Erdogan geht nicht durchs Brandenburger Tor

Beim Berlin-Besuch am 28. und 29. September wird der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan am Brandenburger Tor keine Werbung für sich machen können und auf den klassischen Gang durchs Tor verzichten müssen. Zu diesem Zeitpunkt ist das Tor schon gesperrt für die Aufbauarbeiten zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober. Außerdem soll das Tor auf eine noch nicht näher bezeichnete Weise inszeniert werden, so dass auch das ein normales Durchschreiten verhindern werde, hieß es aus der Senatskanzlei.

Die Feuerwehr versucht, das Auto zu löschen (Symbolbild)

Die Feuerwehr versucht, das Auto zu löschen (Symbolbild)

Foto: pa

Berlin. - 227 Autos sind in Berlin im ersten Halbjahr dieses Jahres direkt angezündet oder bei Brandanschlägen beschädigt worden. Dabei geht nach derzeitigen Ermittlungen nur ein Fünftel der abgefackelten Fahrzeuge auf das Konto von Linksextremisten, Neonazis oder sonstigen politisch motivierten Kriminellen, wie die Polizei der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Die meisten Brandstifter hatten andere Gründe, etwa Vandalismus, Versicherungsbetrug, persönliche Racheakte oder die Vertuschung anderer Delikte. Die Kriminalpolizei konnte bisher nur vier Verdächtige ermitteln.

Ob es sich bei den mutmaßlichen Tätern um politische Extremisten oder normale Kriminelle handelt, erschließt sich häufiger aus den Umständen der Tat, den angezündeten Autos und ihren Besitzern und möglichen Bekennerschreiben im Internet.

Die Halbjahreszahlen (Stand: 6. Juli 2018) deuten im Vergleich zu 2017 auf einen Anstieg bei den angezündeten und beschädigten Fahrzeuge hin. Damals waren im gesamten Jahr 386 Autos angezündet oder beschädigt worden. Davon hatten Links- und Rechtsextremisten 27 Brandanschläge mit 49 ganz oder teilweise zerstörten Wagen verübt.

In diesem Jahr wurden bisher bei 16 Brandanschlägen von extremistischen Tätern 29 Autos angezündet und weitere 15 Fahrzeuge durch Feuer beschädigt. In 13 Fällen geht die Polizei von Linksextremisten aus, einmal von rechtsextremistischen Tätern und zweimal von einem Zusammenhang zum Ausland.

Ziel der linksextremistischen Täter waren besonders oft Autos oder Kleinlaster von Firmen. So wurden im Frühsommer in Berlin-Friedrichsfelde auf dem Gelände einer Telefonfirma sechs Autos angezündet. Kurz davor traf es fünf Transporter der Deutschen Bahn in Berlin-Rummelsburg.

In früheren Jahren hatten Linksautonome Hunderte Privatautos angezündet. Das Vorgehen war aber auch in der linksradikalen Szene umstritten. Inzwischen gelten die Anschläge meist bestimmten Konzernen.

112 Brandstiftungen mit 183 abgebrannten oder beschädigten Fahrzeuge gingen in der ersten Hälfte des laufenden Jahres auf das Konto unpolitischer Krimineller.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Burkard Dregger forderte Innensenator Andreas Geisel (SPD) auf, bei der Fahndung nach den Tätern die Zusammenarbeit mit der Bundespolizei zu verstärken. "Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass fast jede Nacht in Berlin Autos angezündet werden. Fast 230 betroffene Fahrzeuge allein im ersten Halbjahr sind entsetzlich viele", betonte Dregger und fügte hinzu: "So was verschärft die Unsicherheit bei vielen Berlinern."

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