Gesundbrunnen

Schule in Berlin geräumt: Polizei sucht nach Anrufer

An der Grundschule an der Gotenburger Straße gab es den Verdacht einer "Gefahrenlage". Die Polizei räumte die Schule.

Ein Anrufer, der zwei bewaffnete Personen in der Nähe der Wilhelm-Hauff-Grundschule an der Gotenburger Straße in Mitte gesehen haben will, hat am Dienstag einen Großeinsatz der Berliner Polizei ausgelöst. Die Schule wurde am Dienstagvormittag evakuiert, das Gebäude von einem Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei abgesucht. Nach etwa drei Stunden gab die Polizei Entwarnung. Am Rande des Einsatzes spielten sich dramatische Szenen ab, als Eltern versuchten, zu ihren Kindern zu gelangen.

Demnach ging der Notruf gegen 10 Uhr bei der Polizei ein. Ein in der Nähe der Schule wohnender Mann gab an, zwei Verdächtige beobachtet zu haben, die mit Waffen in die Schule gelaufen sein sollen. Die Polizei habe eine Gefahrenlage erkannt und den Alarm samt Polizeieinsatz ausgelöst, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf. SEK-Kräfte mit voller Ausrüstung erschienen vor Ort. Die Polizei sperrte das Gelände weiträumig ab und evakuierte die Schule, um diese dann zu durchsuchen. Auch die Prinzenallee und die Gotenburger Straße wurden weiträumig gesperrt. Über dem Gebiet kreiste ein Polizeihubschrauber. Viele Polizisten patrouillierten schwer bewaffnet mit Maschinenpistolen im Nahbereich der Schule. Auch ein Räumpanzer und Krankenwagen standen bereit.

Die Polizei forderte die Menschen auf: „Bitte meiden Sie den Bereich!“ Nach und nach wurden die Kinder aus der Schule über die Prinzenallee in ein Nachbargebäude gegenüber der Schule geführt. Bilder zeigten Dutzende Mädchen und Jungen in einem Innenhof, die von Polizisten bewacht wurden. An der Kreuzung Osloer Straße und Prinzenallee standen gegen Mittag rund 20 Einsatzwagen der Polizei und viele Eltern, die auf das abgesperrte Gelände zu ihren Kindern gelangen wollten. Einige von ihnen versuchten, über die Absperrung zu klettern. Die Polizei versuchte, sie zurückzuhalten. Einige Eltern brachen in Tränen aus. Lautstark wollten sie von den Polizisten wissen, wie es den Jungen und Mädchen gehe. „Wo ist mein Kind?“, rief eine junge Frau. Müttern standen Tränen in den Augen, aufgebrachte Väter forderten, durchgelassen zu werden.

„Mein Neffe Ceyda ist in der Schule, ich hab ihn noch nicht gesehen“, sagte der Geschäftsmann Yussuf, der direkt gegenüber einen Im- und Exporthandel betreibt. Die Beamten versuchten, die sich aufschaukelnde Stimmung zu beruhigen. Eine Moderatorin der Polizei sprach über Lautsprecher auf die Eltern ein: „Ich kann Ihre Sorgen verstehen, Ihre Kinder sind in Sicherheit.“ Die Botschaft wurde auch in Arabisch und Türkisch wiederholt. „Solange ich meine Tochter nicht sehe, bin ich nicht beruhigt“, rief ein Vater.

Erst gegen Mittag kam die Entwarnung: Die Durchsuchung hatte keine verdächtigen Gegenstände oder Personen in dem Gebäude gefunden, sagte Polizeisprecher Neuendorf. Eltern durften gruppenweise ihre Kinder abholen. Wie die Polizei mitteilte, waren bis zu 250 Beamte im Einsatz, darunter Streifenteams, Hundertschaften, Hundeführer – und die Lautsprechertrupps.

Ermittlungen konzentrieren sich auf den Anrufer

Nun konzentrieren sich die Ermittlungen auf den Anrufer. Dabei soll es sich um einen Mann handeln, der in der Nähe der Schule wohnt. „Wir nehmen den Hinweis ernst und gehen dem nach“, sagte Polizeisprecher Neuendorf während des Einsatzes. Sollte sich herausstellen, dass es sich bei dem Anruf um einen Fehlalarm gehandelt hat, würde ein Ermittlungsverfahren wegen Missbrauchs von Notrufen und Androhung von Straftaten eingeleitet werden. „Jetzt ist es aber noch zu früh, um Vermutungen in diese Richtungen anzustellen“, so der Polizeisprecher gegenüber der Berliner Morgenpost. Im Falle einer Verurteilung sind Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr oder Geldstrafen möglich. Carsten Spallek (CDU), Schulstadtrat des Bezirks Mitte, möchte zum jetzigen Ermittlungsstand keine vorschnellen Schlüsse ziehen. „Falls es sich jedoch um einen vorsätzlich herbeigeführten Fehlalarm handeln sollte, sollte die Tat mit voller Gesetzeshärte bestraft werden“, sagte er am Dienstagnachmittag der Berliner Morgenpost.

Bei Amokalarm tritt Notfallplan in Kraft

Ein Amokalarm an einer Berliner Schule sieht genau festgelegte Abläufe vor. Schüler und Mitarbeiter müssen sich in Klassenräumen einschließen, es ertönt eine automatische Bandansage mit Verhaltensanweisungen. Die Einsatzleitung liegt in den Händen der Polizei. Dieses System war flächendeckend nach dem Amoklauf im baden-württembergischen Winnenden im Jahr 2009 eingeführt worden. Damals hatte ein 17-Jähriger 16 Menschen mit einer Schusswaffe getötet.

Alle Berliner Schulen wurden in der Folge mit einem Amokwarnsystem ausgestattet. Diese Klingelanlagen lösen im Falle eines Amoklaufs ein Alarmsignal aus. Für die Installierung des Systems reicht es oft, die vorhandene Pausensignalanlage umzurüsten. Bei Neu- und Umbauten von Schulen wurden entsprechende Lautsprechersysteme sofort eingebaut. Neben der Alarmanlage steht jeder Schule im Ernstfall ein Notfall- und Fluchtplan zur Verfügung.

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