Kriminalgericht

Bilder gefälscht und mit Namen der Künstler signiert

Prozess gegen 46-jährigen Koch wegen gewerbsmäßigen Betruges. Er soll nicht nur Fake-Kunst hergestellt, sondern auch Einbrüche begangen haben.

Matthias W. soll nicht nur Bilder gefälscht, sondern auch in Häuser eingebrochen sein

Matthias W. soll nicht nur Bilder gefälscht, sondern auch in Häuser eingebrochen sein

Foto: BM

Berlin. Matthias W. sieht auch im Saal 704 des Moabiter Kriminalgerichtes noch aus wie ein Künstler. Sein Kinnbart ist keck geflochten; die legere helle Kleidung wirkt, als käme er geradewegs aus dem Atelier. Tatsächlich muss der gelernte Koch ja auch über künstlerische Fertigkeiten verfügen. Sonst wäre das, was ihm von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen wird, kaum möglich gewesen.

Laut Anklage soll der 46-Jährige Zeichnungen bekannter Künstler abgemalt, mit deren Namen signiert und sie verkauft haben. Der nachgewiesene Schaden beläuft sich auf rund 86.000 Euro. Zu seinen Vorlage-Gebern gehören die Zeichnerin und Malerin Jeanne Mammen und Maler wie Albert Weisgerber und Emil Orlik oder auch der Zeichner und Karikaturist Eduard Thöny. Allesamt sind längst verstorben.

Fotos mit gefälschtem Atelierstempel verkauft

Ein weiterer Dreh von Matthias W. soll es gewesen sein, alte, vergleichsweise wertlose Fotografien mit gefälschten Atelierstempeln des Fotografen August Sander zu versehen. Der 1964 verstorbene Künstler gilt als einer der wichtigen Fotografen des 20. Jahrhunderts.

In 16 Fällen soll Matthias W. diese Fake-Fotos zum Verkauf angeboten und 15 Mal soll es auch funktioniert haben. Sammler zahlten Preise von bis 9000 Euro - für eine erfundene Serie mit Stempel „Au. Sander“ und falschen Prägestempel unter dem Titel „Rheinlandschaften 1930 von August Sander“.

Auch soll Matthias W. einen alten Koffer angeboten haben, in den er zuvor mit einem Fettstift „August S.“ geschrieben hatte; ebenso eine alte Kamera, mit der Sander angeblich fotografierte.

Betrüger soll in Häuser eingebrochen sein und Wertgegenstände geklaut haben

Die Kriminellen Aktivitäten des Angeklagten sollen zeitweise aber auch weitaus profaner gewesen sein. So wird ihm von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, im Frühjahr in das Souterrain eines Mehrfamilienhauses in Grunewald eingedrungen zu sein und ein 40-teiliges Porzellanservice, diverses antike Ziergegenstände aus Metall, 19 Ölgemälde und ein Aquarell gestohlen zu haben. Der Gesamtwert wird im Anklagesatz auf rund 50.000 geschätzt.

Aber damit nicht genug. Im Juli soll der Angeklagte auch noch in eine Villa in Nikolassee eingebrochen sein, zwei Geldbörsen der Bewohner und die Autoschlüssel für einen Mercedes mitgenommen haben. Mit dem Wagen sei er davon gefahren, „obwohl er keinen Führerschein besitzt“, so der Anklagesatz.

Matthias W. will sich am nächsten Montag zu den Vorwürfen äußern.

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