“, sagte ein Zollfahnder. Dass der Zoll bei Warenbetrug so hinterher ist, hat auch einen weiteren Grund. Der Zoll ist dem Bundesfinanzministerium unterstellt – und steuert mehr als ein Drittel zum Budget des Bundes bei.

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