Messerstecherei

Streit unter Clans: Neue Details zu Angriff in der City West

Nach dem Messerangriff am Adenauerplatz am Donnerstag nennt die Polizei neue Details. Zwei bekannte Großfamilien sollen beteiligt sein.

Berlin. Einen Tag nach der gewalttätigen Auseinandersetzung mit mehreren Schwerverletzten und Festnahmen hat die Polizei erste konkrete Hinweise auf die Hintergründe der Tat. Bereits am Donnerstagabend gab es Mutmaßungen über Streitigkeiten zwischen arabischen Großfamilien, inzwischen geht das Landeskriminalamt (LKA) davon aus, dass es vor allem zwei Familien sind, die in der City West immer öfter gewalttätige Revierstreitigkeiten austragen.

Offiziell hält sich die Polizei mit Informationen zu dem Vorfall noch zurück, Behördensprecher Winfried Wenzel sprach am Freitag zunächst lediglich von mutmaßlich arabischen Männern, die an der Auseinandersetzung beteiligt gewesen sein sollen.

Schon mehrfach Schießereien rund um den Kudamm

Eine der beteiligten Großfamilien soll ihren Hauptaktionsradius bislang rund um die Sonnenallee in Neukölln haben, darüber hinaus aber auch in Charlottenburg zunehmend aktiv sein. Die andere Familie ist bereits seit Jahren in der City West aktiv, ihr früheres Oberhaupt galt lange als feste Größe im Rotlicht-Milieu.

Auseinandersetzungen der Rivalen werden bereits seit längerem auch mit Schusswaffen ausgetragen, sagte eine für die Organisierte Kriminalität zuständiger Ermittler der Berliner Morgenpost. Schießereien gab es rund um den Kurfürstendamm schon mehrfach, dabei wurde auch aus vorbeifahrenden Autos heraus auf die ausgewählten Opfer geschossen.

Die Ermittlungen der Polizei verlaufen schwierig

Der jüngste Vorfall von Donnerstag passe in dieses Bild, sagte der Ermittler. Nach bisherigen Erkenntnissen tauchten etwa zehn Männer in einem Restaurant an der Wilmersdorfer Straße auf und forderten den Wirt auf, nach draußen zu kommen. Daraufhin folgte die Auseinandersetzung, bei der auch Messer zum Einsatz kamen.

Zwei der Angreifer wurden durch Messerstiche schwer, einer von ihnen Berichten zufolge gar lebensgefährlich verletzt. Drei Männer wurden von der Polizei festgenommen. Die Ermittlungen verliefen gewohnt schwierig, hieß es am Freitag aus Polizeikreisen. Die Auskunftsbereitschaft gegenüber der Polizei ist bei dieser Klientel nur mäßig ausgeprägt.

Mit Schutzgelderpressung lässt sich in der Gegend viel Geld verdienen

Die City West gilt bei den Behörden als ausgesprochen lukrativ für kriminelle Gruppen. In Discotheken und Clubs blüht der Drogenhandel, die Gegend um den Stuttgarter Platz ist seit Jahrzehnten als ein Zentrum des Rotlicht-Milieus bekannt. Auch mit Schutzgelderpressung lasse sich in dieser Gegend viel Geld verdienen, heißt es in einem Lagebild des LKA. Für die OK-Ermittler ist es dabei nicht immer leicht, den Überblick zu behalten, wer gerade wie und wo aktiv ist und wo Streitigkeiten drohen.

Es bleibt häufig nicht nur bei Rivalitäten zwischen den Großfamilien, auch die verschiedenen Zweige einzelner Familienclans sind immer mal wieder zerstritten. „An einem Tag halten alle gegen einen anderen Clan zusammen und am nächsten Tag gehen sie wieder aufeinander los“, beschreibt ein szenekundiger Beamter die Situation. Zudem gibt es nicht nur Revierstreitigkeiten zwischen arabischen Großfamilien, auch osteuropäische, insbesondere russische Gruppen mischen mit. Eine Gemengelage, bei der blutige Attacken wie am Donnerstag zwangsläufig vorkommen.

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