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Schüsse in Neukölln

Berliner Polizei bewacht heute Beerdigung von Nidal R.

Am Rande des Tempelhofer Felds starb Nidal R., nun fand die Polizei das mutmaßliche Fluchtauto. Heute wird Nidal in Schöneberg beerdigt

Foto: BM

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Berlin. Bei den Ermittlungen nach den tödlichen Schüssen auf Nidal R. ist die Berliner Polizei einen entscheidenden Schritt weiter. Die Ermittler haben das Auto gefunden, mit dem die mutmaßlichen Täter am vergangenen Sonntag vom Tatort am Rande des Tempelhofer Feldes flüchteten. Der Golf VI stand ausgebrannt am Kiehlufer in Neukölln.

Die Polizei hat bislang folgenden Tatablauf rekonstruiert: Nach den Schüssen am vergangenen Sonntag gegen 17.40 Uhr flüchteten vermutlich drei Täter über das Tempelhofer Feld. Sie rannten laut Polizei parallel zur Oderstraße bis zur Ecke Leinestraße, wo sie in ein Fahrzeug stiegen und damit in Richtung Hermannstraße davonfuhren. Bei dem Fluchtfahrzeug handelte es sich um einen dunklen VW Golf VI mit dem Kennzeichen „B-MS 1573“. Zeugen hatten sich das notiert und der Polizei übereinstimmend mitgeteilt.

In der Nacht von Montag zu Dienstag zündeten bislang Unbekannte einen Wagen gegen 22.40 Uhr an der Ecke Kiehl­ufer und Mergenthalerring an. Zeugen alarmierten die Feuerwehr, welche die Flammen löschte. Zu diesem Zeitpunkt war an dem VW das nicht mehr gültige Kennzeichen „B-A 4924“ angebracht – weshalb die Ermittler nicht sofort einen Zusammenhang zu der Tat am Tempelhofer Feld herstellten. Erst durch die Spurenlage ergab er sich. Die Vermutung: Bevor das Auto angezündet wurde, vertauschten die mutmaßlichen Täter die Nummernschilder noch einmal.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost ist der Bereich am Kiehl­ufer, an dem das Auto gefunden wurde, mit mehreren Videokameras ausgestattet, da dort mehrere Firmen ihren Sitz haben. Ob die Kameras etwas aufgezeichnet haben, ist noch Gegenstand der Ermittlungen.

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Die 6. Mordkommission fragt nun: Wer hat die Tat oder die Täter beobachtet und sich noch nicht mit der Polizei in Verbindung gesetzt? Insbesondere die Abfahrt der Täter von der Ecke Oder- und Leinestraße dürften mehrere Personen gesehen haben. Wem ist der VW Golf mit dem genannten Kennzeichen aufgefallen? Wer hat am Montagabend in Neukölln verdächtige Personen im Bereich Kiehlufer/Mergenthalerring beobachtet? Hinweise nimmt die 6. Mordkommission beim Landeskriminalamt unter der Rufnummer 030 4664 911 666, per E-Mail unter lka116-hinweis@polizei.berlin.de oder auch jede andere Polizeidienststelle entgegen.

Unterdessen will der Senat den Druck auf kriminelle Clans noch einmal deutlich erhöhen. Nach mehreren Durchsuchungen sowie Festnahmen von Verdächtigen in den vergangenen Wochen suchen nun auch die Verwaltungen den Schulterschluss. Wie berichtet werden sich Innen-, Justiz- sowie Finanzverwaltung beim Vorgehen gegen Clan-Kriminalität künftig noch enger abstimmen. „Wir werden die Clans dort treffen, wo es wehtut. Nämlich beim Geld“, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person.

Nidal R. soll am Donnerstag in Schöneberg beerdigt werden

Die Leiche des 36-Jährigen war am Dienstag nach der Obduktion freigegeben worden. Nidal R. sollte am Donnerstagvormittag auf dem Neuen Zwölf-Apostel-Friedhof in Schöneberg beigesetzt werden. Die Polizei rechnete mit zahlreichen Trauergästen und plante präsent zu sein. Bei der Beisetzung ging sie aber nicht davon aus, dass es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt.

Nidal R. war in Neukölln vor den Augen seiner Familie niedergeschossen worden. Der 36-Jährige starb wenig später im Krankenhaus. Vor der Klinik in Steglitz hatte sich eine aufgebrachte Menge versammelt. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz. Die Ermittler prüfen auch einen Zusammenhang zu Schüssen, die ein Unbekannter Anfang August dieses Jahres auf ein Lokal an der Urbanstraße in Kreuzberg abgegeben hat. Der Hintergrund der Tat ist unklar. Nidal R. soll aber möglicherweise beteiligt gewesen sein und so den Zorn einer anderen Großfamilie auf sich gezogen haben.

+++ Berlin-Podcast +++ Um die Schüsse am Tempelhofer Feld auf Nidal R. geht es auch im Podcast "Molle und Korn" - außerdem um das Lollapalooza:

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