Verbrechen aufgeklärt

Berliner 26 Jahre nach Mord an Zehnjähriger festgenommen

Zeugen hatten 1991 beobachtet, wie jemand etwas über die Brückenbrüstung geworfen hatte. Nach einem TV-Bericht 2017 meldeten sie sich.

Fast drei Jahrzehnte nach dem Mord an einem zehnjährigen Mädchen in Thüringen ist jetzt der mutmaßliche Täter in Berlin gefasst worden. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) nahm den heute 65-Jährigen am Sonntag in seiner Wohnung in Reinickendorf fest. Da der Verdächtige sich zuvor in seiner Wohnung verbarrikadiert hatte, mussten sich die SEK-Beamten unter anderem mit einer Kettensäge den Weg bahnen.

Nach seiner Festnahme wurde der 65-Jährige an die für den Fall zuständige Kriminalpolizei in Jena überstellt. Ein Ermittlungsrichter hat dort inzwischen Haftbefehl erlassen. Einen Bericht der „Bild“-Zeitung, wonach der Mann die Tat bereits gestanden haben soll, wollten die Behörden am Montag nicht bestätigen. Sie kündigten für Dienstag aber weitere Informationen zu der Festnahme an.

Vorgeworfen wird dem Berliner der Mord an der damals zehnjährigen Stefanie D. Das Mädchen war am 24. August 1991 in Weimar entführt worden. Zwei Tage später wurde seine Leiche an der Autobahn 4 unter einer Talbrücke am Hermsdorfer Kreuz gefunden. Das tote Kind war von seinem Mörder einfach von der Brücke 50 Meter in die Tiefe geworfen worden, ergaben seinerzeit die Ermittlungen. Mit einem Großaufgebot an Ermittlern suchte die Kripo jahrelang nach dem Täter, ohne dass es eine Spur gab. Das änderte sich zunächst auch nicht, als 2016 die für die Bearbeitung ungeklärter Verbrechen eingerichtete „SoKo Altfälle“ bei der Polizei in Jena den Fall übernahm.

Die Zeugen hatten sich das Kennzeichen gemerkt

Im vergangenen Jahr wurden dann für Hinweise zur Aufklärung der unfassbaren Tat 5000 Euro Belohnung ausgesetzt. Im Herbst 2017 meldeten sich schließlich Zeugen bei der Polizei und gaben den entscheidenden Hinweis. Die Pannenhelfer hatten nachts an der Talbrücke einen haltenden Kleintransporter bemerkt und dabei einen Mann beobachtet, als dieser etwas über die Brüstung in die Tiefe warf. Da die Zeugen schon damals einen Zusammenhang mit einem Verbrechen vermuteten, merkten sie sich geistesgegenwärtig das Kennzeichen des Wagens.

Nachdem sie den Fahndungsaufruf der „SoKo Altfälle“ in den Medien gesehen hatten, meldeten sich die Männer bei den Ermittlern. Über eine Halterabfrage kamen die Beamten auf die Spur des Berliners.