Justiz

Aufarbeitung: Wieso entkam Hamed M. aus der JVA Tegel?

Der Häftling Hamed M. ist am 7. Februar spektakulär aus dem Gefängnis entkommen - und konnte seither nicht gefasst werden.

Zehn Häftlinge sind innerhalb von nur sechs Wochen aus Berliner Haftanstalten geflohen

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Foto: Reto Klar

Berlin. Die Flucht war spektakulär – und sie setzte Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) erneut unter Druck. Am 7. Februar entkam Hamed M. aus der Justizvollzugsanstalt Tegel. Der Libyer, der noch eine Haftstrafe bis September 2022 zu verbüßen hat, narrte die Justizbediensteten und konnte, festgeklammert am Unterboden eines Lkw, das Gefängnisgelände verlassen. Am Dienstag befasste sich der Senat mit dem Vorfall.

Dort gab Justizsenator Behrendt bekannt, dass er einen externen Experten einsetzt. Der frühere Abteilungsleiter aus dem Justizministerium von Rheinland-Pfalz, Gerhard Meiborg, soll die Sicherheitsabläufe in der Haftanstalt Tegel analysieren, und mögliche Sicherheitslücken aufspüren, insbesondere an den Pforten. So soll verhindert werden, dass sich ein solcher Vorfall wiederholt. Und sicherlich soll auch geklärt werden, wie es überhaupt zu der Flucht von Hamed Mouki kommen konnte.

Die bisherigen Erkenntnisse zum Ablauf dieser Flucht trug Staatssekretärin Margit Gottstein für die Senatssitzung zusammen. Demnach stellten Justizbedienstete am Morgen des 8. Februar gegen 6.05 Uhr beim Aufschließen der Zellen fest, dass M. nicht in seinem Bett lag. Stattdessen hatte er dort eine aus Kleidungsstücken, Stoffresten und Toilettenpapier gebastelte menschliche Attrappe arrangiert. Die Bediensteten informierten die Alarmzentrale, die gegen 6.12 Uhr Anstaltsalarm auslöste. Zeitgleich wurde das Gelände der JVA abgesucht. „Es war von der Möglichkeit auszugehen, dass sich der Gefangene noch auf dem Anstaltsgelände aufhielt“, erklärte Gottstein dazu. Doch M. war längst weg.

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In den letzten Tagen waren neun Gefangene aus der JVA Berlin-Plötzensee verschwunden. Nun sollen die Sicherheitsvorkehrungen in der JVA verstärkt werden, sagte Justizsenator Dirk Behrendt am Mittwoch.
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Laut dem Bericht der Staatssekretärin fuhr am 7. Februar um 14 Uhr ein Lkw auf das Gelände der Haftanstalt. Zwischen 14.45 und 15 Uhr wurde M. noch gesehen. Zwischen 15.30 und 17.30 Uhr hatte er die Möglichkeit zum Freigang auf einem eingezäunten Hof. Diesen „Ordnungszaun“ hat er offensichtlich überwunden. Überwachungskameras haben gegen 17.15 Uhr eine dunkel gekleidete Person registriert, die sich von diesem Zaun weg in Richtung des geparkten Lkw bewegte. Aufgefallen ist dies aber offenbar niemandem. Auch dass M. beim Einschluss um 17.35 Uhr fehlte, fiel niemandem auf.

„Um 20.02 Uhr verließ der Lkw das Gelände der JVA Tegel durch das Tor 2, nachdem er zuvor von drei Bediensteten kontrolliert worden war; grundsätzlich soll bei der Ausfahrt eines Fahrzeugs sowohl eine Sichtkontrolle als auch ein Spiegeln des Unterbodens vorgenommen werden“, sagte Gottstein. Dieses Spiegeln wurde offensichtlich nicht gründlich genug vorgenommen, denn Mouki hatte sich mutmaßlich am Unterboden des Lkw versteckt und sprang bei einem Halt des Lkw außerhalb der Anstalt ab. Im Laderaum des Lkw war er jedenfalls nicht, wie Untersuchungen ergaben.

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