Folgenschwerer Brand

Brand in Neukölln - Eine Tote und zwei Schwerverletzte

Zwei Kinder und ihre Großmutter bleiben im Aufzug stecken und erleiden eine Rauchgasvergiftung. Es besteht Verdacht auf Brandstiftung.

Einsatzkräfte an der Dieselstraße

Einsatzkräfte an der Dieselstraße

Foto: Thomas Peise

Berlin. Handwerker schleppen die verkohlten Überreste einer Wohnungseinrichtung ins Freie. Teppich, Sofa, Bücher. An einem Fenster im vierten Stock sind leichte Rußreste zu sehen. Sonst erinnert am Tag nach dem Brand aber kaum noch etwas an das Unglück, dass sich hier in der Nacht zuvor abgespielt hat. In einem der grauen Hochhäuser der Weißen Siedlung in Neukölln, in der Dieselstraße, brannte es nachts von Mittwoch auf Donnerstag. Eine Frau überlebte den Brand nicht.

Wie die Polizei mitteilte, alarmierten Anwohner gegen 21.15 Uhr die Feuerwehr. Vor Ort bot sich den Rettungskräften ein tragisches Bild. Während sich vier Hausbewohner im Alter von 41 bis 69 Jahren selbstständig aus dem brennenden Haus retten konnten, fehlte von einer 62 Jahre alten Frau aus dem vierten Stock und ihren beiden sieben und 13 Jahre alten Enkelkindern jede Spur. Die Feuerwehr entdeckte die dreiköpfige Familie schließlich bewusstlos im Aufzug. Aus bislang noch ungeklärten Gründen blieb der Fahrstuhl zwischen zwei Etagen stecken, die Familie konnte sich nicht befreien. Die Großmutter und ihre beiden Enkelkinder wurden mit Rauchgasvergiftungen in ein Krankenhaus gebracht. Dort starb die 62 Jahre alte Frau in der Nacht. Und auch die vier Bewohner, die sich selbst aus dem brennenden Haus retten konnten, mussten in der Nacht mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung in Krankenhäuser gebracht werden.

Der nächtliche Brand ist aber freilich das Tagesthema in der Weißen Siedlung. Menschen stehen vor dem ausgebrannten Haus, deuten auf den vierten Stock, erzählen von dem Polizeiaufgebot in der Nacht. "Bis um 1 Uhr war hier Polizei und Feuerwehr", erzählt ein Anwohner. Und auch von dem Tumult rund um das Haus berichtet er. Vor dem brennenden Haus versammelten sich in der Nacht viele Schaulustige, aber auch Nachbarn und Bewohner des Hochhauses. Sie drängten sich nah an die Feuerwehrleute und Polizisten heran und behinderten so deren Arbeit. "Es kam immer mehr Polizei, damit die Ärzte in Ruhe ihre Arbeit machen konnten und die Gaffer nicht im Weg standen."

Ein Junge sagt: "Ich hoffe, dass mein Kumpel überlebt." Er ist der Freund eines der beiden Kinder, die im Aufzug gefunden wurden. "Er liegt noch immer auf der Intensivstation", sagt der Junge. Mittlerweile sind erste Hausbewohner in ihre Wohnungen zurückgekehrt. Der vierte Stock aber ist laut Polizei unbewohnbar.

Eigentlich, so sagte ein Sprecher der Berliner Polizei, verfügen Aufzüge über Technik, sodass sie im Brandfall entweder gar nicht mehr fahren, oder nur noch bis zum nächsten Stockwerk und dann mit geöffneten Türen stehen bleiben. Weshalb der Fahrstuhl in der Dieselstraße stecken blieb, muss nun ermittelt werden. "Eigentlich funktionieren die Aufzüge hier immer gut", berichtet ein weiterer Anwohner.

Das Landeskriminalamt hat die Ermittlungen übernommen. Es wird wegen schwerer Brandstiftung ermittelt. Nach bisherigem Ermittlungsstand wurde der Brand im vierten Obergeschoss im Hausflur gelegt. Ob der Brandanschlag gezielte Bewohnern des Hauses galt, ist nun Teil der Ermittlungen.

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