Berliner Ring

Nach Bombendrohung: Autobahnraststätte evakuiert

Schon der dritte Vorfall innerhalb weniger Tage. Bei einem Großeinsatz findet die Polizei jedoch keinen Sprengstoff.

Kurz vor der Hauptreisezeit in Berlin und Brandenburg sorgen Bombendrohungen gegen Autohöfe für Aufregung und massive Verkehrsbehinderungen. So musste am frühen Dienstagmorgen der nördliche Berliner Ring A 10 zwischen Dreieck Havelland und Kreuz Oranienburg für eine halbe Stunde gesperrt werden, wie die Polizei mitteilte. Ein Mann habe gegen 6 Uhr beim Autohof Oberkrämer angerufen und damit gedroht, etwa zwei Stunden später eine Bombe zu zünden: „Im Moment ist der Täter noch unbekannt. Die Polizei ermittelt noch“, sagte Polizeisprecherin Dörte Röhrs. Was er genau gesagt habe, könne man aus taktischen Gründen nicht sagen, aber so viel: Der Anruf kam kurz vor 6 Uhr. Der Anrufer drohte, dass er auf dem Autohof Oberkrämer um 8 Uhr „eine Bombe hochgehen lassen werde“, so Röhrs weiter.

Die Polizei habe die Raststätte daraufhin evakuiert und einen Spürhund eingesetzt, sagte eine Sprecherin. Autobesitzer wurden gebeten, das Gelände zu verlassen, Lkw-Fahrer wurden aus dem Schlaf gerissen. Gleichzeitig ließ die Polizei auch die Autobahn in beiden Fahrtrichtungen in Höhe des Autohofs sperren. Zwischen 7.50 und 8.10 Uhr gab es auf dem zwölf Kilometer langen Bereich der A 10 zwischen Dreieck Havelland und Dreieck Oranienburg kein Durchkommen mehr. Zu diesem Zeitpunkt staute sich der Verkehr bereits kilometerlang. Wie lang genau, konnte die Polizei jedoch nicht sagen. Sprengstoff oder ein Zünder seien aber nicht gefunden worden. Es handelt sich um den dritten Vorfall in Brandenburg innerhalb weniger Tage. Betroffen waren Raststätten und eine Verwaltung. Die Polizei prüft, ob für alle drei Drohungen ein Täter verantwortlich ist.

Suchtrupps setzen auch Spürhunde ein

Trotz intensiver Suche mit Spürhunden machte die Polizei am Einsatzort weder Sprengstoff noch einen Zünder ausfindig. Kurze Zeit später wurde die Raststätte wieder freigegeben. Der Mitarbeiter eines Fast-Food-Restaurants berichtete, dass die Polizei die Beschäftigten hinter eine Absperrung in Sicherheit gebracht habe. Nach knapp zwei Stunden konnten wieder alle an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Den Kollegen gehe es gut, man sei mit dem Schrecken davongekommen. „Zum Glück war das nur eine leere Drohung“, sagt der Mann.

Indirekt betroffen von dem Einsatz waren Tausenden Pendlern, die an diesem Tag zu spät zur Arbeit kamen. Die Polizei hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Der offizielle Vorwurf lautet: „Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten“. Ein solche Delikt kann mit bis zu drei Jahren Haft geahndet werden.

Möglicherweise handelt es sich um denselben Täter, der schon in den vergangenen Tagen in Erscheinung trat. Bereits am Montag hatte die Raststätte Stolper Heide an der A 111 um 5.45 Uhr einen Anruf mit Bombendrohung erhalten. Auch in diesem Fall mussten der Rasthof geräumt und die Zufahrten gesperrt werden. Gegen 6.45 Uhr konnte die Sperrung aufgehoben werden. Ob ein Zusammenhang zwischen den beiden Taten besteht, ist derzeit aber noch nicht bekannt: „Das prüfen wir natürlich. So oft haben wir hier ja keine Bombendrohungen, vor allem, wenn sie zeitlich so eng aufeinanderfolgen“, sagt Polizeisprecherin Röhrs. Weitere Details könne man bei der Polizei noch nicht preisgeben. Ein möglicher Zusammenhang sei aufgrund des identischen Tatmusters jedoch naheliegend. In beiden Fällen handelte es sich schließlich um Bombendrohungen gegen Autobahn-Rasthöfe.

Der Täter muss mit hohen Kosten rechnen

Neben den Bombendrohungen gegen die beiden Rasthöfe war vor neun Tagen eine Bombendrohung telefonisch in der Kreisverwaltung Oranienburg an der Oberhavel eingegangen. Auch in diesem Fall warnte der Anrufer davor, dass ein Sprengsatz gezündet werden solle. Die Beamten konnten jedoch auch dort keinen Sprengstoff ausfindig machen. „Auch da wird geprüft, ob dieser Fall etwas mit den anderen Bombendrohungen zu tun haben könnte. Bestätigen können wir aber bisher noch überhaupt nichts“, sagt Sprecherin Röhrs.

Wie hoch der entstandene Schaden ausfallen könnte, lässt ein Beispiel aus dem vergangenen Jahr erahnen. Im Oktober trat eine 14-Jährige im Schloss-Straßen-Center an eine Kundin heran und warnte sie, dass bald eine Bombe im Center explodieren werde. Das Gebäude und auch die angrenzenden Straßen wurden evakuiert. Doch auch hier war keine echte Bombe im Spiel. Stattdessen handelte es sich um eine Mutprobe zwischen der 14-Jährigen und ihrer 13-jährigen Freundin. Auch sie muss sich nun wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten verantworten. Die Einsatzkosten lagen hier im hohen vierstelligen Bereich, errechnete die Polizei.

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