Tiergartentunnel

Staatsanwaltschaft zeigt Video von illegalem Autorennen

Zwei Autofahrer lieferten sich im Tiergartentunnel ein Straßenrennen. Einer krachte in die Tunnelwand und konnte gefasst werden.

24. April, 1:02 Uhr - Zwei Autos liefern sich im Tiergartentunnel ein illegales Rennen. In einer Linkskurve verliert einer der Fahrer die Kontrolle über sein Auto und kracht in der folgenden Rechtskurve in die linke Tunnelwand. Rauch steigt auf, der Wagen wird zurückgeschleudert. Diese Szene zeigt ein Video, das die Generalstaatsanwaltschaft am Freitagmittag über Twitter veröffentlichte. Der Fahrer des BMW wird bei dem Unfall verletzt. Er flieht zunächst in einem Taxi, kann aber später über das Krankenhaus ausfindig gemacht, sein Kontrahent kann entkommen.

Das Video hat die Generalstaatsanwaltschaft aus "informativen" Gründen veröffentlicht. Insgesamt ermittelt die Amtsanwaltschaft in Berlin zurzeit wegen 90 illegaler Autorennen. Einen speziellen Fahndungsaufruf gibt es hier nicht, das Video soll offenbar vielmehr zeigen, welche Folgen illegale Autorennen haben können.

Immer wieder kommen Menschen bei solchen Profilierungsfahrten ums Leben. Anfang April hatten sich ein Quad- und ein Audifahrer auf der Stadtautobahn Zeugenaussagen ein Rennen geliefert. Beim Abbremsen hatte der Quadfahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren, war ins Schleudern gekommen und gestürzt. Er und sein Beifahrer hatten in ein Krankenhaus gebracht.werden müssen. Der tragischste Fall ereignete sich im Anfang 2016 am Tauentzien, als zwei Autofahrer sich ein Rennen lieferten und an der Kreuzung zur Nürnberger Straße einen Jeep rammten. Dessen Fahrer kam ums Leben. Die beiden Fahrer wurden zunächst zu Lebenslänglich verurteilt. Der BGH hob das Urteil wieder auf, eine neue Entscheidung steht noch aus.

Auch die Berliner Polizei hatte bereits einmal mit einem makaberen Video aus dem Tiergartentunnel auf die Gefahren des Rasens aufmerksam gemacht. Im Juli 2013 war ein Motorradfahrer im Tiergartentunnel verunglückt. Die Polizei veröffentlichte das Video im April 2016.

Seit Oktober 2017 haben Polizei und Staatsanwaltschaft mehr Handlungsspielraum bei der Strafverfolgung. Illegale Straßenrennen und Einzelhöchstgeschwindigkeitsfahrten können als Straftaten mit bis zu zehn Jahren Gefängnis geahndet werden. Nach Aussagen von Oliver Woitzik vom Fachstab Verkehr der Polizei wurden von Januar 2017 bis Oktober wegen illegaler Rennen 77 Ordnungswidrigkeiten angezeigt. Seit dem neuen Gesetz sind seit Oktober 2017 bis jetzt bereits 90 Strafverfahren wegen verbotener Kraftfahrzeugrennen bei der Amtsanwaltschaft anhängig.

„Bereits bei dem Verdacht der Straftat eines illegalen Autorennens oder grob rücksichtslosen Einzelrennens können die Beamten noch an Ort und Stelle Auto und Führerschein einziehen“, erklärt Woitzik. Von dieser Möglichkeit habe man mehrfach Gebrauch gemacht. „Bis Februar dieses Jahres haben die Beamten 30 Führerscheine eingezogen und 30 Autos beschlagnahmt. Darunter drei Lamborghini.“ Die Luxuskarossen können auf richterlichen Beschluss bis zur Hauptverhandlung beschlagnahmt bleiben und im Fall einer Verurteilung sogar komplett behalten werden. „Diese Autos gehen dann in den Bestand des Staates über und werden versteigert“, sagt der Verkehrsexperte. „Dann können die ehemaligen Besitzer ihre Luxuswagen wieder ersteigern.“

Im vergangenen Jahr wurden bei 220 Kontrollen 2700 Fahrzeuge überprüft, bei mehr als der Hälfte hatten die Beamten etwas zu beanstanden. „116 Autos wurden aus dem Verkehr gezogen und mussten zu einem technischen Gutachten“, zieht Woitzik Bilanz. „51 Fahrer waren ohne Führerschein unterwegs.“