Plänterwald

15 Schüsse auf Berliner Imbiss von Arafat A.-C.

In der Nacht zum Dienstag wurde auf das Berliner Lokal von Arafat A.-C. geschossen. Er machte den Vorfall auf Instagram öffentlich.

Berlin. Am Mittwochmorgen herrscht an der Puderstraße in Plänterwald die Ruhe, die diesen Kiez für gewöhnlich ausmacht. Doch die Stille trügt: Einen Tag zuvor fielen dort Schüsse. Und die Spuren sind noch sichtbar: Glasscheiben und Türen des Restaurants „Papa Ari“ sind über die gesamte Fläche mit Einschusslöchern übersät, die später mit silbergrauem Band notdürftig abgeklebt wurden.

Die Polizei ermittelt jetzt, wie es in ihrer Mitteilung heißt, wegen Sachbeschädigung und Verstoßes gegen das Waffengesetz. Mit den Ermittlungen betraut ist allerdings das LKA 4, die im Landeskriminalamt zuständige Fachdienststelle für Organisierte Kriminalität. Allein das zeigt die Brisanz des Vorfalls. Denn das attackierte Lokal gehört Arafat A.-C., Oberhaupt eines bei den Ermittlern bestens bekannten Familienclans sowie langjähriger Freund und Geschäftspartner des Rappers Bushido. Auch dessen Firma „bushidoerisguterjunge GmbH“ hat laut einem Eintrag im Handelsregister ihren Sitz in dem Haus.

Restaurant-Betreiber geht selbst an die Öffentlichkeit

Mehr als ein Dutzend Mal wurde am frühen Dienstagmorgen auf die Frontscheibe des Restaurants geschossen, verwendet wurden wohl Hohlmantelgeschosse. Ob es sich um einen oder mehrere Täter handelt, ist derzeit nicht bekannt. Nicht nur die Fensterscheiben, auch Teile der Ausstattung wurden getroffen. Verletzt wurde niemand, das Lokal, auf dessen Karte sowohl „arabische Fleischspezialitäten“ als auch „vegane Speisen“ stehen, war zu dem Zeitpunkt geschlossen. Passanten entdeckten die Beschädigungen am Morgen danach. Inzwischen sind auf der Straße vor der Hausnummer 8 nur noch weiße Markierungen zu sehen, wo die Polizei die Patronen gesichert hat.

Restaurantinhaber A.-C. hatte die Schüsse am Dienstag auf seinem Insta­gram-Account selbst öffentlich gemacht. Unter ein Foto, auf dem die Einschusslöcher in der Ladenfront zu sehen sind, schrieb er: „Ohne Worte.......15 Kugeln.........“ Dazu veröffentlichte er ein Video, das nach eigenen Angaben auch die Schäden im Inneren seines Geschäfts zeigt. Wörtlich schrieb er: „An den Helden da draußen, du köter, geh jetzt zu dein Herrchen und sag was du für ein Held bist (…) möge Allah dich und der dich geschickt hat vernichten.“ Die zahlreichen Kommentare zu dem Eintrag haben einen ähnlichen Tenor.

Vor mehr als zwei Monaten haben sich A.-C. und Bushido geschäftlich getrennt. Der Rapper hat einen neuen Manager. Seither wird darüber spekuliert, ob die Trennung einvernehmlich oder im Streit erfolgte. Auch wenn sich die Polizei offiziell nicht äußern wollte, hieß es aus Ermittlerkreisen, in den Umständen der Trennung (einzelne Medien berichteten bereits von einem „drohenden Bandenkrieg“) liege eines von mehreren möglichen Motiven für die Schüsse. Ein Anwohner, der anonym bleiben will, hat Bushido seit Ende der Geschäftsbeziehung nicht mehr gesehen. Davor sei der Rapper fast jeden Tag an der Puderstraße gewesen. „Damals war auch die Polizei häufig hier“, sagte er. Das Restaurant sei schon öfter beschmiert worden, im vergangenen Jahr habe es dort gebrannt. Seitdem Bushido und A.-C. getrennte Wege gehen, sei es lange ruhig gewesen an der Puderstraße 8. „Die Menschen hier haben jetzt natürlich Angst“, sagte der Anwohner.

Die arabisch-stämmige Großfamilie A.-C. ist eine von mehreren Clans, mit denen sich die Polizei immer wieder befassen muss. Einzelne Mitglieder der Familien agieren nach Darstellung von Ermittlern „hochgradig kriminell“. Aktiv sollen sie im Drogenhandel, im Rotlicht-Milieu und bei Schutzgelderpressungen sein. Die Auseinandersetzungen zwischen den vier bis fünf in Berlin auffälligen Großfamilien werden mit brutaler Härte geführt, Schießereien sind nicht ungewöhnlich. Und jede Aktion einer Familie zieht zwangsläufig einen Racheakt der gegnerischen Seite nach sich. Auch darin sieht die Polizei ein mögliches Motiv für die Schüsse am Dienstag.

Viele Ermittlungen und keine Schuldsprüche

Gegen führende Mitglieder dieser Familien wurde ebenfalls schon häufig ermittelt. In einigen Fällen kam es auch zu Anklagen, verurteilt hingegen wurde kaum einer von ihnen. Für die Anwälte ist das ein schlüssiger Beweis dafür, dass ihre Mandanten seit Jahren mit haltlosen Vorwürfen überzogen werden. „Meine Mandanten sind keine Intensivtäter, sie werden nur intensiv verfolgt“, sagte unlängst ein Verteidiger. Die Ermittler bei Staatsanwaltschaft und Polizei sehen dagegen in Verfahrensausgängen einen Beleg dafür, wie schwer es ist, Zeugen aus dem Milieu zu belastenden Aussagen gegen die Clanchefs zu bewegen. „Die Großfamilien haben quasi alle ihre eigene Rechtsabteilung“, beschrieb Ralph Knispel, erfahrener Oberstaatsanwalt und Vorsitzender der Vereinigung Berliner Staatsanwälte (VBS), bereits vor Jahren die Situation.