Friedrichsfelde

Obduktion bestätigt: Vater warf Baby vom Balkon

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Alexander Dinger und Rita Schulze
Das Haus am Rosenfelder Ring

Das Haus am Rosenfelder Ring

Foto: dpa/Paul Zinken

In Lichtenberg hat ein 23-Jähriger sein Baby aus der siebten Etage eines Hochhauses geworfen und sprang danach selbst.

Berlin. Traurige Gewissheit: In Friedrichsfelde hat ein 23-Jähriger sein neun Monate altes Baby aus der siebten Etage eines Hochhauses geworfen und ist dann hinterhergesprungen.

Dies teilte die Polizei am Freitagnachmittag nach der Obduktion und weiteren Ermittlungen mit. Damit habe sich der Verdacht eines Tötungsdelikts bestätigt. In dem Fall ermittelt eine Mordkommission. Mit der Obduktion bestätigte sich der Verdacht aus der Nacht. An der Brüstung im neunten Stock waren Blutanhaftungen zu sehen, weshalb schon vor Ort der Verdacht bestand, dass der Mann sich vor seinem Sprung in den Tod selbst verletzt haben könnte.

Nach bisherigen Erkenntnissen ereignete sich das Familiendrama am späten Donnerstagabend gegen 22.30 Uhr. Nachbarn hatten den Vater tot direkt vor einem elfgeschossigen Hochhaus am Rosenfelder Ring gefunden. Etwas weiter entfernt von dem Gebäude lag die Leiche des neun Monate alten Babys auf dem Pflaster.

Laut Notrufprotokoll der Feuerwehr sollen die beiden nacheinander aus dem siebten Stock gefallen sein. Sie waren vorher allein in der Wohnung gewesen. Die Staatsanwaltschaft habe die Ermittlungen übernommen, erklärte ein Sprecher noch am Morgen. Die Mutter des Kindes war zum Zeitpunkt der Tat nicht in der Wohnung. Hinweise auf weitere Personen in der Wohnung gibt es nicht. Die Mutter musste in der Nacht seelsorgerisch betreut werden. Nach Zeugenberichten schrie die Frau vor dem Haus verzweifelt, als sie in einen Krankenwagen weggebracht wurde.

Am Freitagmorgen waren zwei Stellen in einer kleinen Grünanlage vor dem Haus mit Streusand bedeckt. Auf der kleineren Stelle lagen ein Stofftier und eine Blume, daneben stand eine Kerze, die Nachbarn dort abgestellt hatten.

Eine Familie, mit der die Berliner Morgenpost sprechen konnte, legte ebenfalls Blumen und Plüschtiere an die Stelle. Sie wohnen nach eigenen Aussagen erst seit kurzer Zeit in dem Haus. Die Familie haben sie kaum gekannt, in der Nacht aber den Einsatz und die Schreie mitbekommen. Auch die Frau des toten Mannes hat eine Karte abgelegt. Darauf steht: „Ich werde dich für immer lieben, mein Mann. Du wirst für immer in meinem Herzen bleiben.“

Das Wohnhaus, in dem das Drama passierte, ist neu. In dem Elfgeschosser leben 66 Mietparteien. Laut Klingelschild sind nahezu alle Wohnungen belegt. Die Wohngegend ist kein sozialer Brennpunkt.

Die Hintergründe des nächtlichen Dramas sind weiterhin unklar, wie eine Polizeisprecherin auf Nachfrage mitteilte. Hintergrund der Tat könnten aber psychische Probleme des Mannes gewesen sein.

Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei.